Mal hier mal dort http://malhiermaldort.blogsport.de Fußballberichte aus dem In- und Ausland Tue, 26 Mar 2019 07:30:18 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Neuer alter Blog http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/neuer-alter-blog/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/neuer-alter-blog/#comments Sat, 23 Feb 2019 14:00:27 +0000 Administrator 17/18 - Ausland 17/18 - Deutschland http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/neuer-alter-blog/ Der Anbieter „blogsport“ wird zum Ende des Jahres 2019 voraussichtlich seinen Betrieb einstellen. Um meine geistigen Ergüsse von verschiedenen Fußballspielen weiterhin zu teilen bin ich umgezogen.
Der alte Blog wird nicht sofort gelöscht. Die Berichte stehen dem interessierten Leser somit, mindestens bis zum Jahreswechsel, weiterhin hier zur Verfügung. Der letzte Post wird jedoch der Rückblick auf das Länderspiel in Jordanien gewesen sein. Die Spiele ab 2018 werden nun auf dem neuen Blog veröffentlicht.
Einen topp aktuellen Start wird es jedoch nicht geben und die niedergeschriebenen Zeilen werden weiterhin mit einer dezenten Verspätung zu den ursprünglichen Ereignissen erscheinen. Das liegt a) an längerer Schreib-Faulheit und b) an fehlender Zeit.
Zwar versuche ich diverse zurückliegende Spiele und Touren gerade in deutlich kürzeren Texten als üblich zeitnah aufzuarbeiten und irgendwann mal halbwegs aktuell (realistisch ein, zwei Monate später) zu sein. Dafür müssen jedoch 47 Spiele, in 14 Monate, in 11 Ländern und auf 4 Kontinente in die Tasten gehauen werden und das geht eben nicht so schnell, wie ein Foto bei Instagram hochzuladen oder zwei Zeilen bei Facebook zu posten.

malhier-maldort.blogspot.com

In diesem Sinne, gut Ding muss Weile haben.

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Jordanien – Libyen http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/jordanien-libyen/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/jordanien-libyen/#comments Sat, 23 Feb 2019 12:43:20 +0000 Administrator 17/18 - Ausland Jordanien http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/23/jordanien-libyen/ 25.12., Test, King Abdullah II Stadium

Wie kann ich diesen wunderbaren Urlaub, diese unglaubliche Landschaft und diese netten Menschen in einen Bericht über oben genanntes Länderspiel packen? Da mir dieses Unterfangen nicht gelingen kann, vorab einige Worte zur Reise:
https://s17.directupload.net/images/190223/pndsif7l.jpgMit der geliebten Frau standen anderthalb wöchentlicher Trip durch Jordanien über die Feiertage auf dem Plan. Ausgangspunkt war dafür die Hauptstadt Amman, der wir uns nach drei Stunden Schlaf am ersten Tag direkt widmeten. Keine handvoll Sehenswürdigkeiten, aber durchaus interessante Stadt. Unerwartet ruhig abseits der Innenstadt, aber keineswegs langweilig. Zudem konnten wir uns einen ersten Eindruck von der Gastfreundschaft der Menschen machen, die uns durch das ganze Land folgte und uns mehrmals in Verlegenheit brachte. Am Ende sprach meine Frau gar vom nettesten bisher erlebten Völk´chen, dem konnte ich mich nur anschließen. Mit 50 Cent pro Falafelsandwich war meine Speisekarte für die nächsten Tage in Stein gemeißelt und es dauerte drei Tage bis ich überhaupt etwas Fleisch zu mir nahm. Das Essen konnte was vor Ort und wenn ihr keine deutschen Hygienestandards in den kleinen Plastikoasen neben den Straßen erwartet, werdet ihr nicht enttäuscht. Restaurants die ihren Namen verdienen, gab es natürlich auch, aber wozu, bei dem Preis-Leistungsverhältnis. Da fällt mir doch glatt wieder ein, wir wurden gleich zweimal vom Falafelfritierern eingeladen, einfach weil wir Jordanien besuchten. Auf dem Weg in ein Feucht-Reservat im den Osten des Landes tangierten wir das Flüchtlingslager Zaatari. Die Ausmaße reichen mittlerweile so weit, dass von der viertgrößten Stadt des Landes gesprochen wird, über 80.000 syrische Flüchtlinge hat Jordanien alleine dort untergebracht. Aktuell versuchen über 40 Hilfsorganisationen, das Lager in eine echte Stadt umzuwandeln. Zwischen Feucht-Reservat und See landeten wir in Azraq abseits der Straßen in eine Schafherde. Natürlich verstand der Hirte meine Frage nach dem richtigen Weg nicht, gab mir aber mit Hand und Fuß zu verstehen, dass wir ihn in sein Zelt folgen sollten. Da sagen wir nicht nein, wer kann schließlich von sich behaupten, schon mal durch die Vierwände einer Beduinenfamilie geführt worden zu sein? In der nächsten halben Stunde gab es irgendeinen Ziegenmilchbrei (nur was für ganz Starke Mägen), Gespräche ohne englisch und arabisch Kenntnisse auf der anderen Seite, leckeren Tee, damit verbunden eine andauernd umherwirbelnde Frau und vier Augenpaare der Kids, die uns gerade so durchbohrten. Dem Norden erkundeten wir ebenfalls nur via Tagesausflug. Der unterscheidet sich grundlegend zum Rest des Landes, ist er doch saftig grün.https://s16.directupload.net/images/190223/ogovjr5r.jpgNach dem die römische Siedlung in Jerash erkundet war, rief dann das einzige Mal auf der Reise das runde Leder.
Die Partien Jordanien – Libyen beschäftige uns, besser mich, schon am Morgen. Ich hatte nämlich gleich drei ganz sichere Spielorte für den heutigen Abend in Erfahrung bringen können. Zum Glück konnte uns beim ersten Komplex gleich ein Pförtner mit Hilfe modernster Handytechnik helfen, zeigte mir den ungefähren Standort auf dem Navi und versicherte mir glaubhaft, dass im King-Abdullah-II-Stadion gespielt werden würde.
Große Spiele werfen ihre Schatten voraus, somit auch meine Anspannung und wir standen 90 Minuten vor dem Spiel, mit der Absicht Karten zu ergattern, vor dem Stadion. Kassen oder wenigstens irgendwelche anderen Zuschauer waren Fehlanzeige. Immerhin die Armee, Cops und andere Ordnungshüter waren schon zahlreich vertreten und nahmen sich mir an. Nach dem ich drei Offizieren die Hände schütteln durfte und immer weitergeleitet wurde, stand ich immerhin im Stadion jedoch war die Situation nicht besonders befriedigend. Auf einem abgesperrten Parkplatz wurden gerade aus ein dutzend Busse die Insassen auf den Boden sitzend vom Militär durchgezählt und genau einer der bis drei zählen konnte, wurde nun auf mich aufmerksam gemacht. Ich hoffe für die auf den Asphalt Sitzenden, dass er nicht nochmal von vorne beginnen musste. Wir sollten eine halbe Stunde vor Anpfiff wieder kommen, dann würde das Stadion öffnen. Irgendein Offizieller bekam ebenfalls noch Wind von uns und wollte uns gleich in den Pressebereich bringen. Wir hatten jedoch unsere Auskunft und fanden uns wenig später wieder im Stadion ein. Kassen gab es immer noch nicht, dafür freien Eintritt für jeden Interessenten. Am Eingang zur Tribüne brachte meine Frau das schier ausgeklügelte Sicherheitssystem zum wanken. Zwar richtete Jordanien die nächste Asienmeisterschaft der Frauen aus, auf weibliche Besucher waren sie jedoch noch nicht eingerichtet. Während ich meine gründliche Kontrolle hinter mich hatte, wurden Anne zur Seite genommen. Es musste erst eine Polizistin aufgetrieben werden, die dann in einem extra Raum eine Kontrolle vornahm. Dieses Schauspiel dauerte rund fünf Minuten, also bis eine Polizistin gefunden war, die Kontrolle ging fix. Jedoch hatte meine bessere Hälfte noch nicht genug Aufmerksamkeit und steuerte auf die Toilette zu. Große Panik in allen Gesichter: Stopp! Toiletten gab es nämlich nur für Männer, also wurde die Toilette von einem Polizisten geräumt, dass dann meine Frau – samt Begleitschutz der Polizistin – auf´s stille Ört´chen durfte.
Der Rest oder besser gesagt, das Spiel war dann weniger interessant als das Vorgeplänkel. Das Stadion hat keine 20 Jahre auf den Buckel, ist ein sogenanntes Mehrzweckstadion, besitzt 13.000 Sitzplätze und eine überdachte Tribüne. Für die Massen heute hätte jedoch auch ein Sportplatz gereicht. Mehr als 1.500 Zuschauer werden es wohl kaum gewesen sein. Etwas überraschend waren rund 300 Gäste auf der anderen Seite der Tribüne und als wäre das nicht schon genug, trällerten die gar verschiedene Melodien. Ebenfalls formierte sich ein Heimblock aus etwa 250 Jungs. Abgesehen von der Nationalhymne beschränkten diese sich jedoch fast ausschließlich auf „Jordan“-Rufe. Auf dem Rasen gab es zudem ein ansehnliches Spiel, das friedlich mit 1-1 endete. Nach dem meine Frau vor dem Spiel abräumte, war ich während der Partie dran und latschte wie Hans Guck-in-die-Luft in die bettende Menge vor dem Klo. Unangenehm! Deutlich angenehmer blieben da Vati mit kleiner Tochter neben uns in Erinnerung. Papa war nur wegen seiner Tochter hier, sie spielte nämlich auch Fußball, verriet er uns stolz, noch stolzer zeigte sie uns ihre neuen Fußballschuhe und teilte ihre Snacks mit uns. Auch während dieser Konversation kam die unfassbare Gastfreundschaft wieder zum Vorschein. Mein Englisch gehört nun bei weitem nicht zum besten und dennoch war der Papa so erfreut über den kleinen Plausch, dass er uns gleich zu sich einlud. Nach dem wir unser Hotel erwähnten, wollte er uns doch wenigstens dahin fahren… unfassbar! Klar, war es ärgerlich kein Ligaspiel mit der aufflammenden Fanbewegung in Jordanien zu sehen, aber das Spiel samt seiner Erlebnisse war alle Male mehr als ein Trostpflaster.

Stadion

Von einer angespannten Sicherheitslage (Uns-Trump erkannte Jerusalem als israelische Hauptstadt an) war am Toten Meer wenig zu spüren. Zwei Checkpoints und jeweils „Tourist“ waren schnell vergessen. Natürlich ließen wir uns einen Ausflug ins kalte und salzige Nass nicht nehmen.https://s17.directupload.net/images/190223/bzj85p8p.jpgDer Rest des Tages war dann genau nach meinen Geschmack, zuerst liefen wir in einen der vielen Canyons am Meer hinein, später im Süden in einen Artgenossen, nur wanderten wir dort durch teilweise knietiefes Süßwasser. Der nächste Tag brachte uns nach Dana in die dortigen Berge. Als halbsächsicher Wanderer, sind Berge für mich kein Hindernisse, sondern maximal zeitliche Begleiter. Ich sag Mal so, ich bin rückblickend nicht traurig, dass uns ein Einheimischer mit seinem Jeep aufgabelte und uns etwas durch die Berge fuhr, nette Plätze zeigte und uns gar ein Tee aus den dortigen Bäumen zauberte.https://s17.directupload.net/images/190223/y87t9ard.jpgEinzig beim Gespräch über die Familienplanung kam er etwas ins rudern und konnte unsere kinderlose Ehe nicht nachvollziehen. Erzählte uns von seinen 10(!) Kindern mit seiner Frau und mittlerweile 15 Enkelkindern. Am Nachmittag kamen wir einem der Neuen Sieben Weltwunder näher. Zum Warm-up ging es durch Klein Petra und in die Wüste.https://s16.directupload.net/images/190223/n7ict8af.jpg6.30 Uhr standen wir am folgenden Tag vor den Eingangstoren und zählten somit zu einen der ersten Gäste des Tages. In den folgenden 9h stiegen wir tausende Treppen, liefen einige Kilometer und mussten so manchen Felsen besteigen, aber es hatte sich gelohnt – ein weiterer Wahnsinnstag in Jordanien.https://s15.directupload.net/images/190223/m4on3xg7.jpghttps://s15.directupload.net/images/190223/i8x6ah25.jpgAm Freitag erreichten wir den Golf von Akaba und verbrachten einige Stunden am Strand. Dieser füllte sich nach dem Freitagsgebet mit Familien vom Neugeborenen bis zur Ur-Oma. Es wurde gegrillt und Wasserpfeife geraucht. Also in etwa wie bei uns, nur ohne schlechtem Fernsehprogramm, Mikrowelle und eben der Familie. Ein Highlight gab es noch im Jahr 2017, die Wüste. Im Nationalpark (Wadi Rum) verbrachten wir den ganzen Tag.https://s16.directupload.net/images/190223/srczsssg.jpgEine Jeep-Tour ist für diverse Hotspots unumgänglich, lohnt sich jedoch. Sanddünen und riesige Felsen warteten nur darauf von uns bestiegen zu werden. Der absolute Wahnsinn dieser Tag. Ich habe selten so eine schöne Landschaft gesehen. Die letzten zwei Tage führten uns langsam zurück zum Ausgangspunkt unserer Reise. Abstecher gab es noch in Kerak und nochmal zum Toten Meer. Der Jahreswechsel wurde verschlafen und am sehr frühen zweiten Tag des Jahres ging es über Istanbul in die Heimat. Was ein Trip, ich kann ein jedem dieses Land nur empfehlen!https://s17.directupload.net/images/190223/89j7nhec.jpg

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Wintereinbruch in Italien http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/20/wintereinbruch-in-italien/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/20/wintereinbruch-in-italien/#comments Wed, 20 Feb 2019 17:41:23 +0000 Administrator Italien 17/18 - Ausland http://malhiermaldort.blogsport.de/2019/02/20/wintereinbruch-in-italien/ Spiele: Novara Calcio – US Cremonese, ASD Spezia Calcio – Foggia Calcio, SSC Venezia – Pro Vercelli, Calcio Padova – AC Reggiana 1919, ASD Calcio Romanese – Calcio Lecco

Die kleine Tour liegt mittlerweile mehr als ein Jahr zurück, daher nur ein kurzer Rückblick.
Italien geht an einem spielfreien WE immer. So dachten gleich vier weitere Kumpels, anstatt sich nun aber irgendwie auf ein gemeinsames Ziel zu einigen, kamen am Ende drei verschiedene Routen zustande. Überschneidungen gab es nur mit einer Person bei einem Spiel. Unfassbar, aber durch Geiz, Arbeit, Kind oder sonst was für ein Hafer gab es bei allen wenig Spielraum. Zu zweit buchten wir für einen schmalen Taler die Flüge Berlin – Bergamo und zurück. Mietauto gab es ebenfalls zum Schleuderpreis und Hotels blieben ebenfalls im Rahmen. Es passte einfach alles, wie die sprichwörtliche Faust auf´s Auge und es sollte immer noch besser werden. Durch den Feiertag „Mariä Empfängnis“  in Italien warteten in zweieinhalb Tagen gleich fünf Spiele auf uns und das ohne ganz finsteren Mist. Also hinein in den Flieger und ab nach Italien.

Novara Calcio – US Cremonese
08.12., Serie B, Stadio Silvio Piola

Fix das Mietauto übernommen, befanden wir uns mit einem schönen Zeitpolster auf den Weg nach Novara. Selbst ein hektischer Einkauf im Supermarkt war bedenkenlos drin und wir befanden uns auf der Autobahn als das Telefon klingelte. Es war die Autovermietung. Führerschein und Ausweis würden noch vor Ort liegen – ärgerlich. Natürlich kam der Anruf genau in dem Moment, als wir vor einer Mautstation standen – ärgerlich II und wenn du einmal Kacke am Hacken hast, wirst du die nicht mehr los und so verfranzten wir uns noch in irgendeinem Dorf auf der Landstraße – ärgerlich III. Aber nun, auf ein Neues. Wie es der Zufall wollte, war genau dieses Spiel jenes, bei welchem sich die Wege mit einem Kumpel kreuzen sollten. Dank Zeitalter Internet schickten wir ihn unsere Ausweise und er erledigte für uns die Prozedur beim Ticketkauf und wartete nach getaner Arbeit vor dem Stadion auf uns.
Keine 10 Minuten vor dem Anpfiff erreichten wir das Stadion und suchten uns einen Platz auf der Distinti. Novara hatte ich vor einigen Jahren schon einmal gesehen, seitdem hatte es in der kleinen Szene gar eine erkennbare Veränderung gegeben. Alle Gruppen stehen aktuell hinter einer großen Zaunfahne. Daraus resultierte jedoch kein Boom oder eine enorme Entwicklung auf der Tribüne hinter dem Tor, sondern eher ein Rückschritt. Die 30 Leute wirkten wie ein zusammengewürfelter Haufen vom Bahnhofsvorplatz und ich konnte ihnen heute gar nichts abgewinnen und schaute vornehmlich zur meiner Linken. Dort sammelten sich nämlich rund 400 Mitreisende aus Cremonese. Mit Bus wurden die 150 Kilometer ziemlich knapp zurückgelegt, erst nach dem Anpfiff waren alle Gäste im Block. Der Großteil von ihnen nahm im unteren Bereich des Gästeblockes Platz und beteiligte sich an der akustischen Unterstützung, die überraschend gut war. Die Curva Sud startete mit einer Schalparade und anschließend mit lautem Dauergesang. Zwar sind mir deren Lieder nicht besonders lange im Ohr geblieben und eher Standardkost, als individuelle Melodien, aber trotzdem war der Auftritt nach drei Tagen die größte Überraschung. Dazu führten nicht nur der, vor allem im ersten Abschnitt, laute Auftritt, sondern ebenfalls die Anzahl, die hohe Beteiligung und der lebhafte Block durch verschiedene Fahnen und Doppelhalter, wenn mir die Optik der verschiedenen Elemente auch nicht zusagte. Obendrauf durften einige wilde Pöbeleien und eine Fackel in der Menge notiert werden. Als Starter somit vollkommen okay und allemal interessanter als das 1-1 auf dem Platz vor angeblich 3.900 Zuschauern, da wurden jedoch eher wahllos eine Zahl gewürfelt. Wenn die Hälfte an Besuchern wirklich im Stadion war, dann war es immer noch (zu) viel.

Gästeblock, Foto II

ASD Spezia Calcio – Foggia Calcio
08.12., Serie B, Stadio Alberto Picco

Wieder hatten wir ein ausreichendes Zeitfenster für die Fahrt in die Hafenstadt und konnten problemlos das Pärchen bis zum Bahnhof fahren, ehe es auf die 270 Kilometer nach La Spezia ging. Das angenehme Wetter (Sonne, zweistellige Temperaturen) ließen wir leider hinter uns und durchfuhren kurze Zeit später üblen Regen auf der Strecke, der bis vor dem Stadion anhielt, zum Glück aber bald abflachte. Mit den Karten in der Tasche schauten wir kurz in die Innenstadt und saßen kurze Zeit später in einer Pizzeria. Lange überlegten wir zwischen zwei Lokalitäten und entschieden uns rückblickend leider für die Falsche. Schrie der kleine Laden mit seiner Einrichtung erst geradezu nach Kaschemme eines zugezogenen Süditalieners in zweiter Generation mussten wir spätestens beim ersten Biss in die Pizza die Rosa-Brille abnehmen. Mund abwischen und weiter, schließlich lag der Grund unseres Besuches hier einige hundert Meter weiter und hörte auf den Namen Alberto Picco Stadio.
Dieses bleibt als Schmuckstück mit vier verschiedenen Tribünen auf jeden Fall positiver in Erinnerung als die Pizza. Noch positiver blieben jedoch die Ordner in Erinnerung, die den fotowütigen Deutschen nett aber bestimmt baten, dass Ablichten der bemalten Curva Ferrovia zu unterlassen. Könnt ihr euch vorstellen, dass irgendein aufgepumpter Solarstudio gebräunter Ordner in Deutschland so viel Fingerspitzengefühl hat und irgendwelchen Fremden das respektieren der heimischen Szene nahelegt? Ich überlege kurz… ne, denke nicht!
Die Heimkurve füllte sich schleppend, umfasste später aber immerhin 150, vielleicht 200 Leute. Zum Intro gab es einige Blinker, die im kaum beleuchteten Block schön zwischen den Menschen über einige Zeit blitzten. Nach dem 1-0 wiederholte sich das Schauspiel mit reduzierter Anzahl. Gesanglich kam von ihnen – abgesehen in eben diesen Zeiträumen – absolut gar nichts und war somit leider eine reichlich negative Überraschung. Klar, war mir bewusst, dass hier keine volle Tribüne auf mich wartete, aber so trist hätte ich mir die Szene vor Ort nie ausgemalt. Da konnte oder wollte auch der Vorsänger mit XXL-Megaphone hinter der Plastik-Fahne nichts ausrichten. Aber, so ehrlich bin ich, lag mein Hauptaugenmal von vornherein bei den Gästen. Rund 300 nahmen die 750 Kilometer (eine Strecke) auf sich, einige mit Zug! Nach dem die Szene, bzw. allem voran die Curva Nord, aktuell ähnlich hochgelobt wird wie Lecce, konnte ich mir somit endlich ein eigenes Bild machen. Der erste Blick an den Zaun und in den Block offerierte mir jedoch ausschließlich Material der Curva Sud. Soll heißen: große „Curva Sud Foggia“-Fahne, Schwenkenelemente der dort ansäßigen Gruppen (Matteo e Piero, Ultras SFUNN Foggia und Fedelissimi del Borgo) und Schals eben aus der südlichen Kurve. Daran änderte sich bis zum Ende auch nichts mehr. Der Sud wird in einigen Berichten immer wieder fehlende Mentalität im Gegensatz zur Nord nachgesagt, kann ich nicht beurteilen, weil mir a) der Einblick fehlt und ich die Leute nicht kenne und b) ich heute augenscheinlich einzig die Sud unter die Luppe nehmen durfte und die wiederum machte ihre Sache einfach gut. Ohne Unterbrechung waren aus dem Gästeblock Melodien zum Mitwippen zu hören. Besonders im Gedächtnis (und das soll nach 14 Monaten etwas heißen) waren die ersten 20-25 Minuten. Zwei Lieder waren es bis dahin gerade einmal, die jedoch in einer sauberen Lautstärke vorgetragenen wurden und das Spiel somit leicht zum Heimspiel werden ließen. Danach flachte die Unterstützung nicht unbedingt ab, jedoch pegelte sich das Niveau auf einen guten Durchschnitt ein. Ein Hingucker war der Block jedoch dauerhaft. Schwenkfahnen in allen Größen und diverse Doppelhalter waren im ganzen Block verteilt.

Gästeblock, Foto II
Heimblock, Foto II
Stadion

Unser Nachtlager schlugen wir, aufgrund fehlender bezahlbarer Alternativen, in einem Außenbezirk Bolognas ab. Viel Energie und Luft zum abendlichen Stadtrundgang wäre wohl auch nicht mehr drin gewesen, außerdem klingelte der Wecker am nächsten Morgen früh und 20 sind wir auch nicht mehr…
… das bewies am Morgen mein halbvolles Bier auf dem Nachtschrank. Venedig hieß unser erklärtes Ziel für Samstag. Durch reibungsloser Abfahrt und leeren Straßen erreichten wir die Stadt noch vor den größten Touristenströmungen, die uns spätestens auf der Suche eines bezahlbaren Parkplatz jedoch schnell einholten.https://s17.directupload.net/images/190220/smuglgio.jpgDas Wetter hätte nicht besser sein können, den Autoschlüssel gab ich ab und so verlebten sich die nächsten Stunden wie Urlaub. Ich kann jeden nur motivieren sich die Stadt mal zu geben und auf die tausend anderen Besucher vor Ort zu scheissen. Wo es schön ist, wollen nun mal alle hin und Venedig ist schön. Sehr schön. Keine Ahnung wie lange wir dort umher latschten vier, fünf Stunden waren es sicher und es wurde nicht langweilig. In manchen Ecken ist die Pizza sogar bezahlbar und so kehrten auch wir vorm Spiel noch ein.https://s16.directupload.net/images/190220/kjethovs.jpgKurzer Besuch ist das eine, hier leben möchte ich dann jedoch eher nicht… Mieten, Touristen und Fortbewegung sind nur drei Schlagwörter, die ich gar nicht weiter in Venedig vertiefen mag.

SSC Venezia – Pro Vercelli
09.12.; Serie B, Stadio Pierluigi Penzo

Tickets holten wir uns direkt an der Rialtobrücke, an einen der unzähligen Fährbuden (U30 zahlen ganz neben bei nur einen Bruchteil des Eintritts: 5€) und hatten somit alle Zeit der Welt. Wie es so ist, wurde diese dann natürlich noch unnötig knapp. Mit Anpfiff saßen wir aber auf der Stahlrohrtribüne und gaben uns den nächsten Serie B-Kick von den abermals spielerisch nichts hängen blieb. Das Internet verrät mir gerade ein 1-1 vor 3.213 Zuschauer.
Auf den „Curva Sud Veneziamestre“ sammelte sich, für mich, ein überraschender Haufen (musste ich tatsächlich zweimal auf meine Mitschriften schauen) von locker 300-400 aktiven Menschen. Zurückgegriffen wurde bei ihnen meistens auf sehr kurze Gesänge, die sich gelegentlich auch Mal wiederholten. Ging unterm Strich in Ordnung und viel mehr erwartete ich auch nicht, eher wurde ich von der Masse, wie bereits geschrieben, positiv überrascht. Die ungewöhnlichen Vereinsfarben fanden sich natürlich auf den Schals und Fahnen wieder. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht hässlich. Orange, schwarz und grün hat auf jeden Fall Potenzial für einen coolen Block, ob ich das nach 10 Spielen immer noch sagen würde, wage ich jedoch zu bezweifeln. Freunde aus Sandoná waren übrigens auch anhand zweier Fahnen auszumachen. Die anderen Gäste, im Gästeblock, fielen ebenfalls nur durch ihre Zaunfahnen auf.
Die letzten fünf Minuten schenkten wir uns und liefen ein weiteres Mal quer durch die Stadt zum Parkhaus und fuhren der Partie

Heimblock, Foto II

https://s17.directupload.net/images/190220/msyyz558.jpg

Calcio Padova – AC Reggiana 1919
09.12., Serie C Girone B, Stadio Euganeo

entgegen. Mit reichlich Zeit im Gepäck nahmen wir die kostenlose Variante über Landstraße und erreichten den Austragungsort trotzdem als eine der ersten, zogen sämtliche Klamotten aus den zwei Rücksäcken und legten diese nach dem Zwiebelprinzip an (Temperaturunterschied über 15°C). Karten gab es problemlos übers Internet und so zog es uns ohne Umwege auf die Tribüne. Das Stadion ist ein ziemlich nettes Teil aus den 90er Jahren und wurde – wie passend – zum ersten Serie-A-Spiel nach 33 Jahren 1994 mit einem Spiel der Hausherren eröffnet. Keine fünf Jahre später wurde schon wieder Hand an der Spielstätte der Rot-Weißen angelegt. Die Tribünen hinter den Toren wurden angebaut. Seit dem wurde nur noch an der Zuschauerzahl gespielt. Passten früher über 30.000 in das Stadion, sind aktuell nur noch 18.000 erlaubt. Beide Geraden sind überdacht, haben zwei Ränge und sind, abgesehen vom Heimblock, auf der Gegengerade, mit Sitzplätzen ausgestattet. Die Beiden Anbauten kommen mit einem Rang, ohne Dach und Sitzplätze aus.
Der Heimblock startete mit einer Schalparade und zwei Prisen roten Rauch ins Duell, danach schien bei den Ultras Padova das Tagesziel erreicht. Einzig bei den immer wiederkehrenden gegenseitigen Pöbeleien stieg der Haufen mit ein. Ganz dünne Vorstellung, zumal eine solide Masse an Menschen im Block stand. Wie schon am Freitag, sah es auch bei den heutigen Gästen dafür umso besser aus. Mit leichter Verspätung trudelten die gut 350-400 Fans aus dem 180 km entfernten Emilia ein und formten sich im Handumdrehen zu einem feinen Rechteck. Die fünf Zaunfahnen wurden in der Hand gehalten, vier Schwenkfahnen waren abwechselnd in Gebrauch und so wirkte der riesige Block gar nicht mehr so unansehnlich. Links flaggte die Gruppo Vandelli 1991, die Mitte wurde freigelassen, ganz rechts die Teste Quadre (Nachfolger der 1999 aufgelösten Ultras Ghetto, aus dem selben Jahr). Cooles Bild! Die akustische Hingabe war über das Spiel hinweg … gut. Hätten sie optisch jetzt ein beschisseneres Bild abgegeben, ich würde wahrscheinlich nur von durchschnittlich sprechen, aber das Auge isst bekanntlich mit. Wie erwähnt gab es reichlich Pöbeleien, die gingen wie bei jeder Herde gut von den Lippen. Besser waren nur die regelmäßigen Schlachtrufe, die fegten so richtig durch das leere Stadion (4.686 Zuschauer). Ansonsten gab es viel bergauf und -ab. Lange Pausen oder großes Nuscheln gehörten nicht zu den „abs“ und dementsprechend wurde kontinuierlich die Mannschaft unterstützt. War schon gut und lenkte vom öden 0-0 auf dem Platz ab.

Stadion
Heimblock
Gästeblock

https://s17.directupload.net/images/190220/6gimab6g.jpgDie Nacht verbrachten wir im wenige Kilometer entfernten Verona. Drehten noch eine größere Runde durch die Stadt und liefen dabei einige beleuchtete Sehenswürdigkeiten an.
Am Vormittag wiederholte sich das Spiel. Im Gegensatz zum Abend waren nun auch allerlei Menschen auf den Wegen und gerade in der Innenstadt glich der Rundgang eher einem Gedränge. Somit büßte die eigentlich sehr schöne Stadt einige Punkte ein. Wir hatten für den Tag noch einen Termin und überließen die Straßen Veronas voll und ganz den Weihnachtsmännern, bzw. ihren Helfern. https://s15.directupload.net/images/190220/cec8cn8z.jpg

ASD Calcio Romanese – Calcio Lecco 1912
10.12., Serie D Girone B, Comunale Romano di Lombardia

Nach Romano di Lombardia waren es rund 100 km, die wir via Alternativroute erreichten. Das Thermometer befand sich weiterhin auf Sturzflug und lange haderten wir, wann denn nun der perfekte Moment sei, um das warme Auto zu verlassen. Am Ende war es zu früh, aber immerhin gab es im Stadion heißen Tee. Das städische Stadion war auf zwei Seiten bebaut, beide überdacht aber gänzlich unterschiedlich. Die Gegengerade stellte dabei den Gästeblock da, den die Jungs aus Lecco auch gerne bevölkern wollten. Das zog jedoch erst einmal einige Diskussionen mit den Pigs nach sich. Warum der Block überhaupt verschlossen war, konnte ich nicht nachvollziehen. Schließlich sollte es sich in der Liga herumgesprochen haben, dass die Gäste ein gewisses Potenzial haben. Kurz vor 14.30 Uhr und somit fast pünktlich zum Anpfiff gaben die Cops und der Gastgeber doch noch nach, öffneten das Metalltor und kontrollierten die Anhänger sehr genau.
Der ganze Stress am Eingang war zum Glück schnell vergessen und hatte keinerlei Auswirkungen auf die Motivation der rund 80 Ultras. Ein flotte Sohle legten sie in den folgenden 90 Minuten auf das Paket und sangen sich zu meiner Nr. 1 am Wochenende. Der ganze Auftritt war nett zu verfolgen. Auf der kleinen Gerade – mit vier Stufen, Maschendrahtzaun und Dach – war viel Bewegung zu sehen, lange Klatschparaden zu hören und eine solide Lautstärke zu vernehmen. Immer wieder kam die viel zu große Schwenkfahne und weiteres Tifo-Material zum Einsatz, das durch die Schals immer wieder ergänzt wurde. Spätestens als es nach 20 Minuten anfing zu schneien und nun immer wieder einzelne Fackeln angingen war ich mit dem heute erlebten zufrieden. Jedoch ging das Spektakel noch 70 Minuten weiter (gut, auch in Italien sind die 5-10 polnischen Minuten nach dem Wiederanpfiff angekommen) und wir schauten uns immer wieder zufrieden an. Zufrieden waren nach dem Spiel (0-1) nicht nur die rund 200 Gäste unter den 300 Zuschauern, sondern auch Frau Holle, die eine geschlossene Schneedecke ihren Verdienst nennen konnte.

Gästeblock, Foto II
Stadion

In Bergamo schauten wir noch kurz in der Innenstadt vorbei und nahmen eine letzte Pizza zu uns, ehe wir das Auto verließen und zum Gate stiefelten. Verspätung – Klasse. Noch mehr Verspätung – Oberklasse. Abflug am nächsten Morgen – Scheisse! Was waren die 4 Stunden nicht für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, ja wir saßen sogar schon bei Rainer drin, nur abheben wollte er nicht. Andere Flieger hatten mit dem Schnee weniger Probleme. Nun ja, es sollte ein Hotel für alle geben. Dort ging es mit Shuttle hin. Überraschenderweise reichten die Zimmer vorne und hinten nicht. Wir versuchten erst gar nicht unser Glück, sondern machten uns über die unbewachten Kühlschränke her. Klappte ganz gut und irgendwann gab das Hotel gar die Dinger offiziell frei. Verhungern und ganz wichtig: verdursten mussten wir also nicht und die Nacht ging flüssig vorbei. Am Morgen hatte unser Flieger weiterhin mit einigen Problemen zu kämpfen und die Minuten summierten sich schnell auf zwei weitere Stunden. Endlich in der Luft, waren wir auch fast wieder zuhause. Netter Trip mit unschönem Ende.

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1. FC Magdeburg – Hallescher FC http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/10/1-fc-magdeburg-hallescher-fc-4/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/10/1-fc-magdeburg-hallescher-fc-4/#comments Mon, 10 Dec 2018 11:40:46 +0000 Administrator 17/18 - Deutschland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/10/1-fc-magdeburg-hallescher-fc-4/ 25.11., 3. Liga, Heinz-Krügel-Stadion

Sachsen-Anhalt-Derby und außerhalb der jeweiligen Szenen, weiß so gar niemand, was an dem Spieltag Phase ist und passieren wird. Klar, Halle würde nach einem Jahr Abstinenz wieder geschlossen zum Derby fahren. Auch, weil die Mannschaft drum gebeten hat. Aber wie würden die Rot-Weißen auftreten, wie reagieren die Magdeburger und wie verhält sich der Block U an diesem Tag. Fragen, die mir vor dem Spiel kaum jemand beantworten könne und so sagte ich neugierig und interessiert zu. Das Wetter passte sich dem Derby an. Grau, finster, nass – nicht für jedem geeignet. Auf der Hinfahrt gab es etwas Tratsch und die Spielabsage des morgigen Spiels des Clubs flatterte per Nachricht rein. In Magdeburg noch einen Döner verschlungen, vermeldete das Handy, eine Störung an der Strecke der Hallenser Zugfahrer. Das Derby hatte begonnen…
Die Störung bestand aus einer sabotierten Weiche auf der Zugstrecke! Einige Anhänger des FCM sahen in der Anreise der Gäste eine Provokation und wollten diese mit allen Mitteln verhindern, anscheinend erfolgreich. Der Gros der Hallenser hing demnach erst Mal fest und bis zu Halbzeit war es maximal 600 Gästen vorbehalten, das Spiel ihres Vereins im Stadion zu verfolgen. Das restliche Stadion war selbstverständlich ausverkauft und die offizielle Zuschauerzahl lag bei fast 22.500. Während im Gästeblock also vorerst gähnende Langeweile herrschte, begann das Magdeburger Publikum gewohnt lautstark. Einer dichten Schalparade folgte ein gemeinsames Einklatschen über alle Tribünen und ein mehr minütiger Wechselgesang. Das haut jedes Mal auf´s neue wieder rein, auch wenn bis zum Abpfiff keine großen Ohrwürmer hängen blieben oder ich ständig mit wippen musste. Anders als bei manch einem Spiel an gleicher Stelle, blieb der gemäßigte Anhänger fast die komplette Spieldauer aktiv und stimmte immer wieder in die Gesänge aus dem Block U ein. Einzig als die Zugfahrer aus Halle das Stadion zur 40. Minute erreichten, fing der Stimmungsmotor an zu stottern, ehe auch in anderen Stadionbereichen Unruhe zur vernehmen war. Am Abend wusste ich warum… auch als die Situation aussichtslos war, versuchten einige Gastgeber die Rivalen von einem Stadionbesuch abzuhalten. Schnell standen dutzende Vermummte hinter der Gegengerade und warfen Bengalos, Flaschen und Steinen auf die Gäste. Die, die nicht schnell genug waren und nun vor einer Reihe Cops standen, versuchten ihr Glück hinter der Haupttribüne und ein ganzer Schwung Vermummter joggte dem Gästeblock von anderer Seite entgegen. Jedoch hatten dort ebenfalls schon einige Einheiten der Polizei Stellung bezogen und griffen beherzt zum Pfeffer. Mit dem Halbzeitpfiff kehrte wieder Ruhe ein.
Während der Angriffe auf die Zugfahrer, verließen fast alle Gäste den Block und solidarisierten sich mit ihresgleichen. Die sich nun wiederum unfähigen Bullen ausgesetzt fühlten. Zum Anpfiff des zweiten Durchganges wuchs die Anzahl der Gäste auf knapp 1.200 an und sie versuchten sogleich sich gegen die Übermacht akustisch zur Wehr zu setzen. Große Zeichen konnten die HFC-Fans jedoch nicht setzen, auch wenn in den verbleibenden 45 Minuten durchgängig die Mehrheit in Bewegung war. Der fast einheitliche schwarze Mob trat optisch kaum in Erscheinung. Weder am Zaun (vorher kommunizierte Zaunbild von einer großen Fahne ging nicht auf) noch im Block konnten die Fahnen oder der Verein präsentiert werden. Mittels Spruchbänder wurden das Themen 50+1 thematisiert und Besserungswünsche übermittelt. Während auf den Rängen also nur teilweise Derby-Atmosphäre aufkam und es im Stadion auf den Rängen eine eindeutige Angelegenheit ohne optische Highlights war, waren die Spieler um ein gutes Prestigespiel bemüht. Eine schnelle 2-0 Führung der Hausherren folgte einer immer stärker werdende HFC-Mannschaft, die im zweiten Durchgang auf 2-1 verkürzte. Bei einer astreinen Rudelbildung flogen in der 70. Minute gleich ein Akteur vom Platz und die Hallenser drückten auf den Ausgleich. Dieser blieb jedoch, auch aufgrund eigenem Unvermögen, aus.
Über das Thema „Hannes“ habe ich bisher absichtlich kein Wort verloren. Natürlich stand das Spiel und all seine Randerscheinungen in dem Schaden des traurigen Schicksals von Hannes. Block U verzichtete in diesem Zusammenhang auf (fast) alle Fahnen. Nur zentral vor dem Block („Du bist niemals alleine“) und am Vorsängerpodest (Gedenkfahne) wurde angeflaggt und auch die meisten anderen Fans im Stadion schlossen sich an. Zudem wurde dem Gegner und vermeintlichen Verein der Täter keinerlei Aufmerksamkeit entgegengebracht und auf sämtliche Verunglimpfungen verzichtet (Gesänge, gezogenes Material usw.).

Heimblock
Fahne beim FCM
Gästeblock

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Tennis Borussia Berlin – Anker Wismar http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/03/tennis-borussia-berlin-anker-wismar/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/03/tennis-borussia-berlin-anker-wismar/#comments Mon, 03 Dec 2018 18:09:10 +0000 Administrator 17/18 - Deutschland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/12/03/tennis-borussia-berlin-anker-wismar/ 17.11., Oberliga-Nordost-Nord, Mommsenstadion

Die überflüssige Weihnachtsfeier vom Arbeitgeber bei Zeiten verlassen, bitte ich schon wieder an einem Freitagabend bei TeBe am Einlass um ein Stehticket. Ja, in letzter Zeit häuften sich die Besuche im Mommsenstadion. Allerdings, so ehrlich muss ich sein, gibt es von heute auch nicht vielmehr zu berichten, als die anderen Spiele. Ich könnte jetzt erzählen, dass der Bierpass endlich voll ist, aber dem ist nicht so. Denn den angefangenen habe ich heeme liegen lassen. Also wandern die heutigen Stempel auf eine neue Karte. Aber zurück zum wesentlichem, dem Sport. Gegen Anker Wismar sieht es lange nach einem 0-0 aus, auch wenn die Berliner deutlich mehr vom Spiel haben, irgendwie will das runde Leder nichts ins eckige Gehäuse springen. Als sich alle, bei winterlichen Temperaturen, mit der Punkteteilung angefreundet haben und die letzte Minute der Nachspielzeit läuft, machen die Gäste tatsächlich das unverdiente Siegtor. Von den 513 Zuschauern wird es maximal 10 Leuten gefreut haben. Die Siegesserie ist nun also passé und der Klassenprimus aus Rathenow kann erst Mal aufatmen.

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Rumänien im Herbst (Teil II) http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/25/rumaenien-im-herbst-teil-ii/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/25/rumaenien-im-herbst-teil-ii/#comments Sun, 25 Nov 2018 17:47:50 +0000 Administrator Rumänien 17/18 - Ausland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/25/rumaenien-im-herbst-teil-ii/ Spiele: Carmen București – CSA Steaua București, Petrolul Ploiești – Astra Giurgiu II

Wir fassten nochmal ordentlich Regen ab, sammelten A. ein und liefen Richtung Innenstadt, dabei unterschätzten wir den Weg gewaltig und erreichten die Einkaufsstraße erst, als sämtliche Restaurants dicht gemacht hatten. Die Alternative hieß dann goldene Möwe. Sinnlos, wieso muss ich eigentlich immer wieder in den kulinarisch besten Ländern auf den größten Mist zurückgreifen? 43,5 Meter in die eine, 87 Meter in die andere Richtung, waren wir am Ende unserer Kräfte und der Stadterkundung. Mit dem Taxi ließen wir uns nachhause chauffieren.
Damit war das Kapitel Timișoara auch schon wieder passé und mit dem ersten Gockelschrei saßen wir im Auto. Feinstes hop on – hop off gab es heute auf diversen Landstraßen im Flitzer. Nachdem eine Herde Pferde weniger an uns als Fortbewegungsmittel interessiert war, konnten wir einen Hund nur schwer davon überzeugen, doch lieber an seinem See zu bleiben und wieder das Auto zu verlassen. In unseren Herzen, vor allem aber in den Polstern des Autos und unseren Sachen blieb er aber noch eine Weile bei.https://s15.directupload.net/images/181125/flpz9dl4.jpgDer wunderschöne Wasserfall Bigar in der noch schöneren Schlucht war auf der Fahrt ein ganz guter Reinfall, erwarteten wir doch etwas mehr als 2 ½ m Moos die sich an einem Felsen hielten. Deutlich mehr Laune machte uns die unerwartet abwechslungsreiche Wanderung einige Kilometer südlich. Die Berge dort waren nicht viel mehr als einige Hügel, die Anstrengung hielt sich in Grenzen.https://s15.directupload.net/images/181125/6pvzp8oe.jpgDafür sorgte der vergangene Regen für erschwerte Fortbewegung und der kleine Bach nahm großzügig unseren auserwählten Weg ein. Hinzu kamen noch allerlei Hunde, Schafe, eine handvoll Pferde und zu guter letzt ein Einheimischer, der uns den Weg zu einen richtigen Wasserfall zeigte. Cooler Typ, wie er mit Stock in der Hand vormarschierte und mit seinen Gummistiefeln nur so durch die Gegend stampfte. An seinem Haus angekommen, wies er uns nochmal den Weg und verschwand im pinken Gehöft, bei meckernden Enten und bellenden Hunden.
https://s15.directupload.net/images/181125/ppr4a5jy.jpgKennt ihr die Decebalus-Felsskulptur? Nein? Ich vor der Reise auch nicht, dabei sind die Jahr 2004 fertig gemeißelten Skulpturen an der Donau die höchsten (55 m ) in Europa. Im Sommer bedienen gleich mehrere Ausflugsschiffe die Nachahmung des letzten Königs von Dakien und die Tafel des Traiana zur näheren Inspektion. Zumindest aber König lässt sich auch vom Ufer ausreichend beachten. Wem das nicht interessiert, der krault halt einen der dutzenden Straßenhunde, die um die Aufmerksamkeit der Besucher kämpfen. Süß! Unser Tag endete in Craiova.https://s15.directupload.net/images/181125/kqzgghj8.jpg
Der darauffolgende Tag hatte so ziemlich gar nichts, abgesehen von der Anfahrt nach Bukarest, zu bieten. Zwar war für den späten Nachmittag ein Fußballspiel von Rapid București (weiterer Nachfolger neben Academia)fest eingeplant, aber weder am heimischen Stadion, noch am Austragungsort wollte jemand etwas von dem Spiel wissen. Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern… auch wenn es spätestens am zweiten Spielort fast zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen mir und dem verwiesenen Grün gekommen wäre. Also ab in unser letztes Heim auf Zeit und in der Innenstadt etwas die Füße platt gelaufen.
Abgesehen von einer kurzen Stadtbesichtigung am Morgen stand der Tag ganz im Zeichen des runden Leders, bzw. dem, was sich drumherum so abspielte:

Carmen București – CSA Steaua București
11.11., Liga 4 Divizia A, Stadionul Rocar

Das Problem an Berichten, die so spät in die Tasten gehauen werden (aktuell knapp 11 Monate Verzug), ist das Vergessen der Kleinigkeiten. Ich meine, ich weiß noch ganz genau, dass mich das Spiel umhaute und es ein runder Besuch war, aber welche Puzzelstückchen dazuführten, die liegen unauffindbar unter irgendeinem Sofa, auf dem sich mein Hirn gerade ausruht. Ärgerlich und Memo an mich selbst: Stichpunkte!
Ich weiß auf jeden Fall noch, dass wir von der Metro gefühlt ewig durch die Bukarester Einfamilienhaus-Idylle liefen und, ähnlich wie gestern, so gar nichts an ein bevorstehendes Fußballspiel erinnerte. Weder auf den viel zu kleinen Fußwegen, noch in den Gärten waren irgendwelche Menschen zusehen. Nun waren wir auch sehr früh dran und es handelte sich um ein Spiel der vierten rumänischen Liga, aber auch ohne Gedanken an das Spiel, wirkten die Straßenzüge wie ausgestorben. Erst kurz vor dem Stadion lärmte Metall und alte Motoren. Die Pigs… mit einigen Dutzend bauten sie Zäune vor dem Stadion auf oder standen in der Sonne herum. Was würden die ganzen armen Seelen in aller Herrgottsländern nur ohne Fußball machen? Hier in Rumänien gebe es definitiv ein paar Klebstoff-Schnüffler mehr, wobei ich das Leid der Kinder in den Großstädten des Landes nicht mit der Perspektivlosigkeit eines arbeitslosen Polizisten vergleichen möchte. Ich meine jetzt ganz ehrlich, was um alles in der Welt bewegt ein Obersheriff dazu eine ganze Armee an Bullen zu so einen Spiel zu schicken?
Nachdem wir unsere Eintrittskarten erworben hatten, machten wir uns zum nächsten Späti und taten es den Uniformierten gleich, wir genossen die Sonne. Einige wenige Fans hatten einen ähnlichen Ablauf und suchten sich mit einem kleinen Plastikbeutel voll Snacks und einer Dose Bier eine Bank. Noch bevor ihr Auflauf richtig begann, verzogen wir uns ins Stadion, auch weil wir um die Eingangssituation (ein Zugang) wussten und nicht weiter zwischen den vertrauten Gesichtern auffallen wollten. Das gelang uns ungefähr gar nicht. Zuerst wurden wir von der Security angeraut, weil wir nicht auf ihre Anweisungen reagierten und dann rangierte der Vereinsbus noch so nah an uns, dass ein Mitarbeiter des Vereins uns auf englisch das Leben rettete. Weiter lief es nun aber wie am Schnürrchen und auf der Geraden konnten wir noch locker 45 Minuten die Sonne fast alleine genießen.Währenddessen sahen wir die schier unzähligen Gruppen in den Gästeblock (Gerade gegenüber) einlaufen. Dabei war bei allen der Ablauf identisch. Die Gruppen kamen schon in sich geschlossen und unabhängig voneinander am Stadion an. Die ersten Leute schauten ins Stadion, ehe das Material (in den meisten Fällen eine kleine Zaun- und eine Schwenkfahne) schnell nachkam; Direkt hinter den Kontrollen wurde auf den Rest gewartet, ehe geschlossen der Platz eingenommen wurde. Dabei fiel schnell auf, dass die Gruppen nicht orientierungslos durch den Block latschten, sondern gezielt ihren Platz einnahmen. Von links nach rechts sammelten sich nach und nach u.a. die South Boys, Outlaws, Shadows (ganz wichtig das Keltenkreuz im O auf beiden Fahnen), Combat, Tineretului Korp und Vacarm.
Kurz vor dem Spiel zeigte der Block dann, dass sie trotz einer Vielzahl von Gruppen, zusammen agieren (Abgesehen der Nord, sehen alle aktiven Gruppen jenes Steaua als Nachfolger). Angetrieben von vier oder fünf Vorsängern sangen die 700 Anhänger „ohohoh Steaua“. Das war nicht nur laut, sondern klang auch großartig. Einige Zeit hielt sich die bekannte, aber live noch nie so wohlklingende Melodie. Die weiteren Lieder, fast ausnahmslos melodische Gesänge, wurden immer laut und energisch vorgetragen, ohne sie kaputt zu machen. Freunde von Schlachtrufen und Klatschparaden wurden somit über die meiste Zeit enttäuscht. kamen diese doch nur selten zum Einsatz. Einzig zum Ende des Spiels, nach dem 5. oder 6. Tor (am Ende 0-6) intonierte der Torschütze mit geballter Faust einen kurzen Schlachtruf, den die Fans natürlich sofort erwiderten. Als das Spiel wieder lief, gaben sich anschließend Co-Trainer, Ersatzspieler und sonstige Leute von der Auswechselbank die Hand vor dem Block und heizten nacheinander den Block an. Geil!
Neben den wirklich geilen Beats für die Ohren, gab es für die Augen eher Schonkost. Die vielen kleinen Fahnen gaben weder ein schönes Gesamt-, noch Einzelbild ab. Zuviel Farbe, zu viele Stile, noch mehr Formate und teilweise ganz fiese Druckbilder. Unter den über 20(!) Stoffen waren leider maximal fünf ansehnliche Fahnen bei. Gut, die Quote ist in Deutschland sicher nicht viel besser und denke ich an die rumänischen Fanszenen, habe ich auch nicht deren Zaunfahnen als erstes vor dem innerlichen Auge. Die 12 großen Schwenkfahnen setzten sich hingegen wenigstens etwas ab und lenkten durch ihren fast durchgängigen Gebrauch vom Zaun ganz elegant ab. Mit drei durch die Luft drehenden Keltenkreuzen war hierbei jedoch zumindest inhaltlich viel Luft nach oben. Kurz nach dem der Ball rollte zeigten übrigens „Shadows“ eine kleines Intro aus einem riesigen Doppelhalter und schwarzen Rauch, das bunte Spruchband am Zaun passte da irgendwie überhaupt nicht ins sonst so düstere Bild.

Choreo
Gäste
Stadion

Mehr als zufrieden mit dem erlebten verabschiedeten wir uns vom kleinen Stadion, während Spieler, Trainer, Fans und Ultras ihren Verein feierten. Während die Straßen um das Stadion immer noch verwiesen wirkten, war in der Stadt schon etwas mehr betrieb. Viel Zeit vertrödelten wir dort nicht und nach einem Mahl wartete in Ploiesti das Nächste Spiel auf uns.

Petrolul Ploiești – Astra Giurgiu II
11.11., Liga 2, Stadionul Ilie Oană

Dieses Spiel und allem voran der Gastgeber Petrolul Ploiești ist ein trauriges Beispiel für den rumänischen Fußball und seinem Verlust von traditionsreichen Clubs im Profigeschäft. Vor wenigen Jahren wohnte ich noch dem Spiel der beiden ersten Mannschaften in der ersten Liga bei. Damals war Astra der Gastgeber an der bulgarischen Grenze. Die Wege trennten sich kurze Zeit später. Petrolul spielt nach der Insolvent 2016 aktuell in der dritten Liga, kann jedoch weiterhin auf seine Fans vertrauen, die ihren Verein die Treue halten. Inzwischen folgte Petrolul leider den landesweiten Trend und verkaufte große Teile an die Firma Veolia. Es bleibt ihnen somit nur zu wünschen, dass eine kommerzielle Ausschlachtung des Vereins erspart bleibt. Astra hingegen spielt das neunte Jahr im Oberhaus und hat sich somit bestens etabliert, ihre paar Zuschauer werden vom Präsidenten wahrscheinlich mit Handschlag begrüßt und von einer organisierten Fanbasis sind die paar Trottel soweit entfernt, wie wir vom Mond. Passend dazu haben die Spieler ihrer zweiten Mannschaft heute die Ehre, an diesem Spieltag vor mehr Fans zu spielen, als zu den nächsten fünf Begegnungen der ersten Mannschaft kommen werden – 3.000 in etwa!
Genug der Einleitung und hinein ins Stadionul Ilie Oană . Der Neubau aus dem Jahr 2010 geht trotz seines modernen Stils klar und hebt sich vom 0815-Einheitsbrei ab. Einzig die Außenbeleuchtung hätten sich die Herren Architekten gerne klemmen können, wenn auch es hässlichere Farben als blau-gelb gibt. Im Gegensatz zu den ersten beiden Spielen, hatte ich es unterlassen, die aktive Kurve durch Google zu jagen und wurde somit gleich beim betreten – nach sehr gründlichen Kontrollen – überrascht: Szenespaltung. Spätestens nach Steaua București (oder Rapid/Academia) keine Neuigkeit in Rumänien . Was wirklich dahinter steckte, weiß ich leider dennoch nicht, bin über eine Aufklärung aber dankbar. Das Ausleben der Mentalität könnte eine Ursache sein, denn diese unterschied sich in beiden Kurven komplett. Zu unseren Rechten sammelten sich rund 200 Leute, denen ich eher einen chaotischen Stil zuschreiben würde. Die Menschen dort standen als Pulk, ohne irgendwie optisch auch nur ein bisschen Form einzunehmen. Ihre großen Schwenkelemente wurden abwechselt und temporär genutzt. Einzig bei den Zaunfahnen war etwas Linie drin. Gleich zwei Hooligan-Lappen und ebenso viele Fahnen angelehnt an die Flagge von Großbritannien wurden befestigt. Wer nun daraus ableitet, dass die Ultras dort den britischen Stil ausleben (wie auch immer dieser aussehen mag) liegt falsch! Langanhaltende Lieder – die mal etwas lauter, mal etwas leiser – vorgetragen wurden, erinnern wohl kaum an die Atmosphäre in den (meisten) Stadien auf der Insel. Klatschparaden beschränkten sich auf ein Minimum, eine Schalparade gab es gar nicht. Stattdessen wurde unkoordiniert beim Support gehüpft. Ihnen gegenüber und somit direkt neben dem Gästeblock, standen in etwa 120 Leute, vornehmlich in schwarzen Jacken. Der Block gab sowohl akustisch, als auch optisch ein komplett anderes Bild ab. Ein Rechteck hinter drei großen (und gewöhnungsbedürftigen) Fahnen war deutlich zu erkennen und wurde vom Großteil respektiert. Beide Schwenkfahnen waren nur während der akustischen Unterstützung präsent und diese war dann der größte Unterschied zwischen beiden Kurven. Die Gruppen beiden ansässigen Gruppen nutzten ausschließlich kurze Lieder und vor allem Schlachtrufe, dementsprechend oft kamen die Arme zum Einsatz. Während also hier punktuell und lautstark unterstützt wurde, war gegenüber immer Gesang zu vernehmen. Das restliche Publikum schaute Fußball und stieg in unregelmäßigen Abständen in den Gesang der einen oder anderen Kurve ein. Interessant dabei, dass dann die jeweilige „überstimmte“ Kurve ihr Lied oftmals unterbrach und ebenfalls einstieg. Somit bekamen die Spieler phasenweise vom ganzen Stadion die Marschrichtung vorgegeben.
Bei denen verstärkte sich jedoch von Minute zu Minute der Verdacht, dass der 12. Mann heute als einziger den Sieg erkämpfen wollte. Halte ich mich mit solchen Äußerungen sonst sehr zurück, schrie das gebotene Spiel gerade zu nach einem gekauften Spiel. Fehlpassorgien, eine angewurzelte Fünferkette und eine aberwitzige Chancenverwertung vom Klassenprimus (bis dato nur ein Unentschieden) ließen nicht nur bei mir die Vermutung aufkommen. So endete das Spiel am Ende wie es begonnen hatte und nach drei sonst netten Spielen in Rumänien bleibt ein bitterere Beigeschmack.

Kurve
Kurve II
Stadion

https://s15.directupload.net/images/181125/8ugzjyy9.jpgAm letzten Tag passierte nicht mehr viel bei uns. Während sich T. einen Frisör gönnte, streiften A. und ich über einen Markt und die angrenzenden Platten. Der Ausflug zu einem Katzen-Café verhinderte zum Glück ein verschlossenes Tor und so gönnten wir unserem Flitzer alternativ noch eine Wäsche und schauten auf dem Weg zum Flughafen am Dinamo-Stadion vorbei.https://s15.directupload.net/images/181125/np6lfpdf.jpg

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Rumänien im Herbst http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/21/rumaenien-im-herbst/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/21/rumaenien-im-herbst/#comments Wed, 21 Nov 2018 19:20:21 +0000 Administrator Rumänien 17/18 - Ausland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/11/21/rumaenien-im-herbst/ Spiel: Ripensia Timișoara – UTA Arad

Nachdem die sogenannten Jahresurlaube getrennt verbracht wurden, wollten wir im Herbst nochmal gemeinsam weg, wie es Pärchen halt so machen. Wir einigten uns schnell auf das Ziel Rumänien. Das Thema traute Zweisamkeit hatte sich kurze Zeit später erledigt und ein Freund „der Familie“ vervollständigte unsere Reisegruppe. Mit Rainer und Timișoara war die Anreise für wenige Taler geklärt. Zumindest bis die irische Fluggesellschaft eine Krankheitswelle biblischen Ausmaßes traf und in fürsorglicher Voraussicht mehrere hundert Flüge in zwei Durchgängen über mehrere Wochen ersatzlos strich. Böse Zungen behaupteten natürlich andere Dinge. Wie dem auch sei, wir standen ohne Flug da. Die Alternative hieß dann Bukarest und war mit 60€ zwar doppelt so teuer, aber immer noch im Rahmen.
Der Samstag lief entspannt ab. Durch die abendliche Anfahrt fuhren wir nur noch einige Kilometer nach Norden ins nächstmögliche Hotel. Der Faulheit geschuldet wird es wohl als teuerste Unterkunft in Vergangenheit und Zukunft für mich in Rumänien ins Tagebuch eingehen. Nach etwas Palaver und Geschenken (← weil ich so ein netter Typ bin), war der Samstag auch bald Geschichte, zumindest im Pärchen-Zimmer.
https://s15.directupload.net/images/181121/nkdj773p.jpgUnser erstes Ziel am Sonntag war das Bärenreservat Zărnești in der Nähe von Brașov. Die 2 1/2 stündige Fahrt gab dabei, gerade auf den letzten Kilometern, nicht nur einige schöne Einblicke in die Landschaft für die kommenden Tage, sondern auch einen oberflächlichen in die finanziellen Verhältnisse auf dem Land. Umso beachtlicher ist es für mich, dass dann einige Leute ihre ganze Energie und natürlich auch ihr Geld in ein Projekt wie Libearty Bear stecken und verwirklichen. Klar, werden sie mittlerweile gefördert und die Besucher tragen mit Spenden und Eintritt für den Betrieb ebenfalls bei, aber wer wusste dass schon bei der Gründung und den ersten Spatenstichen? Bei den ca. 150 Bären handelt es sich vor allem um Tiere aus Restaurants und Zoos, die zur Bespaßung und Belustigung von Kunden in kleinen Käfigen gehalten wurden. Alles andere als artgerecht fristeten sie so über Jahre hinweg ihr Dasein und verkümmerten bei schlechter Haltung und Misshandlung. Die Tiere werden sich von dieser Zeit nicht mehr erholen, können hier aber den Rest ihres Lebens mit Artgenossen im weitläufigen Grünen genießen. Einige Tiere sind leider psychisch so kaputt, dass sie einzeln oder in sehr kleinen Gruppen gehalten werden müssen. Während des 90 minütigen Rundgangs erhielten wir Einblicke in die Vergangenheit der Tiere, die Anfänge der Anlage und sahen einige Bären sowie ein paar weitere Wildtiere, die aus den Händen der Menschen befreit wurden.
Nach einem kurzen Abstecher in die angrenzenden Bergen erreichten wir eine Schlucht im Piatra Craiului National Park. Der Herbst hatten die Bäume schon längst von ihren Blättern befreit und sorgte somit für ein karges, bzw. graues, Bild, dass einige Meter höher durch den Schnee weiß wurde. Sahen die Bilder vom Sommer malerisch aus, ließ sich die Schönheit heute nur erahnen. Mit Bran stand für die letzten hellen Stunden des Tages das touristische Aushängeschild in der Umgebung auf unseren Zettel: das Schloss Bran.https://s15.directupload.net/images/181121/ngag4ows.jpgDie Geschichten, Märchen und/oder Sagen um seinem ehemaligen Bewohner sind hinreichend bekannt. Die Stände für die Besucher natürlich entsprechend mit passendem Tinnef gefühlt und wir mittendrin. Mit Langós bewaffnet, liefen wir etwas auf und ab, ohne dabei auf Dracula oder anderen blutrünstige Gestalten zu treffen.
Unser Nachtlager schlugen wir Brașov auf, einfach weil die Preise dort um ein vielfaches günstiger waren als in Bran, die Stadt mehr als ein Schloss hat und die Abendgestaltung mehr versprach. Unsere Unterkunft fanden wir nach etwas hin und her doch noch. Geile Bude, nur das fünfte Rad am Wagen musste sich mit dem Sofa zufrieden geben. Vorher ging es für uns aber in die Innenstadt, die alle drei Punkte – wenn auch irgendwie anders als gedacht – bestätigte. Die Stadt schien als allererstes ziemlich ausgestorben. Gut, sieht in meiner Heimatstadt Sonntag (und alle anderen Wochentage) auch nicht anderes aus. Die Abendgestaltung von den Studenten und anderen Einwohner konnten wir nach wenigen hundert Metern aus nächster Nähe betrachten. Hinter einem Bettlagen forderten hunderte Demonstranten eine bessere und Korruptionslose Justiz. Der Demonstrationszug griff weder die paar Cops an, plünderte nicht in der Innenstadt und nicht einmal auf das örtliche Gericht flogen Fläs´chen mit einer Mischung aus Heizöl und Benzin… wir wanden uns dementsprechend ab und nahmen die Suche nach einer Nahrungsquelle auf. Haben wir zu zweit schon riesige Probleme uns zu einigen, schrien die Anforderungen billig, einheimisch und nah zu dritt nur nach scheitern. Nach dem wir fünf Restaurants für nicht akzeptabel empfanden, stolperten wir über eine Kantine. Checkpot! Die beiden Damen hinterm Tresen werden wohl keine Sterneköche mehr in diesem oder nächsten Leben, aber das wussten wir vorher. Gut gestärkt schauten wir uns noch ein, zwei Ecken an und ließen den Abend, aufgrund fehlender Alternativen, in der Küche ausklingen.
Am Morgen wiederholten wir die Runde und saßen bald wieder in unserm Auto. Die Straßen und Dörfer wurden dabei schnell kleiner, mehr und mehr Straßenhunde schauten uns hinterher oder andersherum. Das im ersten Augenblick idyllische und schöne Dorf Racos zeigte uns schonungslos und offen das Problem zwischen Rumänen und den Stinti und Roma auf. Eine unsichtbare aber unverkennbare Grenze durchzog die Straßenzüge, welche weder die eine, noch die andere Seite zu übertreten mochte und ein Miteinander unmöglich machte. Uns war diese Grenze egal, auch weil unser Ziel hinter dem deutlich ärmlicheren Behausungen der leider immer noch diskriminierten Bewohner lag. Etwas unwohl wird mir in solchen Momenten dennoch immer, dass liegt aber an unseren Möglichkeiten und nicht an den Menschen. Während wir hier mit einem geleckten Mietauto durch die Prärie heizen und uns Sprit- und Essenskosten nur bedingt interessieren, sehen wir links kleine Kinder in Lumpen Holz suchen, damit sie in ihren Hütten wenigstens etwas Wärme bekommen. Wenn sich dann noch irgendwelche Urlauber über bettelnde Kids oder Erwachsene an Touri-Hotspots beschweren könnte ich platzen. Bevor ich jetzt abschweife und an den Problem doch nur nichts bis wenig erreiche, spanne ich den Bogen wieder zu unseren schönen Welt.
https://s15.directupload.net/images/181121/8dhnw3cy.jpgDen rote Krater hatten wir ganz für uns alleine, nur die Glocken einiger Kühe durchbrachen die Ruhe. Der Durchmesser betrug locker 250-300 m und war teilweise mit einigen Tannen bewachsen. Hinunter gelangen wir leider nicht, die Gefahr hier zu verschollen wolle keiner eingehen und so fanden wir uns schnell und vollzählig wieder im Auto ein.https://s15.directupload.net/images/181121/2fbtnx6k.jpgAuf der Burg Cetatea Rupea folgte eine kurze Pause und in Schäßburg ein Stadtrundgang. Die Altstadt hinter den Stadtmauern beeindruckte hier durch viele bunte Häuser in den verschiedensten Variationen. Das Wetter passte sich endlich mal an und beim leckeren Essen am Fuß der Festungsmauer kam bestes Urlaubsfeeling auf.https://s15.directupload.net/images/181121/iexw98co.jpgDas Highlight des Tages wartete jedoch knapp 30 km von Cluj-Napoca entfernt. Ein kleiner Wasserlauf hat sich dort mit der Zeit durch Meterhohe Felsmassive gefressen. Heute ist die Schlucht ein beliebter Wanderweg, der Trittsicherheit und etwas Konzentration verlangt. Leider spielte die Zeit und damit einhergehende Dämmerung gegen uns und wir schafften es nicht ganz durch die Schlucht, waren am Ende jedoch alle begeistert, dass wir trotzdem noch dort hielten.https://s15.directupload.net/images/181121/kujduh4f.jpg
In Cluj endete unser Tag in einer schönen Plattenbausiedlung, weit über den meisten Dächern der Stadt.https://s15.directupload.net/images/181121/8wu8qitz.jpgEin traumhafter Ausblick! Eine ähnlich kleine Runde wie am Vortag führte uns vorbei an einigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Straßen waren heute deutlich belebter, leider bedeutet dies nicht, dass es leichter war, sich für ein Restaurant zu entscheiden. Nein, selbst als wir uns endlich entschieden hatten und Platz nahmen, ergriffen wir beim Blick in die Karte die Flucht. Warum gibt es nicht in jedem Laden Cevapcici oder Falafel an irgendeiner versifften Ecke… oder wenigstens ein Döner!? Alternativ hätten wir etwas in der Küche zaubern können, aber darauf hatte keiner Bock und mittlerweile auch die Läden schon zu.
Am Morgen sah es dafür umso besser aus. Brot, bisschen Aufschnitt und vor allem Rührei. Bestens gesättigt, konnten wir in den Tag starten. Dieser hatte es in sich, denn zum „fröhlicher Friedhof“ an der ukrainischen Grenze mussten 200 Kilometer Landstraße und ein kleines Gebirge überquert werden.https://s15.directupload.net/images/181121/p7ob2sl5.jpgEs war also klar, dass der Tag heute mehr oder weniger im Auto verbracht werden würde. Auf der Route fanden sich auch keine weiteren Anlaufpunkte – denkste! Meine Frau warf die Stadt Baia Mare in den Raum, diese wird im Reiseführer als, selbst für hiesigen Verhältnisse, utopische Plattenbaustadt beschrieben. Tatsächlich, um den Marktplatz waren zwei drei Altbauten und dann begannen schon bald die Ringe von Plattenbauten. Jetzt nicht im Ausmaß von Kiew oder Belgrad, aber im Verhältnis war das schon eine Hausnummer.https://s15.directupload.net/images/181121/dneewmri.jpg
Kaum die letzten Platten hinter uns gelassen, hatte unser Auto und A. mit den Serpentinen zu kämpfen. Während es unserer Flitzer zur Hälfte geschafft hatte und locker in Richtung Tal rollte, kämpfte die Rückbank weiterhin mit den Kurven und Mageninhalt. Aber auch das war irgendwann überstanden und wir schauten in eine völlig andere Welt. Nette Gegend hier! Die Häuser waren zum größten Teil aus Holz und bunt angestrichen, die weiten Felder endeten irgendwo in den Bergen, das Viehzeug lungerte in der Sonne und der Bauer daneben, der Verkehr wurde immer übersichtlicher und die Kids liefen gut gelaunt die Straße entlang Richtung Haus. Ich kann es nicht gut beschreiben, aber in den kleinen Dörfern schien die Welt in Ordnung zu sein. Augenscheinlich keine Armut, kein Stress, kein Gehetze und alle lebten Glücklich nebeneinander. Toll. Mit der Ruhe war es dann in Sighetu Marmaţiei zu Ende, die Stadt unweit der Grenze war chaotisch und wie Städte an der Landesgrenze halt so sind, eher hässlich. Dafür hatten wir unser Ziel bald erreicht, lohnten unseren Eintritt und schauten uns die Gräber an.https://s15.directupload.net/images/181121/5j7deyok.jpgDas besondere hier sind die Grabsteine, bzw. Grabkreuze. Stan Ioan Pătraș war es, der die öden, festgefahrenen und immer gleichen Aufschriften von Namen, Geburts- und Todesdatum um bildliche Geschichten erweiterte. So verzieren – meist lustige – Bilder von ihm über 800 Gräber. Die bunten Zeichnungen gaben meistens das Lebenswerk oder die Todesursache der Verstorbenen wieder. Eine schöne Sache, warum auch sollte der Tot immer grau, leise und deprimierend sein? Kaum ein Stündchen war vergangen, da stand der zähe Rückweg wieder an. Für größere Pausen war die Luft anschließen raus und wir wählten den direkten Weg nach Cluj. Direkt? Ach komm, der Weg müsste uns doch auch auf die Straße nach Cluj bringen. Die Vernunft in Form meiner Frau schlief gerade und ja, es hätte uns klar sein müssen, dass unsere Idee an Dummheit nicht zu überbieten war. Da steht ein XXL-Schild mit riesigem Durchfahrtsverbot, nach 500 m bestand die Fahrbahn nur noch aus Schnee und Eis, unser Auto rutschte nur so um die Kurven und ich intervenierte, dass der Fahrer doch bitte etwas vom Gas gehen sollte.https://s15.directupload.net/images/181121/aw72mkon.jpgZum Glück erwachte irgendwann die Rückbank und fragte beim Blick auf die Straße, was wir hier machen und vor hätten. Die Frage stellten wir uns anschließend auch, wendeten und fuhren wieder auf die bekannte Straße.
Auch der Folgetag hielt wieder etwas Abenteuer für unser Auto und uns bereit, daran war beim viiiiiiiiiiiel zu frühen Auftakt allerdings noch nicht zu denken. Große Straßen ließen wir gekonnt links liegen und durchfuhren somit wieder kleine Ortschaften und – selbst im tristen November – schöne Landstriche. Am Beliș-Fântânele-Stausee und den folgenden Kiefernwäldern war jedoch bald schon wieder Schluss. Ich mag ja Autofahren, aber nach gefühlten 2.000 Kilometern übelster Serpetinen in den letzten drei Tagen habe ich irgendwann die Schnauze voll. Zum Glück zeigte das Navi bald „abbiegen“ an. Es war zwar ein unbefestigter Weg, ein wenig Schnee war hier und dort zu erkennen, aber es sollten auch nur noch wenige Kilometer sein. Nach dem wir uns das fünfte Mal im Schnee festgefahren hatten und nur mit anschieben wieder ins Rollen kamen, zusätzlich zwei Mal ganz langsam Richtung Straßengraben rutschten, gaben wir auf. Und ich lege mich hier fest, nachdem 2014 in Iași selbst die Busscheiben auf den Weg nach Moldawien von innen froren und wir in den letzten beiden Tagen gleich zweimal vor Schnee kapitulieren mussten: mich sieht Rumänien nur noch im Frühling und Sommer. Ein Ziel blieb somit auf der Strecke und wie fuhren nun die Scarisoara-Eishöhle an. Ich bin jetzt nicht unbedingt ein Höhlen-Fan, aber auf der Tour zählte Demokratie… sinnlose Erfindung! Am verwiesenen Parkplatz (von fünf Verkaufshütten hatte genau keine auf, von drei Imbissen null – Hochsaison) schloss ich jedoch eine untrennbare Freundschaft mit einem Straßenhund und war fortan Glücklich. Beeindruckender als der Hund waren nur zwei Opis, die im Abstand von 100 m ihren selbst gebrannten anboten und trotz keinerlei Interesse unserseits zum gratis kosten anboten. Über Sinn und Unsinn solcher Beschäftigungen im hohen Alter lässt sich natürlich streiten, beim Blick auf das Thermometer und den überschaubaren Besuchern (drei) sicher noch etwas mehr, aber die beiden waren glücklich. Kaum waren wir vorbei, setzten sie sich wieder hinter ihren Tisch und schauten in den Wald. Vielleicht komme ich im Rentenalter auch wieder hierher, verkaufe ein bisschen Bier, trinke immer mal eins mit und wandere mal den Wald bergauf und bergab, es gibt sicher schlimmere Lebensabende. Die einladenden Wanderwege wurden von 2/3 der Gruppe verschmäht… Demokratie. Stattdessen zogen wir ein Ticket, schmierten auf der aalglatten Treppe fast ab und schauten uns eine dunkle Höhle an. Höhepunkt war Eis aus der Eiszeit.https://s15.directupload.net/images/181121/sjt94ukg.jpgCool… noch cooler wäre es nur mit festgesetztem Auto gewesen. Abgesehen von der Höhle konnte die Natur tatsächlich einiges hier und machte selbst ohne frisches Grün und bunte Wiesen Eindruck. Immer wieder erschienen große Felsen im dichten Wald oder hinter dem nächsten Abzweig ein fieser Abstieg. Selbst die unflexiblen Demokraten leckten etwas Blut und bejahrten großzügigerweise einen Verbleib vor Ort. Jedoch sollte das Auto als Fortbewegungsmittel dienen. Das hätte ich bei den beiden wahrlich nicht erwartet. Die auf denen sonst bei Wandern immer Verlass ist. Die Frau, die anstandslos den Brocken besteigt, in Sofia das Witoschagebirge vom Fuße aus angeht oder drei Monate später 8(!) Stunden durch Petra laufen und klettern sollte. Und mein Kumpel, der mit mir in Jerusalem das Bett um 5 Uhr morgens verließ um 7 Uhr über Stock und Stein in der palästinischen Wüste bei einem Bier den Ausblick zu genießen, im Trainingslager in Südtirol ein Flummi war und gar mal ein Bier ausließ, um mit mir durch eine Schlucht zu laufen. Unfassbar. Einige Kilometer später landeten wir in Höhle Nummer zwei, die gar nicht so öde war und sich vom „Höhlenalltag“ positiv abhob. Dazu trug 1.) der geile Pförtner bei, der sichtlich froh über unseren Besuch war und uns sogleich begleitete und 2.) entsprang dort eine Quelle – faszinierend! Das Wasser sprudelte einfach so aus dem Boden. Zu dritt starrten wir auf die Quelle und suchten die Umgebung nach einer PVC-Leitung ab. https://s15.directupload.net/images/181121/avlkgeze.jpg
Nächster halt: Timișoara. Unumgänglich auf dieser Reise, hat, bzw. hatte meine Frau hier doch Verwandtschaft. Diese siedelte zwar später nach Deutschland um, dennoch wollte sie wenigstens mal in hier gewesen sein. Wir auch, denn am Abend wurde hier gegen den Ball getreten:

Ripensia Timișoara – UTA Arad
08.11., Liga II, Stadionul Dan Păltinișanu

Unsere Unterkunft lag strategisch günstig, nur durch einem Friedhof vom Stadion getrennt. Kurz die Sachen und A. abgeworfen, schritten wir durch den Regen in Richtung Spielstätte. Klar, hätte es auch ein Taxi für 2-3€ getan, aber wir hatten so richtig Bock auf Fußball und da gehört ein kurzer Spaziergang samt dummquatschen halt dazu. Die Tickets waren, wie erwartet, spottbillig und das Stadion verwiesen. Gut gemeinte 400 Zuschauer wohnten den Kick der zweiten Liga bei. Das es anders geht, bewies das Derby an gleicher Stelle zwischen Poli Timisoara und den heutigen Gästen. Eine fünfstellige Anzahl an Besuchern sorgte dabei für erstklassige Atmosphäre. Beide Kurven waren bestens gefüllt, unterstützen ihre Vereine mittels Gesang, Pyro und Choreographien. Es wurde sich gar über mehrere Minuten im Stadion gewamst, ohne das die Pigs eingriffen. Es muss ein Tag gewesen sein, wie ich ihn nur aus alten Heften kenne, wo ein jeder noch von der rumänische Fanszene schwärmte und die Fußballwelt noch nicht in Trümmern lag. Viele Jahre sind seit dem vergangen. Aktuell sieht es umso trauriger und trostloser aus. Vereine in der ersten Liga spielen vor wenigen hundert Zuschauern. Die Gründe dafür sind zum einen sicher die schmierigen und korrupten Bosse der Verbände und vor allem der Einstieg/Aufkauf durch Sponsoren bei unzähligen Clubs. Das bekannteste Beispiel davon ist sicher Steaua București. Aber nicht nur der zweite große Verein aus der Hauptstadt wurde durch einen Investor zerstört. Mit Dinamo București gibt es nur noch einen Verein im rumänischen Oberhaus, der von einer ernstzunehmenden Fanszene unterstützt wird und eben noch kein Spielball eines Investors wurde (hierbei scheiden sich natürlich die Geister). Die Ultras der anderen Vereine treten ihren ehemaligen Clubs den Rücken zu, bzw. finden sich die Vereine durch Insolvenzen und Neugründungen in den Ligen 2-4 wieder. Dort, in den Niederungen des rumänischen Fußballs, finden sich dann – zumindest auf den Rängen – die Perlen wieder. Woche für Woche ziehen die teilweise jahrzehntealten Gruppen über die verschiedenen Sportplätze und haben dort ihre neue Heimat gefunden. Und selbst ich als Youtube-Muffel habe mich doch gerade vor und nach der Reise immer wieder fesseln lassen, von den Videos oder auch Fotos der Vereine wie Academia București, Steaua, FC U Craiova, SR Brașov oder auch U Cluj. Zu den großen Vereinen in den unteren Ligen pilgern teilweise zu einem Spiel mehr Zuschauer, als an einen kompletten Spieltag der 1. Liga. Die Fotos vom Derby zwischen Rapid und Steaua werdet ihr sicher gesehen haben, das Nationalstadion war mit mehreren 10.000 Zuschauer gefüllt! Von diesen Zahlen abgesehen, erleben die Kurven gefühlt einen zweiten Frühling und es bleibt ihnen nur alles Glück und Durchhaltevermögen dieser Welt zu wünschen, dass sie ihren Fußball nicht ein weiteres Mal verlieren. Denn selbst im Amateurbereich warten hier gierige Fernsehanstalten, die die Spiele Live in die Wohnzimmer bringen und sich somit auch in die letzte(!) Liga einkaufen.
Genug oberflächliche Einleitung, rosarote Sonnenbrille ab und ins Rund geschaut. Die 20 Heimkutten zentral auf der Tribüne hätten locker vorm Break-Dance-Karussell einer x-beliebigen Kleinstadt-Kirmes stehen können, nur mit (noch) weniger Stil. Hilfe! Glücklicherweise hielten sie nach fünf Minuten ihre Klappe und erschraken mich anschließend nur noch beim flüchtigen Blick durch das Stadion. Die Gäste aus dem 60 km entfernten Arad brannten im Stadion Dan Păltinișanu zwar kein Feuerwerk ab, aber zeigten, dass die rumänischen Kurven nicht umsonst von einigen Leuten mit denen aus dem Mutterland der Ultras verglichen werden. Die Ultras des UTA Arad gehören dabei sicher weniger zu den großen Nummern des Landes und ich kann natürlich schlecht beurteilen, ob das vorgetragene Liedgut ihrer Kreativität oder ihren Kopierqualitäten entsprungen ist, aber wir wippten ein ums andere Mal mit. Die Melodien, gepaart mit der unbekannten und wohlklingenden Sprache machten schnell Freude! Mit 50-60 Leuten wirkten die Gäste zwar optisch im leeren Stadion wie verloren, aber der Gesang wälzte sich umso besser über die verwiesenen und nassen Sitze. Im zweiten Durchgang lähmte der spannende Spielverlauf leider den Gesang und ließ die bis dato fast durchgängigen Melodien immer wieder über mehrere Minuten verstummen. Am Ende hieß es 1-1. Dem Spiel wohnten ebenfalls eine Gruppe von 15-20 Poli-Fans bei, die dem eigenem Spiel in Suceava (ca. 9h, eine Strecke) fern blieben und augenscheinlich weniger am Spiel, als an den Gästen und ihren Material interessiert waren. Das Material beschränkte sich hierbei auf vier – durch die Bank weg – weniger hübschen und kleinen Zaunfahnen. Dafür bestand der Gästemob – abgesehen von 10 Kutten – durchweg aus aktiven Fans, die zwar locker, aber dennoch diszipliniert im Regen zusammen standen. Weniger Lust aufs nass werden hatten anscheinend die Pigs, die zur unserer Überraschung nur in überschaubarer Menge anreisten.

Stadion
Gäste

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Tennis Borussia Berlin – Grün-Weiß Brieselang http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/20/tennis-borussia-berlin-gruen-weiss-brieselang-2/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/20/tennis-borussia-berlin-gruen-weiss-brieselang-2/#comments Thu, 20 Sep 2018 09:56:14 +0000 Administrator 17/18 - Deutschland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/20/tennis-borussia-berlin-gruen-weiss-brieselang-2/ 31.10., Oberliga-Nordost-Nord, Mommsenstadion

Reformations- und Spieltag bei den Tennisschlägern. Beim letzten Mal im „Mommse“ fassten wir die Schnapsidee, für diesen Tag einige unser Freunde zu mobilisieren und mit ihnen den Tag zu verbringen. Das Spiel stellte dabei das Highlight da, zumindest für uns. Für die anderen wohl eher das Essen beim Bosnier. Nachdem dort Cevapcici und andere Leckereien vertilgt wurden, liefen wir – leicht dezimiert – zum Stadion. Spiel, Bier und Wetter zeigten sich Ende Oktober nochmal von ihrer besseren Seite. Natürlich nehme ich hier nicht die letzte Balkantour als Maßstab! Immerhin spielte heute nur ein Oberligist mit überschaubaren Anhang, das Bier kostet so viel, wie eine Übernachtung in Sarajevo und von 28°C sind wir mindestens so weit entfernt, wie Berlin eben von Bosnien. Aber Langeweile kam zumindest bei den Jungs in der Runde nicht auf. Dazu trug tatsächlich die Mannschaft ihren Teil bei, gleich 5x ließen sie das lustige Tor-Video über die flackernde Anzeigetafel springen und schickten die Gäste mit einem eindeutigen 5-0 vor 683 Zuschauern wieder in die brandenburgische Einöde. Brieselang fand dementsprechend gar nicht statt, zumindest auf dem Rasen. Wie schon im letzten Jahr hatten diese nämlich einige Fans bei, die alles dafür taten, sich unbeliebt zu machen. Nach dem sich selbst die friedlichsten Rentner echauffierten, mussten gar zwei Ordner für die Bauern abgestellt werden. Da willste deine Herzensdame netten Fußball von nebenan zeigen und dann so etwas – Unschön!

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Tennis Borussia Berlin – Malchower SV http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/17/tennis-borussia-berlin-malchower-sv/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/17/tennis-borussia-berlin-malchower-sv/#comments Mon, 17 Sep 2018 05:55:44 +0000 Administrator 17/18 - Deutschland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/17/tennis-borussia-berlin-malchower-sv/ 20.10., Oberliga-Nordost-Nord, Mommsenstadion

Endlich passte es mal wieder mit TeBe und mir. Vom Sport zur S-Bahn geradelt, warteten in Berlin schon zwei weitere Kollegen vor dem Kneip´chen. Leider vor dem falschen, denn auf der gegenüberliegenden Seite hätte ein bosnisches Restaurant gewartet – nächstes Mal, zum Beispiel am Reformationstag. Am Stadion angelangt bildeten sich heute gar kleine Schlangen und mit 620 Zuschauern war die Resonanz bei dem ungemütlichen Herbstwetter überraschend gut.
Zwischen Bier und den überragenden Bouletten gab es ganz ansehnlichen Oberligafußball zu sehen. Die Gastgeber waren deutlich überlegen und netzten verdient zum 1-0 ein. Dem zwischenzeitlichen Ausgleich folgten noch drei Berliner Tore bis zum Schlusspfiff. Aktuell läuft es, im Austiegsrennen werden die, von Fußballgott Brdarić trainierten, Berlin wohl trotzdem nichts mehr zu melden haben, wieder einmal. Nun ja, macht mich nicht traurig aber ich würde den sympathischen Verein und dessen Umfeld auf jeden Fall die Regionalliga gönnen. Wie immer gab es während des Spiel sporadischen Support von der Gegengerade mit unterschiedlich langen Pausen. Als der Regen zu heftig wurde, durften diese – wie das restliche Publikum – auf die Tribüne ziehen. Hier schien anfänglich die Motivation zum Singen etwas gestiegen zu sein, diese verflog aber nach zwei Liedern wieder. Gut, da erwarte weder ich noch irgendjemand anderes mehr. Paar Fahnen am Zaun, zu jedem Bier ein Lied, das sind halt die Tennisschläger und passt zu TeBe. Wir taten es ihnen gleich und sammelten fleißig Stempel für den Bierpass. Gute Idee, so säuft der Besucher mehr, weil das 10. Bier ja frei und somit geschenkt ist…Prost!

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Bohemians Praha – Baník Ostrava http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/14/bohemians-praha-banik-ostrava/ http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/14/bohemians-praha-banik-ostrava/#comments Fri, 14 Sep 2018 08:31:48 +0000 Administrator Polen Tschechien 17/18 - Ausland http://malhiermaldort.blogsport.de/2018/09/14/bohemians-praha-banik-ostrava/ Spiele: Bohemians Praha – Baník Ostrava, Loko Vltavín – SK Benešov, Nysa Zgorzelec – AKS Strzegom

Pah… die Partie Ruch Chorzów – Raków Częstochowa schrie geradezu nach unserer Aufmerksamkeit, jedoch schien der Alternativplan „Prag“ (gut 400 km weniger) im Tauziehen zwischen Sinn und Unsinn unseres 30 stündigen Zeitfensters das Rennen ungleich effektiver zu sein. „20 Uhr bist du wieder heeme“, waren die unmissverständlichen Worte der Frau meines Begleiters, welche es einzuhalten galt. Damit war Polen und ein durchaus nettes Tagesprogramm am Samstag vom Tisch. Mit „King Baník“ auf der anderen Seite kann der geneigte Fußballfreund eigentlich auch nichts falsch machen. Nach drei Tagen hin und her – ohne einen Schritt weiter zukommen, nahm mir das dritte oder vierte Bier am Mittwoch die Entscheidung ab. Gerade Fahrt aufgenommen, kam unser Plan schon wieder ins Stocken. Um eine Invasion der Gäste zu verhindern, gab es Karten weder am Spieltag noch über das tschechische Ticketportal. Der Grund lag im/am Gästeblock der Kängurus, dieser nimmt nämlich nicht einmal 300 Seelen auf. Dieses Problem löste sich jedoch über kurze Wege von selbst und nach kurzem Bangen erreichte uns über Umwege eine positive Nachricht aus der goldenen Stadt (ein Dank geht dafür an alle Beteiligten). Im gleichen Atemzug erweiterte eine Person aus der brandenburgischen Landeshauptstadt unsere Besatzung, zumindest für die Fahrt bis Prag.
Nun aber los, die Uhr schlägt 14.00 und ich verlasse in Windeseile mit meinem Drahtesel die Arbeit. 15 Minuten später saß ich am Lenker des bekannten Flitzers und der kurze Ausflug konnte beginnen. Nach leichtem beschnuppern des „Fremden“ ergaben sich schnell interessante Geschichten und der übliche Austausch begann. Dabei wurde die aktuelle Lage in CZ ungewohnt lang und vor allem ausführlich von der Rückbank erläutert. Interessant, interessant – auch wenn ich da wahrscheinlich nicht lange am Ball bleibe und die Hälfte nach dem Wochenende (leider) schon wieder vergessen habe. Höhe „PEGIDA stirbt nie“ ähm ich meine Dresden wichen die Gespräche jedoch kurzweilig der Angst doch noch in Deutschland tanken zu müssen, bzw. nach allgemeiner Ablehnung die Angst die erste Tanke im Nachbarland nicht zu erreichen. Die Tanknadel machte es sich schon vorm Vignettenkauf unter dem letzten Strich gemütlich und jeder Windschatten eines LKW´s wurde ausgenutzt, nur um dann beim nächsten Berg vorbei zu rollen. Geschafft! Mit gesundem Geiz kann selbst die kürzeste Tour zum Nervenkitzel werden.

Bohemians Praha – Baník Ostrava
13.10., Czech Liga, Ďolíček

Am Stadion trennten sich die Wege erst einmal. Während meine zwei Begleiter einer Einladung der Gruppe „Barflies“ auf einige Bier nachgingen, lehnte ich vorerst ab und parkte unser Auto am wenig entfernten Hostel. Dabei konnte ich einen Blick auf die Zugfahrer aus Ostrava werfen, 60 mögen es gewesen sein. Die Polizei begleitete deren Straßenbahn mit über 20 Einsatzfahrzeugen. An der, am Stadion befindlichen, Haltestelle schien die Auswärtsfahrt ins Stocken zu geraten und sie wurde vorerst nicht verlassen. Grund dafür war eine Ingewahrsamnahme der Cops. Mehr und mehr eintreffende Anhänger solidarisierten sich und verweigerten den Gang ins Stadion. Wer schon einmal im Ďolíček zu Gast war, weiß um die Gegebenheiten vor Ort. Alles eng, zwei Kneipen der Gastgeber direkt hinterm Gästeblock – die Pigs zogen somit jegliches Gerät zum Brennpunkt, ohne dass hier irgendeine Art von Aggressivität vorlag. Einzig das martialische Aufgebot von Pferd, Robo-Cops und WaWe wirkten bedrohlich.
Im Stadion gelang es uns ohne Probleme, an den schläfrigen Ordner vorbei, direkt auf der Tribüne Platz zu nehmen. Hier hatten sich neben einem bekannten Gesicht auch 60 Baník-Anhänger zusammen getan und somit dem ausgeklügelten Plan des eingeschränkten Vorverkaufs die Lücken aufgezeigt. Ein Blick zu den Kängurus bestätigte die auf der Hinfahrt geschilderten Umstände im „Sektor 1905“. Die offen nationalistische und rassistische Hooligan-Gruppe „Berserk“ verweilte nicht mehr mit ihren Leuten abseits der aktiven Szene auf der Tribüne, sondern stand zentral im Stehbereich der Tribüne hinterm Tor, ihr Lappen fand dort ebenfalls Platz. Nachdem die Gruppe lange vor sich hinvegetierte und weder auf dem Ackern des Landes noch im eigenen Stadion Fuß fassen konnte, hat sich das Blatt zumindest im zweiten Punkt geändert. Gründe dafür waren wohl mehrere Angriffe auf die „Barflies“, die der erstarkten Gruppe nicht viel entgegenstellen konnten. Heute, wie auch zuletzt, standen beide und auch weitere Gruppen zusammen im Block. Wie sich die ungewohnte Zusammensetzung in der Gegenwart entwickelt, bleibt abzuwarten auch weil der Großteil des Zuschauerzuspruchs weiterhin Alternativ daher kommt und der aktive Block hierbei keine Ausnahme bildet. Des weiteren waren in den letzten Spielen die Zahlen der „Berserk“ rückläufig und auf altem Tribünen-Niveau, selbst bei sogenannten Highlights im Liga-Alltag umfassen sie höchstens 20 Männer. Von einer aktiven, kontinuierlichen und federführenden Gruppe kann nicht die Rede sein.
Im gut gefüllten Block der politischen Gegensätze zeichnete sich bereits vor dem Spiel eine Chorographie an. Der Inhalt drehte sich um dem heutigen Gegner, bzw. seiner Herkunft (Stadt der Kohle und Stahl). Zusehen gab es zwei klassische Fördertürme und abgebrochenen Bergwerkhämmer. Mittels schwarzen Rauchs und Spruchband wurde die heutige Demontage der Bergwerker verdeutlicht. Schöne Idee, die Umsetzung schien jedoch nicht so ausgefeilt. Ob dem Gegenüber – ohne große Rivalität – so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, bleibt des weiteren fraglich. Die Beteiligung in den ersten 15 Minuten lag anschließend bei locker 200 Seelen und die einfachen Gesänge erreichten eine gute Lautstärke. Jedoch nahm sowohl die Beteiligung als auch die Lautstärke rapide ab und bis zum Ende des Spiels waren sie nur noch selten zu vernehmen. Im Gästeblock (ausverkauft mit 262 Menschen) lief es fast entgegengesetzt ab. Durch die Warterei vor dem Stadion kam erst kurz vor dem Anpfiff der Tross geschlossen in den Block gelaufen und war damit beschäftigt, sich zu orientieren, die Fahnen aufzuhängen (u.a. „Konfliktní tým“, insgesamt ein 1A-Bild) und die Kräfte zu bündeln. Passte aber nach wenigen Momenten und mit den ersten Gesängen bewiesen die Gäste, dass beide Szenen sich um Lichtjahre im Auftreten trennen. Die „Chachaři“ konnten bis zum Abpfiff das hohe Level halten und dem Vorsänger sowie dem verrücktem Trommler folgten ständig 80-100% im Block. Gerade in Anbetracht des miesen Gästeblockes (drei Stufen auf 40 m Länge) eine beachtliche akustische Darbietung. Selbst die 55 Leute auf der Tribüne gaben sich im ersten Durchgang keine Blöße und stimmten immer wieder mit ein. Einzig als die Ordner Hand an den Fahnen anlegten (Werbetafeln waren verdeckt) wurde es kurzzeitig etwas unruhig im Block. Jedoch passierte hier nichts weiter und die Fahnen hingen schnell wieder über der Reklame.
Optisch gab es heute – neben dem Intro – noch einiges mehr zu sehen. Besonders die Jungs und Mädels aus „Sektor 1905“ schienen heute jegliche Register zu ziehen und griffen in den Wochen vor dem Aufeinandertreffen wohl jeden Abend zu Scheren und Pinseln. Ihren zweiten Streich gab es nach einer halben Stunde zu sehen. Dabei wurde der Bogen erfolgreich vom heutigen „Freitag der 13“ zu den aktuellen Problemen im Verein gespannt. Auf der Blockfahne bedrohte somit der ehemalige Kinoschreck „Jason“ mit Hockey-Maske und Machete einen Security-Mitarbeiter – „13.10. – für Ordnung sorgen wir selbst“. Der letzte Akt erfolgte mit Wiederanpfiff: auf der gesamten Tribüne hinter dem Tor wurden grün-weiße Glitzer-Fähnchen verteilt und mittels (leider viel zu weniger) Blinker ergänzt. Wehmutstropfen blieb durch die Bank hinweg die kurze Präsentation. Selbst die Initiatoren schienen damit einher zu gehen. Ärgerlich, da gerade das letzte Bild ohne Einschränkungen („Fahne runter“) länger hätte aufrecht gehalten, oder mit in einen Gesang eingebaut werden können. Nun weiß ich aber, dass Tschechien nicht Polen, Serbien oder Deutschland ist. Wie es hierzulande dennoch anders geht, zeigten anschließend die Gäste, die ebenfalls den Film um den Charakter „Jason“ als Aufhänger nahmen. „Wir sind euer Freitag der 13“ wurde über die gesamte Länge des Blockes gezogen. Als die Fahne wieder verschwand, hatten sich die Baník-Anhänger blutverschmierten Macheten und Hockeymasken angelegt – herrlich!
Auf den Rasen durften wir übrigens für gerade einmal 4€ einen echten Weltstar beobachten: Milan Baros! Seine Stationen hießen immerhin Liverpool (3 Jahre, Champions-League-Sieger), Aston Villa (2), Olympique Lyon (2) sowie Galatasaray (4). In diesem Jahr feiert er seinen 36. Geburtstag und spielt wieder – wie versprochen – bei seinem alten Verein. Mit seinem vierten Saisontor sorgt er heute für die 1-0 Führung des Aufsteigers. Am Ende musste er und seine Mannschaft sich jedoch 2-1 geschlagen geben. Während die Bohemians-Spieler lautstark von ihren Fans in grün-weißen Rauchschwaden gefeiert wurden, gab es am Gästeblock aufgrund des neunten sieglosen Spiels in Folge (10. Spieltag) hitzige Gespräche.

Intro im Heimblock
Schalparade, … /a>
… Freitag der 13. und …
Fähn´chen mit Blinker bei Bohemians
Support bei den Gästen, Foto II
Choreo bei den Gästen, Foto II, Foto III

Den Abend verbrachten wir im Viertel um das Stadion. Prag-typisch wurde dabei nicht am Bier gespart und drei, vier verschiedene Kneipen aufgesucht. War gut, lustig und informativ. Irgendwann wankten wir zu zweit in Richtung Unterkunft, nur um diese viel zu früh wieder zu verlassen. Immerhin musste ich uns nicht zum Kracher…

Loko Vltavín – SK Benešov
14.10., 3. Liga CFL, Stadion na Plynárně

manövrieren und konnte mir anschließend dieses sinnlose Gebolzte schön trinken. Vor der Kneipe brutzelte zudem schon das Frühstück in Form einer Wurst. Na, so schlimm war es also gar nicht! Das Stadion war eingeschlossen von mehreren Häusern, die dann in meinen Augen auch das Highlight der Anlage waren, denn die kleine Tribüne machte nicht sonderlich viel her. Aber halt, nicht so voreilig. Bei unserem Rundgang entdeckten wir ein altes Tennisstadion, was sich die Natur Stück für Stück zurück holt – dass hatte was! Dem Zustand des Platzes und auch der Ränge nach zu urteilen, wird es hier aber sobald nicht mehr zum Aufschlag kommen. Also ab in die Kneipe und beim Weg zur Tribüne gleich noch eine Wurst mitgenommen (endlich Themen, die den Leser interessieren). Hier konnten gar drei Gäste wahrgenommen werden. Nicht an ihren andauernden Schlachtrufen, sondern an ihren Schals. Die weiteren rund 130 Zuschauer verhielten sich ähnlich ruhig und genossen in der prallen Herbstsonne ihren Samstag, der mit zwei Toren für die Heimelf noch etwas aufgewertet wurde.

Stadion

Nysa Zgorzelec – AKS Strzegom
14.10., 4. Liga grupa dolnośląska (zachód), Stadion MOSiR

…hieß unser nächstes Ziel. Auf der anderen Seite der Oder liegt die Stadt Görlitz und hat in meiner Erinnerungen, nach kurzer Besichtigung der polnischen Seite, kulturell deutlich die Nase vor ihren polnischen Namensvetter. Die Zeit bis zum Anpfiff verbrachten wir somit, wie der deutsche Tagestourist in Polen: Zigaretten ordern, Auto volltanken und Bier verhaften. Dem Schiri dauerten unsere Pläne zu lange und das Spiel wurde ohne uns eröffnet. Den vollen Eintritt von 5 Złoty hatten wir trotzdem am Eingang zu löhnen. Dafür bekamen wir feinsten Holzbeinfußball (fünft höchste Spielklasse) in einem netten Stadion (eine Seite mit kleiner Tribüne) geboten. Zudem konnten wir unser mitgebrachtes Bier in der Sonne genießen, ohne dass sich die 11(!) Ordner oder die vier Uniformierten daran störten. Läuft! Zur Halbzeit stattete ich den erwähnten Kiosk einen Besuch ab und die zweite Halbzeit konnte mit neuen Reserven verlabert werden. In dieser gab es sogar ein Tor zu sehen, welches utopischen Jubelorgien nach sich zog. Leider verließen wir sieben Minuten vor dem Ablauf der regulären Spielzeit das Stadion (Stadionstau! Immerhin waren locker 60 Zuschauer zugegen) und verpassten somit den Ausgleich. Ob die Jungs sich genauso überschwänglich gefreut haben!? Wir werden es nie erfahren und lernen daraus, dass wir nächstes Mal bis zum Schluss bleiben…

Foto II

In Radebeul trennten sich dann unsere Wege, während ich mit dem Zug nach Leipzig düste (um am Folgetag die identische Strecke wieder zurück nach Bautzen zu fahren), peilte der Fahrer unsere Heimat an. Ohne Frage eine kurze Fahrt, die aber eine Menge Spaß an Bord hatte und nach baldiger Wiederholung schreit.

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