Jordanien – Libyen

25.12., Test, King Abdullah II Stadium

Wie kann ich diesen wunderbaren Urlaub, diese unglaubliche Landschaft und diese netten Menschen in einen Bericht über oben genanntes Länderspiel packen? Da mir dieses Unterfangen nicht gelingen kann, vorab einige Worte zur Reise:
https://s17.directupload.net/images/190223/pndsif7l.jpgMit der geliebten Frau standen anderthalb wöchentlicher Trip durch Jordanien über die Feiertage auf dem Plan. Ausgangspunkt war dafür die Hauptstadt Amman, der wir uns nach drei Stunden Schlaf am ersten Tag direkt widmeten. Keine handvoll Sehenswürdigkeiten, aber durchaus interessante Stadt. Unerwartet ruhig abseits der Innenstadt, aber keineswegs langweilig. Zudem konnten wir uns einen ersten Eindruck von der Gastfreundschaft der Menschen machen, die uns durch das ganze Land folgte und uns mehrmals in Verlegenheit brachte. Am Ende sprach meine Frau gar vom nettesten bisher erlebten Völk´chen, dem konnte ich mich nur anschließen. Mit 50 Cent pro Falafelsandwich war meine Speisekarte für die nächsten Tage in Stein gemeißelt und es dauerte drei Tage bis ich überhaupt etwas Fleisch zu mir nahm. Das Essen konnte was vor Ort und wenn ihr keine deutschen Hygienestandards in den kleinen Plastikoasen neben den Straßen erwartet, werdet ihr nicht enttäuscht. Restaurants die ihren Namen verdienen, gab es natürlich auch, aber wozu, bei dem Preis-Leistungsverhältnis. Da fällt mir doch glatt wieder ein, wir wurden gleich zweimal vom Falafelfritierern eingeladen, einfach weil wir Jordanien besuchten. Auf dem Weg in ein Feucht-Reservat im den Osten des Landes tangierten wir das Flüchtlingslager Zaatari. Die Ausmaße reichen mittlerweile so weit, dass von der viertgrößten Stadt des Landes gesprochen wird, über 80.000 syrische Flüchtlinge hat Jordanien alleine dort untergebracht. Aktuell versuchen über 40 Hilfsorganisationen, das Lager in eine echte Stadt umzuwandeln. Zwischen Feucht-Reservat und See landeten wir in Azraq abseits der Straßen in eine Schafherde. Natürlich verstand der Hirte meine Frage nach dem richtigen Weg nicht, gab mir aber mit Hand und Fuß zu verstehen, dass wir ihn in sein Zelt folgen sollten. Da sagen wir nicht nein, wer kann schließlich von sich behaupten, schon mal durch die Vierwände einer Beduinenfamilie geführt worden zu sein? In der nächsten halben Stunde gab es irgendeinen Ziegenmilchbrei (nur was für ganz Starke Mägen), Gespräche ohne englisch und arabisch Kenntnisse auf der anderen Seite, leckeren Tee, damit verbunden eine andauernd umherwirbelnde Frau und vier Augenpaare der Kids, die uns gerade so durchbohrten. Dem Norden erkundeten wir ebenfalls nur via Tagesausflug. Der unterscheidet sich grundlegend zum Rest des Landes, ist er doch saftig grün.https://s16.directupload.net/images/190223/ogovjr5r.jpgNach dem die römische Siedlung in Jerash erkundet war, rief dann das einzige Mal auf der Reise das runde Leder.
Die Partien Jordanien – Libyen beschäftige uns, besser mich, schon am Morgen. Ich hatte nämlich gleich drei ganz sichere Spielorte für den heutigen Abend in Erfahrung bringen können. Zum Glück konnte uns beim ersten Komplex gleich ein Pförtner mit Hilfe modernster Handytechnik helfen, zeigte mir den ungefähren Standort auf dem Navi und versicherte mir glaubhaft, dass im King-Abdullah-II-Stadion gespielt werden würde.
Große Spiele werfen ihre Schatten voraus, somit auch meine Anspannung und wir standen 90 Minuten vor dem Spiel, mit der Absicht Karten zu ergattern, vor dem Stadion. Kassen oder wenigstens irgendwelche anderen Zuschauer waren Fehlanzeige. Immerhin die Armee, Cops und andere Ordnungshüter waren schon zahlreich vertreten und nahmen sich mir an. Nach dem ich drei Offizieren die Hände schütteln durfte und immer weitergeleitet wurde, stand ich immerhin im Stadion jedoch war die Situation nicht besonders befriedigend. Auf einem abgesperrten Parkplatz wurden gerade aus ein dutzend Busse die Insassen auf den Boden sitzend vom Militär durchgezählt und genau einer der bis drei zählen konnte, wurde nun auf mich aufmerksam gemacht. Ich hoffe für die auf den Asphalt Sitzenden, dass er nicht nochmal von vorne beginnen musste. Wir sollten eine halbe Stunde vor Anpfiff wieder kommen, dann würde das Stadion öffnen. Irgendein Offizieller bekam ebenfalls noch Wind von uns und wollte uns gleich in den Pressebereich bringen. Wir hatten jedoch unsere Auskunft und fanden uns wenig später wieder im Stadion ein. Kassen gab es immer noch nicht, dafür freien Eintritt für jeden Interessenten. Am Eingang zur Tribüne brachte meine Frau das schier ausgeklügelte Sicherheitssystem zum wanken. Zwar richtete Jordanien die nächste Asienmeisterschaft der Frauen aus, auf weibliche Besucher waren sie jedoch noch nicht eingerichtet. Während ich meine gründliche Kontrolle hinter mich hatte, wurden Anne zur Seite genommen. Es musste erst eine Polizistin aufgetrieben werden, die dann in einem extra Raum eine Kontrolle vornahm. Dieses Schauspiel dauerte rund fünf Minuten, also bis eine Polizistin gefunden war, die Kontrolle ging fix. Jedoch hatte meine bessere Hälfte noch nicht genug Aufmerksamkeit und steuerte auf die Toilette zu. Große Panik in allen Gesichter: Stopp! Toiletten gab es nämlich nur für Männer, also wurde die Toilette von einem Polizisten geräumt, dass dann meine Frau – samt Begleitschutz der Polizistin – auf´s stille Ört´chen durfte.
Der Rest oder besser gesagt, das Spiel war dann weniger interessant als das Vorgeplänkel. Das Stadion hat keine 20 Jahre auf den Buckel, ist ein sogenanntes Mehrzweckstadion, besitzt 13.000 Sitzplätze und eine überdachte Tribüne. Für die Massen heute hätte jedoch auch ein Sportplatz gereicht. Mehr als 1.500 Zuschauer werden es wohl kaum gewesen sein. Etwas überraschend waren rund 300 Gäste auf der anderen Seite der Tribüne und als wäre das nicht schon genug, trällerten die gar verschiedene Melodien. Ebenfalls formierte sich ein Heimblock aus etwa 250 Jungs. Abgesehen von der Nationalhymne beschränkten diese sich jedoch fast ausschließlich auf „Jordan“-Rufe. Auf dem Rasen gab es zudem ein ansehnliches Spiel, das friedlich mit 1-1 endete. Nach dem meine Frau vor dem Spiel abräumte, war ich während der Partie dran und latschte wie Hans Guck-in-die-Luft in die bettende Menge vor dem Klo. Unangenehm! Deutlich angenehmer blieben da Vati mit kleiner Tochter neben uns in Erinnerung. Papa war nur wegen seiner Tochter hier, sie spielte nämlich auch Fußball, verriet er uns stolz, noch stolzer zeigte sie uns ihre neuen Fußballschuhe und teilte ihre Snacks mit uns. Auch während dieser Konversation kam die unfassbare Gastfreundschaft wieder zum Vorschein. Mein Englisch gehört nun bei weitem nicht zum besten und dennoch war der Papa so erfreut über den kleinen Plausch, dass er uns gleich zu sich einlud. Nach dem wir unser Hotel erwähnten, wollte er uns doch wenigstens dahin fahren… unfassbar! Klar, war es ärgerlich kein Ligaspiel mit der aufflammenden Fanbewegung in Jordanien zu sehen, aber das Spiel samt seiner Erlebnisse war alle Male mehr als ein Trostpflaster.

Stadion

Von einer angespannten Sicherheitslage (Uns-Trump erkannte Jerusalem als israelische Hauptstadt an) war am Toten Meer wenig zu spüren. Zwei Checkpoints und jeweils „Tourist“ waren schnell vergessen. Natürlich ließen wir uns einen Ausflug ins kalte und salzige Nass nicht nehmen.https://s17.directupload.net/images/190223/bzj85p8p.jpgDer Rest des Tages war dann genau nach meinen Geschmack, zuerst liefen wir in einen der vielen Canyons am Meer hinein, später im Süden in einen Artgenossen, nur wanderten wir dort durch teilweise knietiefes Süßwasser. Der nächste Tag brachte uns nach Dana in die dortigen Berge. Als halbsächsicher Wanderer, sind Berge für mich kein Hindernisse, sondern maximal zeitliche Begleiter. Ich sag Mal so, ich bin rückblickend nicht traurig, dass uns ein Einheimischer mit seinem Jeep aufgabelte und uns etwas durch die Berge fuhr, nette Plätze zeigte und uns gar ein Tee aus den dortigen Bäumen zauberte.https://s17.directupload.net/images/190223/y87t9ard.jpgEinzig beim Gespräch über die Familienplanung kam er etwas ins rudern und konnte unsere kinderlose Ehe nicht nachvollziehen. Erzählte uns von seinen 10(!) Kindern mit seiner Frau und mittlerweile 15 Enkelkindern. Am Nachmittag kamen wir einem der Neuen Sieben Weltwunder näher. Zum Warm-up ging es durch Klein Petra und in die Wüste.https://s16.directupload.net/images/190223/n7ict8af.jpg6.30 Uhr standen wir am folgenden Tag vor den Eingangstoren und zählten somit zu einen der ersten Gäste des Tages. In den folgenden 9h stiegen wir tausende Treppen, liefen einige Kilometer und mussten so manchen Felsen besteigen, aber es hatte sich gelohnt – ein weiterer Wahnsinnstag in Jordanien.https://s15.directupload.net/images/190223/m4on3xg7.jpghttps://s15.directupload.net/images/190223/i8x6ah25.jpgAm Freitag erreichten wir den Golf von Akaba und verbrachten einige Stunden am Strand. Dieser füllte sich nach dem Freitagsgebet mit Familien vom Neugeborenen bis zur Ur-Oma. Es wurde gegrillt und Wasserpfeife geraucht. Also in etwa wie bei uns, nur ohne schlechtem Fernsehprogramm, Mikrowelle und eben der Familie. Ein Highlight gab es noch im Jahr 2017, die Wüste. Im Nationalpark (Wadi Rum) verbrachten wir den ganzen Tag.https://s16.directupload.net/images/190223/srczsssg.jpgEine Jeep-Tour ist für diverse Hotspots unumgänglich, lohnt sich jedoch. Sanddünen und riesige Felsen warteten nur darauf von uns bestiegen zu werden. Der absolute Wahnsinn dieser Tag. Ich habe selten so eine schöne Landschaft gesehen. Die letzten zwei Tage führten uns langsam zurück zum Ausgangspunkt unserer Reise. Abstecher gab es noch in Kerak und nochmal zum Toten Meer. Der Jahreswechsel wurde verschlafen und am sehr frühen zweiten Tag des Jahres ging es über Istanbul in die Heimat. Was ein Trip, ich kann ein jedem dieses Land nur empfehlen!https://s17.directupload.net/images/190223/89j7nhec.jpg