1. FC Magdeburg – Hallescher FC

25.11., 3. Liga, Heinz-Krügel-Stadion

Sachsen-Anhalt-Derby und außerhalb der jeweiligen Szenen, weiß so gar niemand, was an dem Spieltag Phase ist und passieren wird. Klar, Halle würde nach einem Jahr Abstinenz wieder geschlossen zum Derby fahren. Auch, weil die Mannschaft drum gebeten hat. Aber wie würden die Rot-Weißen auftreten, wie reagieren die Magdeburger und wie verhält sich der Block U an diesem Tag. Fragen, die mir vor dem Spiel kaum jemand beantworten könne und so sagte ich neugierig und interessiert zu. Das Wetter passte sich dem Derby an. Grau, finster, nass – nicht für jedem geeignet. Auf der Hinfahrt gab es etwas Tratsch und die Spielabsage des morgigen Spiels des Clubs flatterte per Nachricht rein. In Magdeburg noch einen Döner verschlungen, vermeldete das Handy, eine Störung an der Strecke der Hallenser Zugfahrer. Das Derby hatte begonnen…
Die Störung bestand aus einer sabotierten Weiche auf der Zugstrecke! Einige Anhänger des FCM sahen in der Anreise der Gäste eine Provokation und wollten diese mit allen Mitteln verhindern, anscheinend erfolgreich. Der Gros der Hallenser hing demnach erst Mal fest und bis zu Halbzeit war es maximal 600 Gästen vorbehalten, das Spiel ihres Vereins im Stadion zu verfolgen. Das restliche Stadion war selbstverständlich ausverkauft und die offizielle Zuschauerzahl lag bei fast 22.500. Während im Gästeblock also vorerst gähnende Langeweile herrschte, begann das Magdeburger Publikum gewohnt lautstark. Einer dichten Schalparade folgte ein gemeinsames Einklatschen über alle Tribünen und ein mehr minütiger Wechselgesang. Das haut jedes Mal auf´s neue wieder rein, auch wenn bis zum Abpfiff keine großen Ohrwürmer hängen blieben oder ich ständig mit wippen musste. Anders als bei manch einem Spiel an gleicher Stelle, blieb der gemäßigte Anhänger fast die komplette Spieldauer aktiv und stimmte immer wieder in die Gesänge aus dem Block U ein. Einzig als die Zugfahrer aus Halle das Stadion zur 40. Minute erreichten, fing der Stimmungsmotor an zu stottern, ehe auch in anderen Stadionbereichen Unruhe zur vernehmen war. Am Abend wusste ich warum… auch als die Situation aussichtslos war, versuchten einige Gastgeber die Rivalen von einem Stadionbesuch abzuhalten. Schnell standen dutzende Vermummte hinter der Gegengerade und warfen Bengalos, Flaschen und Steinen auf die Gäste. Die, die nicht schnell genug waren und nun vor einer Reihe Cops standen, versuchten ihr Glück hinter der Haupttribüne und ein ganzer Schwung Vermummter joggte dem Gästeblock von anderer Seite entgegen. Jedoch hatten dort ebenfalls schon einige Einheiten der Polizei Stellung bezogen und griffen beherzt zum Pfeffer. Mit dem Halbzeitpfiff kehrte wieder Ruhe ein.
Während der Angriffe auf die Zugfahrer, verließen fast alle Gäste den Block und solidarisierten sich mit ihresgleichen. Die sich nun wiederum unfähigen Bullen ausgesetzt fühlten. Zum Anpfiff des zweiten Durchganges wuchs die Anzahl der Gäste auf knapp 1.200 an und sie versuchten sogleich sich gegen die Übermacht akustisch zur Wehr zu setzen. Große Zeichen konnten die HFC-Fans jedoch nicht setzen, auch wenn in den verbleibenden 45 Minuten durchgängig die Mehrheit in Bewegung war. Der fast einheitliche schwarze Mob trat optisch kaum in Erscheinung. Weder am Zaun (vorher kommunizierte Zaunbild von einer großen Fahne ging nicht auf) noch im Block konnten die Fahnen oder der Verein präsentiert werden. Mittels Spruchbänder wurden das Themen 50+1 thematisiert und Besserungswünsche übermittelt. Während auf den Rängen also nur teilweise Derby-Atmosphäre aufkam und es im Stadion auf den Rängen eine eindeutige Angelegenheit ohne optische Highlights war, waren die Spieler um ein gutes Prestigespiel bemüht. Eine schnelle 2-0 Führung der Hausherren folgte einer immer stärker werdende HFC-Mannschaft, die im zweiten Durchgang auf 2-1 verkürzte. Bei einer astreinen Rudelbildung flogen in der 70. Minute gleich ein Akteur vom Platz und die Hallenser drückten auf den Ausgleich. Dieser blieb jedoch, auch aufgrund eigenem Unvermögen, aus.
Über das Thema „Hannes“ habe ich bisher absichtlich kein Wort verloren. Natürlich stand das Spiel und all seine Randerscheinungen in dem Schaden des traurigen Schicksals von Hannes. Block U verzichtete in diesem Zusammenhang auf (fast) alle Fahnen. Nur zentral vor dem Block („Du bist niemals alleine“) und am Vorsängerpodest (Gedenkfahne) wurde angeflaggt und auch die meisten anderen Fans im Stadion schlossen sich an. Zudem wurde dem Gegner und vermeintlichen Verein der Täter keinerlei Aufmerksamkeit entgegengebracht und auf sämtliche Verunglimpfungen verzichtet (Gesänge, gezogenes Material usw.).

Heimblock
Fahne beim FCM
Gästeblock