Bohemians Praha – Baník Ostrava

Spiele: Bohemians Praha – Baník Ostrava, Loko Vltavín – SK Benešov, Nysa Zgorzelec – AKS Strzegom

Pah… die Partie Ruch Chorzów – Raków Częstochowa schrie geradezu nach unserer Aufmerksamkeit, jedoch schien der Alternativplan „Prag“ (gut 400 km weniger) im Tauziehen zwischen Sinn und Unsinn unseres 30 stündigen Zeitfensters das Rennen ungleich effektiver zu sein. „20 Uhr bist du wieder heeme“, waren die unmissverständlichen Worte der Frau meines Begleiters, welche es einzuhalten galt. Damit war Polen und ein durchaus nettes Tagesprogramm am Samstag vom Tisch. Mit „King Baník“ auf der anderen Seite kann der geneigte Fußballfreund eigentlich auch nichts falsch machen. Nach drei Tagen hin und her – ohne einen Schritt weiter zukommen, nahm mir das dritte oder vierte Bier am Mittwoch die Entscheidung ab. Gerade Fahrt aufgenommen, kam unser Plan schon wieder ins Stocken. Um eine Invasion der Gäste zu verhindern, gab es Karten weder am Spieltag noch über das tschechische Ticketportal. Der Grund lag im/am Gästeblock der Kängurus, dieser nimmt nämlich nicht einmal 300 Seelen auf. Dieses Problem löste sich jedoch über kurze Wege von selbst und nach kurzem Bangen erreichte uns über Umwege eine positive Nachricht aus der goldenen Stadt (ein Dank geht dafür an alle Beteiligten). Im gleichen Atemzug erweiterte eine Person aus der brandenburgischen Landeshauptstadt unsere Besatzung, zumindest für die Fahrt bis Prag.
Nun aber los, die Uhr schlägt 14.00 und ich verlasse in Windeseile mit meinem Drahtesel die Arbeit. 15 Minuten später saß ich am Lenker des bekannten Flitzers und der kurze Ausflug konnte beginnen. Nach leichtem beschnuppern des „Fremden“ ergaben sich schnell interessante Geschichten und der übliche Austausch begann. Dabei wurde die aktuelle Lage in CZ ungewohnt lang und vor allem ausführlich von der Rückbank erläutert. Interessant, interessant – auch wenn ich da wahrscheinlich nicht lange am Ball bleibe und die Hälfte nach dem Wochenende (leider) schon wieder vergessen habe. Höhe „PEGIDA stirbt nie“ ähm ich meine Dresden wichen die Gespräche jedoch kurzweilig der Angst doch noch in Deutschland tanken zu müssen, bzw. nach allgemeiner Ablehnung die Angst die erste Tanke im Nachbarland nicht zu erreichen. Die Tanknadel machte es sich schon vorm Vignettenkauf unter dem letzten Strich gemütlich und jeder Windschatten eines LKW´s wurde ausgenutzt, nur um dann beim nächsten Berg vorbei zu rollen. Geschafft! Mit gesundem Geiz kann selbst die kürzeste Tour zum Nervenkitzel werden.

Bohemians Praha – Baník Ostrava
13.10., Czech Liga, Ďolíček

Am Stadion trennten sich die Wege erst einmal. Während meine zwei Begleiter einer Einladung der Gruppe „Barflies“ auf einige Bier nachgingen, lehnte ich vorerst ab und parkte unser Auto am wenig entfernten Hostel. Dabei konnte ich einen Blick auf die Zugfahrer aus Ostrava werfen, 60 mögen es gewesen sein. Die Polizei begleitete deren Straßenbahn mit über 20 Einsatzfahrzeugen. An der, am Stadion befindlichen, Haltestelle schien die Auswärtsfahrt ins Stocken zu geraten und sie wurde vorerst nicht verlassen. Grund dafür war eine Ingewahrsamnahme der Cops. Mehr und mehr eintreffende Anhänger solidarisierten sich und verweigerten den Gang ins Stadion. Wer schon einmal im Ďolíček zu Gast war, weiß um die Gegebenheiten vor Ort. Alles eng, zwei Kneipen der Gastgeber direkt hinterm Gästeblock – die Pigs zogen somit jegliches Gerät zum Brennpunkt, ohne dass hier irgendeine Art von Aggressivität vorlag. Einzig das martialische Aufgebot von Pferd, Robo-Cops und WaWe wirkten bedrohlich.
Im Stadion gelang es uns ohne Probleme, an den schläfrigen Ordner vorbei, direkt auf der Tribüne Platz zu nehmen. Hier hatten sich neben einem bekannten Gesicht auch 60 Baník-Anhänger zusammen getan und somit dem ausgeklügelten Plan des eingeschränkten Vorverkaufs die Lücken aufgezeigt. Ein Blick zu den Kängurus bestätigte die auf der Hinfahrt geschilderten Umstände im „Sektor 1905“. Die offen nationalistische und rassistische Hooligan-Gruppe „Berserk“ verweilte nicht mehr mit ihren Leuten abseits der aktiven Szene auf der Tribüne, sondern stand zentral im Stehbereich der Tribüne hinterm Tor, ihr Lappen fand dort ebenfalls Platz. Nachdem die Gruppe lange vor sich hinvegetierte und weder auf dem Ackern des Landes noch im eigenen Stadion Fuß fassen konnte, hat sich das Blatt zumindest im zweiten Punkt geändert. Gründe dafür waren wohl mehrere Angriffe auf die „Barflies“, die der erstarkten Gruppe nicht viel entgegenstellen konnten. Heute, wie auch zuletzt, standen beide und auch weitere Gruppen zusammen im Block. Wie sich die ungewohnte Zusammensetzung in der Gegenwart entwickelt, bleibt abzuwarten auch weil der Großteil des Zuschauerzuspruchs weiterhin Alternativ daher kommt und der aktive Block hierbei keine Ausnahme bildet. Des weiteren waren in den letzten Spielen die Zahlen der „Berserk“ rückläufig und auf altem Tribünen-Niveau, selbst bei sogenannten Highlights im Liga-Alltag umfassen sie höchstens 20 Männer. Von einer aktiven, kontinuierlichen und federführenden Gruppe kann nicht die Rede sein.
Im gut gefüllten Block der politischen Gegensätze zeichnete sich bereits vor dem Spiel eine Chorographie an. Der Inhalt drehte sich um dem heutigen Gegner, bzw. seiner Herkunft (Stadt der Kohle und Stahl). Zusehen gab es zwei klassische Fördertürme und abgebrochenen Bergwerkhämmer. Mittels schwarzen Rauchs und Spruchband wurde die heutige Demontage der Bergwerker verdeutlicht. Schöne Idee, die Umsetzung schien jedoch nicht so ausgefeilt. Ob dem Gegenüber – ohne große Rivalität – so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, bleibt des weiteren fraglich. Die Beteiligung in den ersten 15 Minuten lag anschließend bei locker 200 Seelen und die einfachen Gesänge erreichten eine gute Lautstärke. Jedoch nahm sowohl die Beteiligung als auch die Lautstärke rapide ab und bis zum Ende des Spiels waren sie nur noch selten zu vernehmen. Im Gästeblock (ausverkauft mit 262 Menschen) lief es fast entgegengesetzt ab. Durch die Warterei vor dem Stadion kam erst kurz vor dem Anpfiff der Tross geschlossen in den Block gelaufen und war damit beschäftigt, sich zu orientieren, die Fahnen aufzuhängen (u.a. „Konfliktní tým“, insgesamt ein 1A-Bild) und die Kräfte zu bündeln. Passte aber nach wenigen Momenten und mit den ersten Gesängen bewiesen die Gäste, dass beide Szenen sich um Lichtjahre im Auftreten trennen. Die „Chachaři“ konnten bis zum Abpfiff das hohe Level halten und dem Vorsänger sowie dem verrücktem Trommler folgten ständig 80-100% im Block. Gerade in Anbetracht des miesen Gästeblockes (drei Stufen auf 40 m Länge) eine beachtliche akustische Darbietung. Selbst die 55 Leute auf der Tribüne gaben sich im ersten Durchgang keine Blöße und stimmten immer wieder mit ein. Einzig als die Ordner Hand an den Fahnen anlegten (Werbetafeln waren verdeckt) wurde es kurzzeitig etwas unruhig im Block. Jedoch passierte hier nichts weiter und die Fahnen hingen schnell wieder über der Reklame.
Optisch gab es heute – neben dem Intro – noch einiges mehr zu sehen. Besonders die Jungs und Mädels aus „Sektor 1905“ schienen heute jegliche Register zu ziehen und griffen in den Wochen vor dem Aufeinandertreffen wohl jeden Abend zu Scheren und Pinseln. Ihren zweiten Streich gab es nach einer halben Stunde zu sehen. Dabei wurde der Bogen erfolgreich vom heutigen „Freitag der 13“ zu den aktuellen Problemen im Verein gespannt. Auf der Blockfahne bedrohte somit der ehemalige Kinoschreck „Jason“ mit Hockey-Maske und Machete einen Security-Mitarbeiter – „13.10. – für Ordnung sorgen wir selbst“. Der letzte Akt erfolgte mit Wiederanpfiff: auf der gesamten Tribüne hinter dem Tor wurden grün-weiße Glitzer-Fähnchen verteilt und mittels (leider viel zu weniger) Blinker ergänzt. Wehmutstropfen blieb durch die Bank hinweg die kurze Präsentation. Selbst die Initiatoren schienen damit einher zu gehen. Ärgerlich, da gerade das letzte Bild ohne Einschränkungen („Fahne runter“) länger hätte aufrecht gehalten, oder mit in einen Gesang eingebaut werden können. Nun weiß ich aber, dass Tschechien nicht Polen, Serbien oder Deutschland ist. Wie es hierzulande dennoch anders geht, zeigten anschließend die Gäste, die ebenfalls den Film um den Charakter „Jason“ als Aufhänger nahmen. „Wir sind euer Freitag der 13“ wurde über die gesamte Länge des Blockes gezogen. Als die Fahne wieder verschwand, hatten sich die Baník-Anhänger blutverschmierten Macheten und Hockeymasken angelegt – herrlich!
Auf den Rasen durften wir übrigens für gerade einmal 4€ einen echten Weltstar beobachten: Milan Baros! Seine Stationen hießen immerhin Liverpool (3 Jahre, Champions-League-Sieger), Aston Villa (2), Olympique Lyon (2) sowie Galatasaray (4). In diesem Jahr feiert er seinen 36. Geburtstag und spielt wieder – wie versprochen – bei seinem alten Verein. Mit seinem vierten Saisontor sorgt er heute für die 1-0 Führung des Aufsteigers. Am Ende musste er und seine Mannschaft sich jedoch 2-1 geschlagen geben. Während die Bohemians-Spieler lautstark von ihren Fans in grün-weißen Rauchschwaden gefeiert wurden, gab es am Gästeblock aufgrund des neunten sieglosen Spiels in Folge (10. Spieltag) hitzige Gespräche.

Intro im Heimblock
Schalparade, … /a>
… Freitag der 13. und …
Fähn´chen mit Blinker bei Bohemians
Support bei den Gästen, Foto II
Choreo bei den Gästen, Foto II, Foto III

Den Abend verbrachten wir im Viertel um das Stadion. Prag-typisch wurde dabei nicht am Bier gespart und drei, vier verschiedene Kneipen aufgesucht. War gut, lustig und informativ. Irgendwann wankten wir zu zweit in Richtung Unterkunft, nur um diese viel zu früh wieder zu verlassen. Immerhin musste ich uns nicht zum Kracher…

Loko Vltavín – SK Benešov
14.10., 3. Liga CFL, Stadion na Plynárně

manövrieren und konnte mir anschließend dieses sinnlose Gebolzte schön trinken. Vor der Kneipe brutzelte zudem schon das Frühstück in Form einer Wurst. Na, so schlimm war es also gar nicht! Das Stadion war eingeschlossen von mehreren Häusern, die dann in meinen Augen auch das Highlight der Anlage waren, denn die kleine Tribüne machte nicht sonderlich viel her. Aber halt, nicht so voreilig. Bei unserem Rundgang entdeckten wir ein altes Tennisstadion, was sich die Natur Stück für Stück zurück holt – dass hatte was! Dem Zustand des Platzes und auch der Ränge nach zu urteilen, wird es hier aber sobald nicht mehr zum Aufschlag kommen. Also ab in die Kneipe und beim Weg zur Tribüne gleich noch eine Wurst mitgenommen (endlich Themen, die den Leser interessieren). Hier konnten gar drei Gäste wahrgenommen werden. Nicht an ihren andauernden Schlachtrufen, sondern an ihren Schals. Die weiteren rund 130 Zuschauer verhielten sich ähnlich ruhig und genossen in der prallen Herbstsonne ihren Samstag, der mit zwei Toren für die Heimelf noch etwas aufgewertet wurde.

Stadion

Nysa Zgorzelec – AKS Strzegom
14.10., 4. Liga grupa dolnośląska (zachód), Stadion MOSiR

…hieß unser nächstes Ziel. Auf der anderen Seite der Oder liegt die Stadt Görlitz und hat in meiner Erinnerungen, nach kurzer Besichtigung der polnischen Seite, kulturell deutlich die Nase vor ihren polnischen Namensvetter. Die Zeit bis zum Anpfiff verbrachten wir somit, wie der deutsche Tagestourist in Polen: Zigaretten ordern, Auto volltanken und Bier verhaften. Dem Schiri dauerten unsere Pläne zu lange und das Spiel wurde ohne uns eröffnet. Den vollen Eintritt von 5 Złoty hatten wir trotzdem am Eingang zu löhnen. Dafür bekamen wir feinsten Holzbeinfußball (fünft höchste Spielklasse) in einem netten Stadion (eine Seite mit kleiner Tribüne) geboten. Zudem konnten wir unser mitgebrachtes Bier in der Sonne genießen, ohne dass sich die 11(!) Ordner oder die vier Uniformierten daran störten. Läuft! Zur Halbzeit stattete ich den erwähnten Kiosk einen Besuch ab und die zweite Halbzeit konnte mit neuen Reserven verlabert werden. In dieser gab es sogar ein Tor zu sehen, welches utopischen Jubelorgien nach sich zog. Leider verließen wir sieben Minuten vor dem Ablauf der regulären Spielzeit das Stadion (Stadionstau! Immerhin waren locker 60 Zuschauer zugegen) und verpassten somit den Ausgleich. Ob die Jungs sich genauso überschwänglich gefreut haben!? Wir werden es nie erfahren und lernen daraus, dass wir nächstes Mal bis zum Schluss bleiben…

Foto II

In Radebeul trennten sich dann unsere Wege, während ich mit dem Zug nach Leipzig düste (um am Folgetag die identische Strecke wieder zurück nach Bautzen zu fahren), peilte der Fahrer unsere Heimat an. Ohne Frage eine kurze Fahrt, die aber eine Menge Spaß an Bord hatte und nach baldiger Wiederholung schreit.