Ausflug zu Jarota Jarocin – KKS Kalisz

Spiele: Lech II Poznań – Leśnik Manowo, Jarota Jarocin – KKS Kalisz

Was hielt doch dieser Samstag kurz hinter der Grenze für uns bereit: Falubasz bei der Zweitvertretung ihrer Feinde aus Legnica und Nowa Sol empfing Stilon Gorzow. Allerdings beharrte der Mitfahrer und Bereitsteller des fahrbaren Untersatzes auf das kleine Derby bei Jarota Jarocin (wobei die Gewichtung hier unterschiedlich ausfällt), empfindet er, seit dem letzten Auftritt von Kalisz, doch gewisse Sympathie für die aktiven Fans. Gut so, denn am Donnerstag setzte der Verband die Partie in Nowa Sol ab und beraubte den Anhänger beider Vereine eines der wenigen Highlights in dieser Liga. So verstummte die Diskussion schnell und wir trafen uns am Samstagmorgen zum Doppler im Lech-Gebiet.
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Lech II Poznań – Leśnik Manowo
06.05., 3. Liga grupa III, Stadion Główny

Erstes Ziel sollte dabei Wronki sein. Dort tragen die Zweitvertretung, sowie auch diverse Jugendmannschaften, von Lech ihre Heimspiele aus. Knapp 60 km nordwestlich liegt das kleine Nest von Poznań entfernt. Unser großzügiges Zeitfenster ließ noch einen kleinen Einkaufsbummel zu, bevor wir wieder am Stadion aufschlugen. Wie vor einer halben Stunde erinnerte hier wenig an ein Spiel, immerhin waren nun die Stadion-Tore geöffnet. Hand gezählte 61 Zuschauer passierten diese bis zum Anpfiff, darunter auch ein Haufen von 15 finsteren Gestalten der örtlichen Lech-Bande. Wie nicht anders zu erwarten, schauten sie mehr oder weniger interessiert das Spiel und fielen im weiteren Verlauf nicht auf. Wir verließen kurze Zeit später dennoch die trockene Tribüne und drehten eine Runde durch das hübsche Stadion und dem weniger hübschen Nieselregen. Das Stadion fasst etwas mehr als 5.000 Zuschauer. Die Hälfte des reinen Fußballstadions bestehen aus einer stabilen Betontribüne, inkl. kleinem Dach und Gästeblock auf der Geraden. Die Kurve sowie die Traversen hinterm Tor sind nicht überdacht, aber wie der komplette Rest mit Sitzschalen ausgestattet. Gar ein Hotel ist angeschlossen, dürfte aber wahrscheinlich mehr für die Fußballer der Akademie, als für Touristen interessant sein. Auf der einstigen Gegengerade steht eine Stahltribüne und hinterm anderen Tor erinnert nur noch wenig an eine einstige Kurve. Dahinter befinden sich weitere Fußballplätze auf denen auch fleißig trainiert wird und die stolzen Eltern dem Wetter trotzen. Viel mehr gibt es vom ersten Spielbesuch des Tages nicht zu erzählen und wir verabschiedeten uns nach 70 min. Verpasst hatten wir wohl nichts weiter und so endete das Toreschießen mit unseren Abgang. 4-0 für Lech!

Stadion

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Jarota Jarocin – KKS Kalisz
06.05., 3. Liga gruppa 2, Stadion Główny

Knappe 140 km weiter und 2 h später sollte es in Jarocin etwas interessanter hergehen. Jedoch war bei unserer Ankunft davon noch wenig zu merken! Selbst die Kassen waren noch verschlossen. Der Platzwart ließ uns wissen, dass diese erst eine Stunde vor dem Spiel öffnen würden. Wir taten in der Zeit dass, was in Polen in jedem Dorf geht… einkaufen. Heu für die Hasen, Eier für den Kühlschrank, Brot für die anstehende Arbeitswoche oder irgendein Gesöff in Dosen landeten auf dem Fließband der Kasse. Zurück am Stadion zupften die überschaubaren Pigs ihre Uniform zu Recht, Tickets gab es ohne lästiges Perso abtippen und die Kontrollen waren als solche kaum zu erkennen – angenehm.
Kaum ließen wir uns auf der kleinen Tribüne nieder, stolperten auch die heimischen Kibice mit Taschen und PVC-Stangen auf die Tribüne. Mit den Stangen wurde der rare Platz für die Zaunfahnen vergrößert, außerdem entdeckten unsere Adleraugen, dass es früher oder später eine kleine Choreo zu sehen geben wird. Neben dem Herrichten des Blockes, nutzten die Jungs noch die Zeit um auf Klo den ein oder anderen Dübel zu vernichten und die Zuschauer zu prüfen. Überraschend fielen wir ihnen als Fremde auf, nach dreieinhalb Sätzen waren alle Bedenken geklärt und die Jungs zogen von dannen – Dziękuję! Währenddessen deutete das Treiben hinterm Gästeblock auf baldiges Eintreffen der Fans von KKS Kalisz an. Wenig später trudelten ein Bus sowie einige Autos ein und füllten den kleinen Block angemessen mit etwa 100 Kibice.
Hinter der „Duma Kalisza“-Fahne (ein weiterer Lappen übermittelte Genesungswünsche an einen Mitstreiter im Krankenhaus) beteiligten sich rund 70 Gäste an den Schlachtrufen. Diese hallten zwar teilweise in einer guten Lautstärke auf die Tribüne, jedoch waren in der Summe die Pausen deutlich länger, als die aktive Zeit. Vor allem im zweiten Durchgang wurden die zwei, drei verschiedenen Gesänge nur noch sehr selten auf den Platz getragen. Vielleicht lag es auch an der Freude über die gute Verpflegung. Denn nicht nur einige Wasserflaschen fanden den Weg zu den Gästen – nein, gar der ganze Grillwagen wurde nach der Halbzeit vor dem Block, auf die Tartanbahn gerollt und fand dort zahlreiche Abnehmer. Solch eine Verpflegung der Auswärtigen ist in den polnischen Stadien keine Regel, sondern eher die Ausnahme! Ebenso, wie ein verhältnismäßig kleines Aufgebot der Ordnungshüter, sehen wir von der Armee an Zivis ab. Es dürfte für die blau-weiß-grünen Fans also durchaus unangenehmere Aufenthalte in letzter Zeit gegeben haben… wahrscheinlich aber auch schon rundere Auftritte.
Der Heimblock (inkl. Unterstützung von KS Czarnylas) nahm am äußersten Ende der Tribüne, direkt gegenüber vom Gästeblock, Platz und überraschte mich am Ende positiv. Akustisch unterstützen die 50-60 Mannen fast übers komplette Spiel ihre Mannschaft in einer angemessenen Lautstärke. Das Liedgut war dabei zwar ähnlich eintönig und wiederholte sich in kurzen Abständen, aber dass wird den geneigten Polen-Fahrer nicht überraschen oder schockieren. Die Prioritäten werden halt anderes gewichtet und das hat auch seine Berechtigung! So erhoben sich alle Armpaare in regelmäßigen Abständen hinter den drei Fahnen und zogen ihr Programm durch. Am Ende stand ein klarer Sieg auf den Rängen zu Gunsten der Gastgeber für uns fest. Im zweiten Durchgang wurden die Zaunfahnen durch das Spruchband „Bis ans Ende unseres Lebens“ ersetzt, ehe nach einigen Minuten eine kleine „JKS“-Blockfahne die Köpfe verdeckte. Wie so oft in der Vergangenheit, diente die kleine und optisch wenig ansprechende Choreo nur als Ablenkung, bzw. als Sichtschutz und so traten nach wenigen Augenblicken eine handvoll Vermummter unter der Blockfahne vor und zündeten Fackeln, Blinker und eine größere Menge roten Rauch. Nach dem sich die „Übeltäter“ der Pyro ihrer Sturmhauben und ähnliches entledigten, rückte der Mob etwas auseinander, nahm wieder seine gute Aufteilung ein und widmete sich wieder der Unterstützung der Mannschaft. Am Ende mit mäßigem Erfolg, denn gegen den großen Rivalen sprang nur ein müdes 0-0 heraus.

Gästeblock
Heimblock
Kleine Choreo…, Foto II, Foto III, Foto IV
Stadion