Ausflug über Ostern

Spiele: SFC Opava – FK Viktoria Žižkov, KS ROW Rybnik – Polonia Warszawa, Ruch Chorzów – Pogoń Szczecin, Polonia Bytom – Radomiak Radom, MFK Havířov – FK Šumperk, Baník Ostrava – FK Pardubice

Endlich spielte der Verband den reisefreudigen Club-Fans mal in die Karten und terminierte das anstehende Spiel vor das Osterwochenende. Bis einen Tag vor Gründonnerstag quollen die elektronischen Postfächer fast über. Jedoch war weniger die Route, als vielmehr das Fortbewegungsmittel unser Problem. Einen Tag vor der Abfahrt erledigte sich das Thema „Auto“ doch noch problemlos und günstig zu unseren Gunsten (Danke!). Nach einem eher ernüchternden Heimspiel auf dem Platz und in der Kurve gegen Auerbach, folgte eine ungewohnt ruhige Nacht! Putzmunter am Treffpunkt angelangt, standen wie vermutet nur ¾ der Reisegruppe da. 30 Minuten später ruckelten wir dann gen Osten, wie viele andere auch. Ein Stau nach dem anderen ließen alle Hoffnungen, auf eine pünktliche Ankunft, schon auf der Höhe von Wroclaw unter null sinken. Via Landstraße erfolgte der Versuch, wenigstens zur zweiten Halbzeit das Stadion zu erreichen.

SFC Opava – FK Viktoria Žižkov
14.04., 2. Liga, Stadion v Městských sadech

Tatsächlich, über teilweise arg gewöhnungsbedürftige Straßen führte uns das Navi schnell zum Spielort, wo wir so gleich den Halbzeitpfiff vernahmen. Eine Bank, geschweige denn eine Wechselstube, sahen wir auf den wenigen Kilometern tschechischen Bodens nicht. Meine Reserven sollten für alle reichen und wir bemühten uns, der Dame an der Kasse unser Problem nahzulegen. Verständlicherweise wollte sie keine Euros haben, gab uns dafür nach kurzem gegenseitigem Kauderwelsch jedoch „Frauentickets“ zum halben Preis und löste somit das Problem auf ihre Weise. Ähnlich hilfreich war der Bier-Zapfer und wechselte uns einen 10er zum Vorzeigekurs, der uns vier somit nicht nur satt machte, sondern am Ende gar noch ein Bier´chen drin war- Děkuji!
Im ersten Durchgang verpassten wir das 1-0 für die Gäste. Mit einer Niederlage wären sämtliche Chancen auf den Aufstieg endgültig passé gewesen und Zuschauerzahlen – wie heute – von über 3.000 würden schnell wieder der Vergangenheit angehören. Tatsächlich fiel 15 Minuten bevor die offizielle Spielzeit abgelaufen sein sollte gar noch dass 2-0 für den Prager Stadtteilverein. Die jubelnden Spieler sahen sich schnell einigen fliegenden Bierbecher ausgesetzt und wichen zurück. Die Dutzend mitgereisten Fans im Gästeblock konnten hingegen ungestört feiern und entledigten sich ihrer Oberkörperbegleitung, ehe kurze Zeit später gar jemand seine Jeans über den Kopf schwing. Ansonsten konnten die Gäste aus der Hauptstadt kaum auf sich aufmerksam machen. Ähnlich sah es übrigens im Heimblock aus. Zwar hingen die drei bekannten Fahnen, die zwar nicht mein Fall waren, aber durchaus auf eine intakte Fanszene hindeuten, aber von den 50-60 Leute dahinter kam rein gar nichts. Die zwei Trommler und der Rest des Blockes unterschieden sich vom Auftreten und der Unterstützung heute kaum von den meisten 0815-Suff-Szenen in Tschechien und schien meilenweit von Szenen wie Slavia, Ostrava oder gar Liberec und Sparta entfernt. Dass es auch bessere Tage gab und gibt, zeigten allerdings nicht zuletzt die Derbys gegen Baník in dieser Saison. Erst vor knapp einem Monat sorgte ein 1A-Riot-Mob von Opava für ausufernde Randale bei selbigem Heimspiel, samt Steinhagel auf die Cops und Angriff auf einige Hools der Gäste. Heute war vom aktiven Kern herzlich wenig zu sehen und nur sehr gelegentlich und eintönig wurden die Spieler unterstützt. Inwiefern hierbei die Derby-Randale – Stichwort „Repressionen“ – eine Rolle Spielen, oder ob der Großteil der Heimspiele generell so abläuft, entzieht sich meiner Kenntnis, war es heute doch der erste Kontakt für mich mit SFC Opava. So enttäuschend also der Blick in den Fanblock war, so interessant waren hingegen die Schlussminuten auf dem Platz. Die Gastgeber steckten nicht auf und bliesen zum Sturmlauf. Neben einem Alu-Treffer sprang in der 87. Minute auch der Anschluss dabei raus, damit nicht genug, klingelte es in der Nachspielzeit tatsächlich ein weiteres Mal im Gehäuse von Žižkov.

Heimblock
Stadion

Mehr oder weniger zufrieden, fuhren wir unserer Unterkunft in Katowice entgegen. Ziemlich abseits vom Schuss, wartete eine spartanisch eingerichtete Bude auf uns. Matratzen auf den Fußboden, ein Stuhl zu wenig am Küchentisch und ein komplett verwiesener Flur. Nun ja, viel braucht es nicht und den funktionstüchtigen Kühlschrank will ich euch auch nicht unterschlagen. Nach unserem Wochenend-Einkauf ging es mit Glück und schnellen Fußes per Bus in die Innenstadt. Die wirkte ähnlich verlassen, wie bei meinen letzten Besuchen. Aber durch Kiosk-Hopping und den entscheidenden Tipp eines Trunkenboldes, erreichten wir bald die kleine Kneipenstraße und verhafteten noch ein, zwei Bier.
Nach unzähligen gemeinsamen Nächten, Wochenenden und Touren schaffte es tatsächlich der Dauerschläfer vor mir wach zu sein, dass setzte mir so sehr zu, dass die Augen gleich wieder zufielen. Eine halbe Stunde später war gar schon das Essen fertig… ich schien zu träumen und hatte nun bald Angst, dass alle auf mich warten müssten. Aber soweit kam es dann nicht. Wir fuhren pünktlich vom Hof und erreichten – nach kurzer Visite und schnellem Kartenkauf bei Chorzów – kurze Zeit später unser erstes Ziel.

KS ROW Rybnik – Polonia Warszawa
15.04., 2. Liga, Stadion MOSiR

Ein Stündchen vor dem Spiel trafen nicht nur wir am Stadion ein, sondern auch ein Großteil der örtlichen Szene. Super timing! Die 30-40 Jungs in einheitlichen „Gladiators“-Windbreaker der Farbe schwarz, schauten nicht nur finster rein, sondern sorgten auch für dieses unangenehme Gefühl beim Kauf der Tickets, auch wenn sie uns wahrscheinlich nur am Rand zur Kenntnis nahmen. Wie es in solchen Momenten dann immer ist, schlief die Gute hinterm vergitterten Fenster fast ein. Puh… schnell die Zloty rüber geschoben und ab ins Auto. Aber irgendwie gehören solche Momente doch dazu und gewähren dem Interessenten nochmal einen kleinen extra Einblick in die jeweilige Szene, den Spieltag und dessen Ablauf. Nach kurzer Stärkung beim Kiosk, inklusive Polizei-Einsatz wegen nicht Achtung des Fußgängerüberweges, kreuzten wir kurz vorm Anpfiff wieder am Stadion auf.
Am Anfang der Woche war schon zu erahnen, dass die Rybnik-Kibice ihren Protest und damit verbundenen Stimmungsboykott aussetzen. Grund für diesen waren die dauernden Freitagsspiele, welche in fünf aufeinanderfolgenden Spieltagen ihren Höhepunkt fanden. Zwar handelte es sich dabei meistens um Heimspiele, aber diese ständige Terminierung auf einen Werktag, wollten die aktiven Fans nicht mehr hinnehmen und forderten ihren Verein zum Handeln auf. Aktuell sieht es aus, als hätten sie ihr Ziel erreicht. Abgesehen vom folgenden Heimspiel gegen Elbląg sollten keine Spiele am Freitag mehr folgen. Demzufolge stand einer Wiederaufnahme der Unterstützung nichts im Wege. Unten den knapp 500 Zuschauern formierte sich mit dem Anpfiff ein Block von 60-70 Sangeswilligen hinter drei Fahnen. Um weitere Jugendliche für den akustischen Support zu gewinnen, ranzten – im wahrsten Sinne des Wortes – zwei Ältere jeden Jugendlichen an, der ins Stadion kam. Überraschenderweise kamen durch die Methode nicht viel mehr zusammen. Optisch wirkte der Block auf der großen und sonst leeren Gegengerade ganz vernünftig und stand gut zusammen. Die ersten Klatscheinlagen samt Vereinsnamen schalten durch das leere Rund, ansonsten blieb im ersten Durchgang viel Luft nach oben. Die Pausen zwischen den Schlachtrufen und wenigen Liedern wurden sehr lange ausgekostet, ehe kurz vor dem Halbzeitpfiff kaum noch Aktivitäten zu erkennen war. Die ersten 10 Minuten im zweiten Durchgang schlossen sich nahtlos an, aber dass ist hier keine Überraschung und wird auch nur der vollständigkeitshalber erwähnt. Aus der verlängerten Pause kam die Gegengerade jedoch gut motiviert zurück und konnte im zweiten Durchgang einen guten Auftritt hinlegen. Etwas Dauersingsang war in der zweiten Hälfte genauso vertreten, wie das Hüpfen mit dem Rücken zum Spielfeld und wusste zu gefallen.
Im Speedway-Stadion (10.000 Zuschauer, eine kleine Tribüne, nur Sitzplätze) sah es lange nach einem Sieg für die Gäste aus, ehe kurz vorm Abpfiff doch noch der Ausgleich erzielt wurde und wir deutlich zufriedener als am Vortag das Weite suchten.

Heimblock, Foto II
Stadion

So weit war es aber vorerst nicht. Bevor das nächste Spiel auf uns wartete, fuhren wir in den Südwesten der Stadt Rybnik. Ziel war das ehemalige Steinkohlebergwerk „Ignacy“. Der Name führt übrigens zurück auf den Präsidenten (1929-1939) Ignacy Mościcki, der nach dem schnellen deutschen Einmarsch im September 1939 flüchtete, um eine Kapitulation zu vermeiden. 1792 wurde das Bergwerk erbaute und arbeitete knapp 200 Jahren unter verschiedenen Namen, heute dient es nur als technisches Denkmal. Neben den interessanten und vor alter nur so trotzenden oberirdischen Gebäuden, wurden auch bis zu 600 m in die tiefe gehende Wege vorbereitet, die jedoch (noch) nicht eröffnet wurden. Nach etwas hin und her standen wir schnell vor verschlossenen Toren und versuchten es an einer weiteren Stelle. Die Weitläufigkeit des Geländes und ein verschwundenes Zeitfenster ließen uns jedoch bald aufbrechen.
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Ruch Chorzów – Pogoń Szczecin
15.04., Stadion Miejski ul. Cicha, Ekstraklasa

Mit minimaler Verspätung erreichten wir das Stadion mit den überdimensionalen Ohrenstäbchen und ließen uns im Familienblock nieder. Wow… dort herrschte ein Lautstärkepegel: lachende und schreiende Kinder, um Ordnung bemühte Sozialarbeiter, ein aufgedrehtes Maskottchen, genervte Mütter und diskutierende Papis. Von Anhängern in der gegenüberliegenden Kurve nahmen wir hingegen nur wenig Notiz. Treten die „Psycho Fans“ und „Ultras Niebiescy“ auswärts zumeist in einer guten Anzahl auf und bestechen meist durch ihre kompakte und geschlossene Art, ist es nun mein zweiter Auftritt im heimischen Stadion, der kaum in Erinnerung bleiben wird. Optisch und akustisch ganz magere Kost. Der unregelmäßige Schall der Mikrophone-Anlage verriet zwar Bemühungen des Vorsängers, jedoch schienen diese in der Kurve nur wenig Beachtung zu finden. Die wenigen Chöre der rund 220 Kibice waren kaum motiviert und verebbten schnell. Daran konnte auch die Unterstützung von Widzew nichts ändern, die nicht nur per Schals, sondern auch mit einer Fahne, zu erkennen waren. Einzig als die Gegengerade und Tribüne mit in die Klatsch-Rhythmen einstieg oder gar zwei, drei mal sich erhob und mitsang, wurde eine Kulisse gezaubert, die an einen Hexenkessel erinnerte.
Im Gästeblock bewiesen 81 Anhänger, dass auch mit wenigen Mitteln und in überschaubarer Anzahl (bezogen auf unsere Verhältnisse in Deutschland), aber mit Wille und Motivation einiges zu erreichen ist. Eine Fahne am Zaun, dahinter ein gut formierter Mob in der Mitte des Blockes, wurde durchgängig, jedoch wenig abwechslungsreich, für den Verein geträllert. Dabei hatten sie über die volle Länge des Spiel einen unangenehmen Gegenspieler: Wind! Davon aber nur wenig beeindruckt, konnten sie sich mehrmals im Stadion Gehör verschaffen. Nur die ersten Minuten der beiden Halbzeiten wurden standesgemäß verschlafen.
10 Minuten vor dem Ende netzte Pogoń zum zweiten Mal ein und gewannen die Partie vor 6.364 Zuschauern mit 2-1. Mit dabei waren übrigens unzählige Polizisten die den Gästeblock gleich mit zwei (!) Wasserwerfern absicherten…

Heim-, sowie …
… Gästeblock

Polonia Bytom – Radomiak Radom
15.04., 2. Liga, Stadion im. Edwarda Szymkowiaka

Anschließend führte uns der Weg direkt zum Stadion von Polonia Bytom. Zu Recht – bestehen die Verantwortlichen hier doch weiterhin auf den Erwerb einer Plastikkarte (Karta-Kibice) inkl. Ausweis-Foto für den Eintritt ins Stadion. Dieser bürokratische Blödsinn dauerte natürlich. Unter den ersten misstrauischen Blicken der heimischen Raufbolde schlichen wir zurück zum Auto und stärkten uns am Supermarkt, wo sich zwei Trinker im gesetzten Alter gerade mit der Polizei auseinandersetzen mussten. Anschließend ließen wir uns im Stadion nahen Park nieder und genossen etwas die Zeit. Gerade wollten wir uns auf dem Weg zum Stadion machen, sausten zwei Busse aus Radom in Richtung Gästeblock an uns vorbei. Hier warteten nicht nur 60-70 Hooligans von Polonia, sondern auch reichlich Pigs im Riot-Outfit, die natürlich keinerlei Spielraum für nonverbale Attacken ließen. Geschlossen lief der Mob anschließend zum Eingang, an dem es sogleich etwas Unruhe gab und die ersten Kibice mit Sturmhaube durch die Gegend stürmten.
Als sich die Gemüter etwas beruhigt und der Mob sich wieder im Block gesammelt hatte, war es auch für uns an der Zeit, ins Stadion zu gehen. Auch wenn schon vor Jahren große Teil der Ränge abgetragen und gesperrt wurden, gefiel mir das restliche Rund auf anhieb und begeisterte mich. Sei es die alte große Kurve, die gelblich angeleuchteten Plattenbauten im Hintergrund, oder der Gästeblock, der geradezu nach „Spaß“ schrie. Ähnlich wie das Stadionumfeld mit den tiefen Häuserschluchten und großem Schotter-Parkplatz, der hüfthohe Zaun vor der Tribüne/Fanblock oder die losen Betonbrocken im ganzen Stadion. Dass es zwischen verfeindeten Gruppen und Vereinen, wie zuletzt ROW Rybnik vor einigen wenigen Wochen, hier nicht Rund ging, liegt wohl nur an der eigenen Disziplin und der Gewissheit, dass bei Randalen für eine ganze Weile keine Spiele mehr mit (Gäste-)Zuschauern stattfinden würde.
Auseinandersetzungen blieben auch heute aus, ähnlich wie ein spannendes Spiel. Denn dass war nach 25 Minuten durch einen roten Karton für Polonia und zwei Toren für Radomiak entschieden. Kurz vor dem Ende erhöhten sie gar noch um ein weiteres Tor zum 0-3 Endstand. Auf den Rängen sah die Gewichtung erwartungsgemäß anders aus. Während sich aus Radom knapp 100 Anhänger im Gästeblock hinter zwei Fahnen einfanden, standen ihnen mehr als 350 im Heimblock gegenüber und diese legten auch nach dem schnellen Rückstand einen guten Auftritt hin. Dabei wurde fast durchgängig auf Klatschparaden zurückgegriffen und mit verschiedenen Schlachtrufen ergänzt. Die bereits erwähnten sozialistischen Wohneinheiten sorgten für einen Schall, der wie ein Wechselgesang wirkte. Die erreichte Lautstärke fand ich teilweise sehr beeindruckend. Als der ganze Haufen dem Regen wich und einige Meter weiter unter das Dach rückte, tat dieses seinen Teil natürlich auch noch dazu. Gefiel mir! Übrigens gab es beim Umzug der aktiven Fans keinerlei Probleme oder Einwände der Familien, Opas oder Spielerfrauen. So etwas wird dann umgangssprachlich wohl „respektvoller Umgang“ genannt und spricht für ein gutes Miteinander. Wenn ich da an manches eigene Auswärtsspiel und sinnlose Diskussionen alá „Ich stehe hier schon seit 1976… ähm ich meine seit 12.30 Uhr und mache keinen Meter weg!“ denke. Ebenfalls wusste das reichliche Zaunbild zu gefallen und bot eine Mischung aus langen und bekannten Stoffen, sowie kleinen und neueren Stücken. Das Wort „Zaun“ verdiente die Begrenzung allerdings kaum, lose Hamburger-Gitter und einige Stahlseile dienten den Fans als Befestigungsmöglichkeiten. So auch heute einem Gruß in den Knast, samt durchgestrichenen Hammer und Sichel. Reste von anderen Spruchbändern, Klebeband oder gar einigen Kordeln werteten das wirre durcheinander fetzig auf.
Die Gäste mit dem gewöhnungsbedürftigen Vereinswappen standen zumindest im ersten Durchgang geschlossen in der oberen Ecke des Blockes und befestigten am Zaun zwei Fahnen, die wahrscheinlich nicht (mehr) jeden Geschmack treffen werden, aber schon über viele Jahre den Club begleiten. Unterstützung im Sinne von Gesang gab es nur sporadisch und war meistens von langen Pausen durchsetzt. Nach dem zweiten Treffer und einsetzendem Regen präsentierte sich die Anhängerschaft im freien Oberkörper und haute über wenige Minuten mal einige Lieder nacheinander raus. Gänzlich anderes sah es dann im zweiten Durchgang aus, da kam von den Grün-Weißen nämlich gar nichts mehr.

Jubel bei den Gästen
Armeinsatz im Heimblock
Stadion

Zurück in Katowice wurden in der Innenstadt erst diverse Regale leergeräumt und anschließend die Mägen gefüllt. Der Abend endete je nach Bedürfnis mit verschiedenen Genussmitteln und allerlei Tratsch am Küchentisch.
Die Abfahrtszeit konnte am Morgen fast realisiert werden, somit stand einer pünktlichen Ankunft nichts im Wege… wäre uns beim navigieren nicht mal wieder ein Malheure passiert. Aber immerhin fast pünktlich erreichten wir das Spiel:

MFK Havířov – FK Šumperk
16.04., 4. Liga Division E, Stadion Dukla

Sportlich und fantechnisch war in der vierten tschechischen Liga natürlich wenig zu erwarten, dafür ergaben die Recherchen im Internet ein hübsches Stadion unweit der Stadt Ostravas und damit dem zweiten Spiel des Tages. Für weniger als einen Euro machte der nette Ordner den Weg frei und ließ uns ins Stadion. Wow… was für eine Bude! Das Stadion erinnert sofort an die alten Dinger auf der Insel, hat dabei aber gerade einmal 30 Jahre auf den Buckel. Alles ist eng, auf den beiden Geraden wird gesessen, hinter den Toren jeweils gestanden. Die größere Tribüne ist das Herzstück des Stadions und wirkt mit Satteldach und bunten Bänken sehr imposant. Sie geht in beiden Ecken in Stehplätze über, bei denen die Wellenbrecher mit ihrer roten Farbe hervorstechen. Die heute von der Mehrzahl, der 250 Zuschauern, benutzte Gerade kommt etwas langweilig daher, besticht dafür mit einer Kneipe im inneren. Die Kapazität wird mit 7.500 angegeben, wobei ich denke, dass du hier mit 2.500 Leuten auch schon für eine gute Kulisse sorgen kannst und es mit 10.000 auch nicht allzu eng werden würde. Von solchen Zahlen ist der aktuelle Verein in der vierten Liga natürlich weit entfernt. Früher sorgte FK Havířov in der 2. Liga für bessere Zahlen und spielte im Pokal vor mehreren tausend Zuschauern, allerdings sorgte jahrelange Misswirtschaft für einen jähen Niedergang, der 2006 mit der Verschmelzung von Slovan Havířov endete.
Das Spiel war überraschend ansehnlich, dass Bier weniger überraschend billig, dennoch oder gerade deswegen wurden die Absprachen für die Rückfahrt über den Haufen geworfen – sorry! Das Wetter wechselte zwischen Sonne und Regen, wie wir anschließend zwischen Tribüne, Kneipe und Stehplätzen. Der sechsköpfige Fanblock – Marke „Suffgestalten“ – tat es uns gleich und zählte bis zum Ende des Spiels drei Standorte. Halt – vier, der etatmäßige Tröter spaltete sich irgendwann ab und wanderte alleine weiter. Wie es nun bei den aufstrebenden „Indianern“ weiter geht, könnt ihr bei hooligans.cz oder an der Tanke ganz in der nähe des Stadions erfahren. Das Spiel heute endete nebenbei 2-1 für die Hausherren. Netter Auftakt!

Stadion, Stadion II

Baník Ostrava – FK Pardubice
16.04., 2. Liga, Městský Stadion

Einkaufsbummel, Restaurantbesuch und Anfahrt überstrapazierten das Zeitfenster wieder einmal. Gibt schlimmeres, dennoch scheint der Wurm in letzter Zeit drin zu sein. Also schnell ins Stadion und nicht weiter Zeit vertrödeln. Das „Bazaly“ wurde vor einiger Zeit von Baník verlassen. Die Spiele werden nun im modernisierten städtischen Stadion ausgetragen. Einzige Besonderheit, im Gegensatz zu den diversen anderen Baukästen, ist nur der fehlende Betonwall. Eine Abgrenzung, in Sinne eines Zaunes oder ähnliches, gibt es übrigens nur im Gästeblock. Auch der Platzsturm beim Spiel gegen Opava änderte daran vorerst nichts.
Baník scheint auf dem besten Weg zurück ins Oberhaus und spielt eine solide Saison. Einzig Opava hat noch reale Chancen ihnen den zweiten Platz – hinter Olomouc – streitig zu machen. Das heutige Spiel begann jedoch mit einer Überraschung vor knapp 4.800 Zuschauern, nach 15 Minuten geriet der Favorit gegen FK Pardubice in Rückstand. Zwar gelang im zweiten Durchgang noch der Ausgleich, mehr als der eine Punkt war jedoch nicht mehr zu erreichen.
Im Block der „Chachari“ unterstützen rund 300 Baník-Anhänger ihren Verein. Dies gelang ihnen auch ganz gut und fast über das komplette Spiel. Neben vielen kurzen Anfeuerungsrufen – die meist nur zwei, drei mal durch Stadion hallten – wurde auch gelegentlich einfache Melodien auf den Rasen getragen. Beeindruckender war aber die Disziplin bei der Platzwahl. Anstatt sich wie eine Traube oder das beliebte Dreieck auf den großen Block zu verteilen, standen 75% der dortigen Fans im mittleren Sektor und füllten diesen bis ans obere Ende aus. Zum Ende des Spiels wurden zu dem noch einige Doppelhalter und Schwenkfahnen verteilt, von denen einige wenige schon während des Spiels im unteren Bereich des Blockes auftauchten. Rückblickend war der Auftritt für diese Liga, den undankbaren Gegner (acht Gäste), die kurzfristige Verlegung und der Tatsache, dass Baník immer noch zu Tschechien gehört, auf einem gutem Niveau und ich drücke den Verein, bzw. der Szene die Daumen, dass sie den Aufstieg packen und sich bald wieder mit den wenigen anderen Gruppen im Lande messen können.

Heimblock, Heimblock II