Fußball in Rumänien, Transnistrien und Moldawien

Spiele: Astra Giurgiu – Petrolul Ploieşti, FC Dinamo-Auto – Zaria Bălți, Gagauziya Komrat – Zimbru Chișinău, Rapid Bucuresti – CFR Cluj, Steaua Bucuresti – Dinamo Bucuresti

Einmal mehr sollte es über den Tellerrand hinaus gehen. Mit den Spielen des Clubs ließ sich Rumänien perfekt verbinden. Treten hier in der ersten Liga auch am Montag die Kicker gegen den Ball, dazu wurde der Pokal an den drei folgenden Tagen ausgespielt – und siehe da – zwei Wochen vor dem Abflug legte der Verband das Derby in Bukarest auf den Freitag vor der Abreise. Die Freude wehrte nur kurz, den der NOFV verschob, mal mir nichts, dir nichts beiden Spiele der Blau-Gelben. Statt Sonntag vor der Abreise und Sonntag nach Ankunft hieß es nun: Spielfrei und Samstag. Bitter, so hätten wir auch gleich Freitag los machen können und das Spiel am Samstag erreichten wir nur noch mit viel Glück.
Genug der Vorworte und zu zweit ab in den Flieger, klar mit einer Dose. In Bukarest wartete schon der dritte im Bunde (der Geizhals folg lieber aus den Westen) und komplettierte die Runde. Statt unserer Namen hielt er uns wortlos das BFU entgegen.
Mietauto entgegengenommen und „Schwups“ befanden wir uns im Bukarester-Stadtverkehr. Ist aber nicht anders als in Berlin oder Leipzig. Unser eigentlich geplantes Hauptziel der Reise durchfuhren wir nur, erst am Donnerstag sollte es wieder hierher gehen. Unser erstes Ziel war die Stadt Giurgiu direkt an der bulgarischen Grenze, welche wir nach 90 Minuten erreichten. Auf der Landstraße änderte sich schnell das Bild, die großen Platten und Wohnhäuser der Hauptstadt verschwanden, daran reihten sich Einfamilienhäuser, dann kam das Ortsausgangsschild und erst mal gar nichts mehr. Die Straßen wurden schlechter und links, sowie rechts davon war nur große Wiesen zu sehen. Zwei, drei Dörfer durchfuhren wir.
Unseren Adleraugen entdeckten auf halber Strecke einen Fußballplatz und hielten gleich an. Beim genauen inspizieren des Platzes wurde schnell klar, dass es nicht mehr als ein Bolzplatz war, auf dem das letzte Match wohl schon einige Tage zurück lag. Zu dem verdreckten Gelände passte nur zu gut, dass im selben Augenblick ein Opa seine Mülltonne an der Außenlinie leerte und wieder von dannen zog.
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Gegen 17 Uhr erreichten wir Giurgiu und das örtliche Stadion, direkt neben einem verlassenen Fabrikgebäude. Der erste Straßenhund ließ nun auch nicht lange auf sich warten! Nachdem wir unsere Tickets erwarben, trieb uns der Hunger in die Innenstadt. Mh… Grenzstadt halt. Zwar deutlich schöner als Frankfurt/O., aber nicht viel mehr los. Nach einigen Metern fanden wir immerhin einen offenen Burgerladen. Bier, Essen und geniale Lieder aus den rumänischen Charts machten gleich Lust auf einen spaßigen Abend, der aber heute noch nicht folgte. Nun waren noch reichlich drei Stunden bis zum Anpfiff Zeit und nach einer kleinen Runde durch die Stadt war klar, dass diese hier sehr lange werden könnten. Wenn selbst Wikipedia unter der Rubrik „Geschichte“ nur die Haltestelle des um 1900 verkehrenden Orientexpress für erwähnenswert hält, sagt dass eine Menge über die Stadt aus. Aus meinen sorgfältigen Recherchen vor Reiseantritt, war mir hingegen noch eine wirkliche Sehenswürdigkeit hängen geblieben. Die „Brücke der Freundschaft“ zwischen den Städten Russe und Giurgiu, welche Bulgarien mit Rumänien über der Donau verbindet. Also steuerten wir diese, in der Nähe des Stadions an. Nach 100 Metern dezimierte sich unsere Gruppe auf zwei, einem wurde die schnell ansteigende Anzahl der Straßenhunde zu groß und er verkroch sich ins Auto. Nach der ersten Passkontrolle war die 2.800 Meter lange Brücke (bis letztes Jahr die einzige Querung zwischen beiden Ländern) zum greifen nahe. Ganz so schnell ging es dann doch nicht es folgten noch insgesamt 7 (!) weiter Kontrollen von mehr oder weniger vertrauenserweckenden Beamten in Uniform, oder halt auch ohne. Ziel war es eigentlich irgendeine Sinnlosigkeit in Bulgarien zu kaufen. Daraus wurde nichts, der Wind zog zu sehr und wir machten auf der Hälfte kehrt, ich wage es auch zu bezweifeln, dass wir es pünktlich wieder zurück geschafft hätten. Die Beamten freuten sich sichtlich über unsere Rückkehr. Im Kiosk konnten wir immerhin unser Ziel mit bulgarischen Bier noch so halb erfüllen.

Astra Giurgiu – Petrolul Ploieşti
27.10., Liga 1, Stadionul Marin Anastasovici

Die Begegnung wäre noch vor gut zwei Jahren ein Derby in Ploieşti gewesen, aber seit dem Jahr 2003 liest sich die Vereinsgeschichte wie ein Fantasy-Buch. Hier mal ein kleiner Abriss: 1934 gegründet und 1998 ins Oberhaus aufgestiegen – bis hier hin alles schick und normal, aber nun geht’s los – 2003 Fusion mit dem heutigen Gegner und damaligen Stadtrivalen, 2005 Neugründung unter alten Namen, 2007 änderte sich der Name in FC Ploieşti, 2009 wieder Zurückbenennung und Farbwechsel zu schwarz-weiß, 2012 Umsiedlung nach Giurgiu. Geld regiert die Welt! Schlimmer als sich die Geschichte anhört, sieht das Wappen aus. Genug über den Verein hergezogen, machen wir bei den Cops weiter. Diese sicherten die Partie martialisch ab und wirkten ebenso unglücklich, wie ihre Kollegen. Lag vielleicht an der kalten Anfahrt zum Stadion im IFA W50, geschützt nur mit einer Plane (4-5 Grad). Pünktlich mit dem Eintreffen im Stadion fing es an zu Regnen und hörte erst mit dem Abpfiff wieder auf.
Das Stadion ist ein Neubau Marke 0815 (3-seitig bebaut, 8.000). Einzig die gewöhnungsbedürftige Gegengerade macht etwas her (Dach nur für die letzten fünf Reihen). Der Gästeblock könnte auch in Griechenland stehen, überdimensional hohe Zäune und Netze, da hat nur noch der Stacheldraht gefehlt. Dem Spiel heute wohnten ungefähr 1.500 Zuschauer bei, darunter knapp 200 Gäste. Von der Heimseite erwarteten wir nicht viel. Wie sollten sich bei dem Wechselbad der letzten Jahre auch ernsthafte Strukturen bilden, bzw. hat der wahre Fan wohl spätestens nach der ersten Namensänderung das Weite gesucht. Am Ende standen 30-40 Hansel vor einer riesigen rot-schwarz gestreiften Blockfahne und hinter zwei gedruckten Zaunfahnen im Words´97-„Times New Roman“-Stil – schön ist anders. Töne brachten nur ihre wirklich nervigen Trommeln raus. Abhaken und Blick auf den Gästeblock. Diesen bevölkerten die Fans von Petrolul, eine durchaus akzeptable Nummer aus Rumänien (zumindest nach Sichtung diverser Bilder im Netz). Trotz Anstoß um 21 Uhr hatten diese ihre Schwierigkeiten, rechtzeitig in den Block zu gelangen und so dauerte es bis zur 20. Minuten, als alle drinnen waren. Der Zaun wurde mit neun kleinen, zum Teil ganz schicken Fahnen geschmückt. Einen Schwenker hatten sie ebenfalls am Start und wurde auch über weite Strecken der ersten Hälfte geschwungen. Passte zwar nicht immer zu den recht kurzen Anfeuerungsrufen, aber das muss jede Szene für sich entscheiden. Das Liedgut wiederholte sich schnell, war die Zeit bis zum Halbzeitpfiff aber durchgängig.
Und das Spiel? Keine Ahnung! Ist schon zu lange her! Bei einem Endergebnis von Null zu Null wird es aber sicher nicht der Renner gewesen sein.
Wir wollten während der Halbzeit die Chance des offenen Tores nutzen, um von der Gegengerade auf die Hintertortribüne zu wechseln. Leider war uns das nicht vergönnt und wir wurden genauestens beobachtet, dass wir wirklich nur das belegte Brötchen kauften und wieder auf die Gerade gingen. Also wieder zurück in den Regen und die zweiten 45 Minuten rumänische Fußballkunst verfolgt. Zu unserer Linken (Gästeblock) war kaum noch etwas los, zwar flackerte ein Blinker vor sich hin, aber gesanglich nahmen sich die Gäste sehr zurück und brachten nur noch selten ein Lied über die Lippen. Schade, schieben wir es ihnen zu Gute, mal auf das Wetter und das Spiel – irgendjemand muss ja Schuld sein.

Heimblock…
…Gästeblock

Ab ins Auto und durch die dunkle Nacht bis ans andere Ende von Rumänien. Genauer gesagt Iaşi war das Ziel. 400 Kilometer rumänische Landstraße bei Regen lagen also vor mir. Zusehen gab es nichts. Klar, war ja dunkel. Trotzdem wurde es nicht langweilig: einige Schlaglöcher ließen den Penner ;) auf der Rückbank immer mal wieder aus seinen Schlaf schrecken, zwei Vollbremsungen für Hunde taten ihr übriges für einen unruhigen Schlaf. Ab 3 Uhr war ich auf mich allein gestellt, verdonnerte ich doch den Beifahrer zum Schlafen aufgrund von übermäßigen Bierkonsums. Gegen 5.30 Uhr erreichten wir unser Ziel und parkten direkt am Supermarkt in der Nähe des Busbahnhofs. Der nächste Minibus nach Chişinău sollte um 6.30 Uhr fahren. Also zum Auto gestiefelt, Sachen gepackt, den Dauer-Penner eingesackt und wieder zurück. Für Tierfreunde ist Iaşi ein wahres Paradies. Nicht nur das die Straßenhunde einem auf Schritt und Trip verfolgen (auch wenn der Verfolgte aus Angst über die vierspurige Straße rennt), auch am Himmel gibt es einiges zu bewundern. Hier trieben zur frühen Stunde rund 2.000 Raben ihr Unwesen und färbten den dämmernden Himmel schnell wieder schwarz. Sah und hörte sich schon gespenstisch an, wie die Vögel durch die Luft schwärmten. Die Zeit bis zur Abfahrt wurde mit Nahrungs- und Getränkebeschaffung überbrückt. Der schläfrige R. nutzte die Zeit natürlich um – richtig – zu schlafen und machte sich kurz vor der Abfahrt auch noch auf die Socken… zur Abfahrt des Busses keine Spur von ihm. Nach dem der Fahrer nach 5 Minuten warten schon fast von dannen rollte vervollständigte sich die Truppe wieder.
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Die 160 Kilometer in die moldawische Hauptstadt kosteten 6-7 Euro und nahmen drei Stunden in Anspruch. Im Minibus herrschten derweilen eisige minus Grade! Selbst die Fenster waren von innen gefroren, na dass kann ja heiter werden. Der Schlaf konnte so eher weniger kompensiert werden, dann halt ein wärmendes Bierchen naschen und gespannt aus dem Fenster schauen. Es dauerte nicht lange und kurz nach dem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, überholten wir die erste Eselkutsche. Auch ein paar Kühe säumten immer wieder den Weg und wurden die Straße entlang getriebem. Die nächste Kuh war dann die rumänische Grenzbeamtin. Auf einer charmant unfreundlichen Art und Weise nickte sie alle ab bis auf uns drei. Mit dem folgenden russisch und englischen Kauderwelsch war ich total überfordert und der nächste durfte ran. Touristen scheinen hier nicht sonderlich beliebt zu sein, bzw. wollte sie uns nicht glauben. Nach dem wir ihr bestätigten, dass wir 40€ für eine Übernachtung in Tiraspol (sollte bei der Einreise lieber verschwiegen werden, da sich Transnistrien und Moldawien in einem ruhenden Konflikt befinden) konnte der Bus die Fahrt fortsetzen. Bis nach Chişinău gab es nicht viel zu sehen. Zwei kleine Städte mit brachliegender Industrie wurden durch fahren, das war es. Ansonsten graue Wiesen, grauer Himmel, graue Häuser – Tristesse! Einzig der See Lacul Ghidighici kurz vor der Stadt sorgte für etwas Abwechslung.
Die Hauptstadt wiederum war ganz fetzig. Wie in den anderen Nestern auch, stand in großen Beton-, oder wahlweise Stahlbuchstaben der Stadtname am Ortseingang. Die Dinger konnten schon mal zehn Meter hoch, oder lang sein. Alleine für diesen immer wiederkehrenden Anblick hätte sich die Fahrt nach Moldawien fast gelohnt. Die Straßen und Fußwege waren voll. Hupen, Winken, Quatschen, da kann der an düsende Sprinter schon mal übersehen werden. 800.000 Menschen leben im Großraum und damit ein Viertel der Einwohner des ganzen Landes. Der Bus führte uns durch die Innenstadt und direkt an einigen mehr oder weniger sehenswürdigen Sachen vorbei. Am großen Bazar war für uns Endstation, befindet sich hier doch auch der Busbahnhof.
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Leider blieb für uns keine Zeit, sich dem reichhaltige Angebot und dem totalen Chaos hinzu geben. Schließlich waren wir noch nicht am Ziel angelangt. Die Taxi-Mafia bot uns für 20€ die Überfahrt nach Transnistrien an und bekam sofort den Zuschlag, bei nicht mal sieben Euro für die 80 Kilometer nach Tiraspol ein fairer Deal. Der Fahrer freute sich merklich über uns als Fahrgäste und erklärte uns ununterbrochen die Welt auf Russisch. Zwar gaben wir ihn mehrmals zu verstehen, dass unsere letzte russisch Stunde in der Schule schon eine Weile zurück lag und wir kein Wort verstanden, aber das Interessierte ihn nur beiläufig. Er lachte kurz und erzählte weiter. Dann war es soweit. Grenzübertritt.
Unter einer Kamouflage-Plane versteckte sich ein russischer Panzer, die Grenzbeamten waren mit Gewehren bewaffnet und eiferten ihren Kollegen vom morgen in puncto unfreundlichkeit erfolgreich nach. Uns wurde unmissverständlich klar gemacht, dass wir nach spätestens 24 Stunden wieder verschwunden zu sein haben. Mit unserer Registrierung durften wir nun unter den wehenden Hammer-und-Sichel-Fahnen einfahren. Ein besonderer Dank geht diesmal an unseren Taxifahrer, der eigentlich alles für uns klärte und wir nur an den richtigen Stellen nicken mussten. Kaum fünf Kilometer im Land, erinnerte nur noch wenig an das ärmliche Moldawien vor ein paar Minuten. Sicherlich ist auch Transnistrien kein Wohlstandland, aber dank schwerer Industrie und sicher auch dank der Föderation Russlands befindet sich das Land in einem stetigen Aufschwung. Westliche Medien und Politiker sehen das anders: Schmuggel von Waffen, Menschen, Zigaretten und anderer Schattenwirtschaft sei der Ursprung des Geldes. Klar, woher soll es auch kommen wenn Brüssel oder Washington nicht ihre Finger drin haben, bzw. es überwachen?! Ich will mich aber auch gar nicht zu sehr auf eine Seite der Medaille schlagen, fehlt mir dafür doch fungiertes Hintergrundwissen. Klar sollte aber sein, das vieles (alles?) östlich der EU-Grenze nur einseitig beleuchtet und daher kaum objektiv betrachtet wird. Somit wird von Seiten der gelenkten Medien absichtlich ein schlechtes/schlechteres Bild über Zustände, wie zum Beispiel in Transnistrien, gemacht, welches sich in den Köpfen festsetzt. Moderne Propaganda!
Zurück zum ersten Eindruck. Die Straßen wurden deutlich besser, die Häuser waren nicht mehr alle im gleichen grauen Ton gehalten und waren teilweise saniert. Auch wirkte alles etwas sauberer, nicht geleckt, aber halt nicht so verwahrlost. Vorbei an der Festung von Bender und zwei russischen Panzern samt Straßensperre (vor dem Ukraine-Konflikt waren hier rund 1.500 russische Soldaten stationiert, mit Beginn der Unruhen wurde diese Zahl deutlich aufgestockt) erreichten wir unser Ziel. Unser Fahrer hielt uns sicher für etwas bescheuert, verabschiedete sich aber dennoch freundlich.

FC Dinamo-Auto – Zaria Bălți
28.10., Cupa Moldovei, Stadionul Dinamo-Auto

Eintritt wurde in der dritten Runde nicht verlangt und auch für unsere Rücksäcke interessierte sich niemand. 12 Uhr und eine Stunde vor der Partie wies hier nicht viel auf ein Fußballspiel hin. Abgesehen von zwei Cops, im privaten Opel-Kadett, dem Platzwart und der F-Jugend war hier keine Menschenseele. Auf Nachfragen wurde uns die Partie aber bestätigt.
Hinter dem Vereinsheim spielten die Kurzen etwas Fußball und es dauerte keine zwei Minuten und wir waren mit von der Partie. Wurden wir anfangs noch etwas skeptisch beäugt, hatten wir wenig später 8-10 Kinder um uns, welche ein Kräftemessen (gegen den Weltmeister :P ) nicht scheuten. Bei bestem Herbstwetter wurde der örtlichen Jugend ihre Grenzen aufgezeigt, oder andersrum und um jeden Ball gefightet und gekrätscht. Während der unzähligen Verletzungspausen klärten sie uns, im fließenden Englisch, über ihre Idole und Lieblingsmannschaften auf. Mit unserem Club konnten sie komischerweise nichts anfangen. Das erste offizielle Länderspiel der transnistrischen Nationalmannschaft gewann die Auswahlmannschaft der neuen Bundesländer am grünen Tisch mit 3-0, da die Gastgeber nach 30 Minuten als Balljungen angefordert worden. Im Siegestaumel leerten wir die ohne hin schon spärlich gefüllten Regale des „магазин“ und machten es uns in der Sonne gemütlich.
Das auf zwei Seiten bebaute Stadion ist komplett mit Metallsitzen bestückt und dürfte 1.000 Gästen Platz bieten, ganz so viele wurden es heute nicht. 37 Zuschauer zählten wir, die dem Kräftemessen der beiden Erstligisten in der 3. Runde beiwohnten. Für deren Sicherheit sorgten neun Cops, auch wir bekamen unseren persönlichen Aufpasser. Dieser stelle sich über die 90 Minuten super unauffällig (ich vermute mal, er hat seine Ausbildung bei den deutschen Zivi´s durchlaufen) am einzigen Durchgang der Gegengerade hin und achtete darauf, dass keine weiteren Personen in unserer Nähe bzw. auf der Hälfte der Geraden Platz nahmen. Das er „allgemeines Gelächter“ als „systemkritische Äußerung“ an seine Vorgesetzten weiterleitete konnten wir nicht ausschließen, mussten aber fortan immer wieder dran denken und schmunzeln. Mehr gibt es beim besten Willen nicht zu schreiben. Das Spiel verloren die Gäste aus Moldawien mit 4-0 und am Ende hauten sich die Spieler ordentlich auf die Socken. Wir hofften Inständig, dass der Konflikt zwischen beiden Staaten dadurch nicht wieder aufkeimt und wir morgen ohne Verhör zurück nach Moldawien könnten.

Stadion

Unser Versuch per Anhalter die kurze Strecke nach Tiraspol hinein zu gelangen scheiterte. Hatte aber einen netten Spaziergang zu Folge bei denen zwei Hunde um unsere Aufmerksamkeit buhlten, wir so ein geiles Ortseingangsschild aus nächster Nähe betrachten konnten und vom Pförtner des FC Sheriff abgewiesen wurden.
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Die letzten Meter griffen wir auf ein Taxi zurück, sollte sich so die Auffindung unseres Hostels doch leichter gestalten. Typischer Fall von „denkste“ ! An der notierten Adresse war keine Spur von einer Unterkunft. Zwei Stunden und einige Nerven kostete uns die Suche um dann immer noch ohne Bett da zustehen. Ein Begriff schien den Einheimischen die Bleibe auch nicht zu sein und dementsprechend konnte uns niemand weiter helfen. Zwei Studenten boten uns dann immerhin an uns zu einem Hotel zu führen. Das „Hotel Russia“ sollte unser Ziel sein. Schon von außen war klar, dass unsere Preisvorstellungen überstiegen werden. So war es dann auch. 50€/Person – utopisch! Nach Rücksprache mit dem Chef des Hauses konnte der Preis um 50% gedrückt werden. Zähne knirschend willigten wir ein, nach der letzten Nacht hatten wir keine Lust mehr auf weitere blinde Exkursionen.
Nach dem wir uns beim Konsum mit einigen Rubeln, Bier und Essen eindeckten, legten wir zumindest kurz die Füße hoch, ehe es auf Essen-Suche ging. Im Eishockeystadion wurden wir fündig und speisten jeder gleich zwei Gänge (das letzte richtige Mahl lag über 24h zurück) bei russischen Bier. Auf das folgende Spiel verzichteten wir mangels Interesse. Für einen kleinen Rundgang durch das dunkle Tiraspol konnte ich nur noch eine Person gewinnen und mit reichlich Proviant liefen wir durch die mittlerweile finstere Hauptstadt des kleinen Staates. Auf den Straßen war kaum noch etwas los, bei einer geschwind geringen Arbeitslosigkeit und einem Tag unter der Woche natürlich keine große Überraschung. Die 150.000 Einwohner Stadt machte durchaus etwas her und bietet somit auch dem geneigten Touristen einige hübsche Anlaufpunkte. An aller erster Stelle natürlich der Platz um die Straße des 25. Oktober. Für (jeglichen) Politik-Fanatiker wohl eine Augenweide. Zumindest ich habe noch keinen Fleck auf der Erde besucht, welcher einer politischen Richtung so extrem gewidmet ist. Kurze Aufzählung: Panzer der roten Armee aus dem 2. WK, ewige Flamme im Stern, Soldatengräber für die Gefallenen des Afghanistan-Krieges (1979-1989), 10 Meter große Lehnin-Statur aus Granit, Friedenskirche, vier mindestens 20qm große kommunistische Staatsplakate, vergoldeter Hammer und Sichel, zwei typische Ostblockgebäude (Theater und Rathaus ← Fotografieverbot) und eine 6 Meter hohe Statur von Alexander Wassiljewitsch Suworow-Rymnikski (russischer General in den um 1756-1801). Dazu eine achtspurige Straße und Beton für eine ganze Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn.
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Keine 500 Meter weiter stand die Christi-Weihenacht-Kathedrale. Ich bin zwar ein absoluter Feind von Kirche und ihren übertriebenen Zurschaustellung ihrer Einnahmen, aber dieses Gotteshaus war wirklich schick! Kann natürlich daran liegen, dass ich als Mitteleuropäer selten in Kontakt von russisch-orthodoxen-Kirchen komme, aber diese Zwiebeldächer machen halt einfach mehr her. An der Dnister waren währenddessen einige Techno-Beats zu vernehmen. Nach kurzer Überlegung endschieden wir uns doch lieber für ein nächstes Bier bei der Babuschka und ihrem kleinen Laden, der nach uns dicht machte. Mit dem nächsten leckerem Bier russischer Braukunst (hätte die Russen nie mit gutem Bier in Verbindung gebracht, dachte die saufen nur ihren Wodka) liefen wir ins nächste Wohnviertel. Schlimmer als im Kohlepott sah es hier auch nicht aus, für uns Platten-Romanitker waren dennoch einige exklusive Gebäude bei. Unser Rundgang endete in einer typischen Viertel-Spelunke, wo es zu unserer Überraschung nur Bier aus den USA gab.
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Nach etwas Schlaf und kleinem Frühstück liefen wir diesmal zu dritt die ähnliche Strecke des Vorabends ab und landeten auf einem Flohmarkt. Natürlich liefen wir gleich, nennen wir ihn einfach Dimitrov, in die Arme: „Ah, ich viele Jahre gelebt bei Leipzig. In Kaserne mit Papa und Mama.“ (gibt es Besatzer/Flüchtlinge/Einwanderer/Gast-Arbeiter die nicht in Frankfurt, Stuttgart, Berlin oder Leipzig gelebt haben?) und es begann eine einseitige Unterhaltung. Immerhin hatte er ein paar coole Aufnäher am Start und beide Seiten hatten so etwas von der kurzen Bekanntschaft. Für die daheim geblieben wurden die letzten Rubel in zusammengenähte Geschirrhandtücher verhökert und überlegt, ob wir einen besonders niedlichen Straßenhund auf unsere Weiterreise mit nahmen, ehe wir zum Bus-Bahnhof liefen. Auf dem Weg kamen wir noch an der ehemaligen Spielstätte von Tiligul-Tiras Tiraspol entlang. Hui, hier wären wir gerne mal bei einem Spiel gewesen. Schöne Kiste! Natürlich fuhr kein Bus in den nächsten Stunden nach Komrat. Also wieder zur Taxi-Mafia, utopisch geringen Preis vereinbart und schon ging es los.
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Oder auch nicht, an der nächsten Tanke sollten wir alle aussteigen. Komisches Gefühl, aber er brannte nicht mit unseren Sachen durch sondern sammelte uns wieder ein. Dann ging es aber wirklich weiter, ach ne, wieder nicht: Grenze! Blödes gucken, Pässe noch blöder angucken und unser Englisch-Ass durfte mit den Worten „good luck“ ins Büro der Grenzer. Kam aber bald wieder raus und weiter ging die Fahrt.
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Auch heute dauerte es keine 500 Meter und Moldawien begrüßte uns wieder im einheitlichem grau. Abseits der größeren Städte sieht es noch gravierender aus. Die Straßen änderten sich schnell zu Schotterpisten, die schiefen Häuser, die wir als Ruinen vermuteten waren alle samt bewohnt, die Schule auf der anderen Straßenseite hatte nur noch einen Bruchteil ihrer Scheiben und wie im schlechten Actionfilm loderte der Mülleimer an einer Bushaltestelle fröhlich vor sich hin – die Leute haben hier wirklich nicht viel! Durch den Transnistrien-Konflikt wurde Moldawien nach und nach zum mit Abstand ärmsten Land Europas. Der Grund dafür ist simpel: jegliche Industrie liegt hinter der Grenze, dem ganzen Land bleibt also nur der Zwischenhandel und die Landwirtschaft. Den Rentnern stehen so zum Beispiel gerade mal 12€ im Monat zu, laut einer Studie waren 2013 rund 120 € für den Lebensunterhalt von Nöten. Wie in anderen finanziell schwachen Ländern, geht somit fernab der Hauptstadt der Weg weg vom Geld und zurück zum tauschen. Wer einen Hof, Tiere oder handwerkliche Tätigkeiten vorweisen kann, hat Chancen, wenigstens etwas leichter über die Runden zu kommen. Wer nichts davon hat, kann nur auf gute Beziehungen hoffen. Wem diese auch fehlen, muss jeden Winter ums überleben kämpfen, die Sterberate durch verhungern und erfrieren ist direkt an der Grenze zur EU immer noch hoch.
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In Komrat verlangt unser Fahrer seinen Lohn. Bei unseren Preisverhandlungen hat er doch glatt vergessen uns die Währung zu nennen. Doller meinte er selbstverständlich, logisch ich biete bei mir auf Arbeit die Ware auch in tschechischen Kronen an. Da wir unsere Doller gerade alle verbraten hatten, lies uns der Gute auch mit Euro zahlen, Kurs 1:1 – Wucher! Machten für jeden dann 20€. Bei 135 gefahrenen Kilometer und 2,5h Fahrzeit alles im Rahmen, bitter dennoch!
Komrat, sowie ganz Moldawien befanden sich im Wahlkampf und an jeder freien Fläche klebten schon bekannte Werkzeuge der Arbeiterklasse. Im Jahr 2001 erreichten die Kommunisten (PCRM) die absolute Mehrheit und regierten das Land ähnlich erfolglos aus der Krise, wie im Anschluss die Mitte-rechts-Kraft PLDM (am 30.11. wurden nun die Sozialisten stärkste Partei im Land).
Mit 200 moldauischen Leu (ca. 10€, reicht dicke für einen Tag) suchten wir in der Kleinstadt mit gerade einmal 26.000 Einwohnern schnell nach etwas essbarem und einigen Dosen für das anstehende Spiel. Fanden beides auf den kleinen Marktplatz und fuhren für ein paar Cent weiter zum Stadion.
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Gagauziya Komrat – Zimbru Chișinău
29.10., Cupa Moldovei, Stadionul im. V.G. Mumzhieva

Eintritt wurde wie am Vortag (ebenfalls um 13 Uhr Anstoß) nicht verlangt. Kassen waren zwar vorhanden, aber ich denke, dass aus diesen schon länger keine Tickets verkauft wurden. Überhaupt wies nicht viel auf eine intakte Spielstätte hin, sehen wir vom neuen Kunstrasen ab. Es gibt sicher Stadien, an welchen der Zahn der Zeit nagt, aber diese Bude übertrifft so einiges. 5.000 Zuschauer sollen hier mal auf den Holzbänken Platz gefunden haben. Von diesen waren nur noch einige auf der Tribüne zu finden. Auf der Gegengerade waren nur noch die Metallbefestigungen zu erahnen. Die Flutlichtmasten hatten keinen einzige Strahler mehr in ihren Haltevorrichtungen und mehrere Betonstufen verloren das Kräftemessen mit durchwachsenden Bäumen. Die kleine überdachte Tribüne diente als Ersatzbank. Na da hat sich die Fahrt in den Süden des Landes doch auch wieder gelohnt.
Mit Zimbru war heute „der“ Verein aus Moldawien zu Gast (das Produkt FC Sheriff lasse ich mal außen vor). Mit acht Meisterschaften und mehreren internationalen Auftritten ist er ohne jeden Zweifel das Aushängeschild und verfügt als einziger Verein über eine ernstzunehmende und intakte Fanszene. Auch an diesen Tag unter der Woche begleiteten etwas mehr als 30 Jugendliche ihren Verein zum Drittligisten und standen kompakt auf der Gegengerade. Auf Zaunfahnen und anderen Tifo-Materalien wurde komplett verzichtet. Einen Zaun zum aufhängen hätte es ja auch nicht gegeben. Einige Schlachtrufe und wenige Gesänge wurden anfangs noch über die Ruine… äh sorry Stadion gerufen. Allerdings war aufgrund des sehr einseitigen Spielverlaufs (Endstand 0-10(!)) schnell die Luft raus. Langeweile schien bei ihrer Crew aber nie aufzukommen. Zuerst wollten sie bei einer Rudelbildung auf dem Platz mit mischen, wurden aber von ihren Spielern zurück gehalten, danach deckten sie einen abgestellten Cop mit La Bomba ein, der den Knallern zwar auswich, sich aber sonst auch nicht drum scherte, ähnlich wie die anderen Cops auf dem Gelände. Die zweite Halbzeit nutzten die Ultra Boys dann für weiteren Spaß. Bei einer kleinen Pyroshow, bestehend aus grünen Rauchfackeln, kletterte einer von ihnen die maroden Flutlichtmasten herauf und zündelte weit über dem Spielfeld. Ansonsten gab es noch eine Polonaise und viele spaßige Rennereien hinter dem Schiedsrichterassistenten. Selbst dieser musste immer wieder lachen, als die ganze Bande ihn hinterher hechelte. Abgesehen von den Gästen schauten sich 50 bis 60 weitere Zuschauer denn Kick an und erfreuten sich an den teilweise recht guten Ball der Gäste. Nach dem Spiel dankten die Spieler des FC Zimbru ihren Fans mit einen Mobfoto, ehe sich das Stadion schnell leerte.

Stadion, Foto II, Foto III
Gästemob, FotoII
Kleine Pyroshow, Foto II

Für uns stand jetzt der ungewisse Rückweg nach Iaşi an. Bus, Zug (haha, der war gut) oder Taxi kamen in Frage, oder mal die Mannschaft aus Chișinău fragen. Gesagt getan und den Busfahrer angehauen. Wir sollten kurz auf den Trainer warten. Keine zwei Minuten später stand der Coach vor uns dem wir unser anliegen noch mal vortrugen und was sagt dieser geile Typ!? Kein Problem! Also ab in den Bus und vor den Europa-League-Spielern Platz genommen. Die schauten etwas verdutzt und grüßten verwirrt – Abfahrt! Auf den etwas über 100 Kilometer (locker 2h Fahrzeit) wurden wir bestens verpflegt. Kaffee, Tee, Kuchen und Brötchen wurden uns gereicht, auch das ein oder andere Gespräch mit den Spielern und Offiziellen folgte. Ob so etwas beim FC Bayern auch möglich wäre? Am Stadion war dann Schluss, während sie Spieler den Bus auspackten, drehten wir noch eine Runde über das Gelände und begutachteten die Graffitis. Nicht schlecht!
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Ohne jegliche Orientierung, Karte, oder irgendeinen Plan wo wir hin mussten, ging es nun per Pedes durch die Straßen der Stadt und wir erreichten tatsächlich noch unseren anvisierten Bahnhof. Unser Bus sollte allerdings vom anderen Ende der Stadt starten, also wieder ein Taxi in Beschlag genommen und los (ich glaube, der Taxi-Konsum in 36 Stunden Moldawien sprengte den eines ganzen Jahres in Deutschland für mich). 20 Minuten blieben uns noch um die Tickets zu organisieren, den letzten Leu in Bier und (viel zu viel) Essen zu investieren und mit staunen festzustellen, dass ein Bus von hier bis nach Potsdam fuhr. Die Fahrt im fast leeren Bus wurde wie erwartet feucht fröhlich und mit allerlei Gesprächen sehr kurzweilig über die Runden gebracht. Von mir aus hätte wir die ganze Nacht fahren können! Die Grenzer begrüßten uns wieder gewohnt unfreundlich, hatten an unserem Gepäck dann aber doch weniger Interesse als angedeutet und wir durften alle ohne Kontrolle wieder in den Bus steigen.
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In Iaşi wurde das Hostel direkt am riesigen Uni-Gelände aufgesucht und sich gleich wohl gefühlt. Also mit den Unterkünften hatten wir wieder eine Menge Mehl gehabt, wenn ich da an so manche Kaschemme westlich der Oder denke… Nach einem weiteren Pils auf unserer Suite wollten wir natürlich das Nachtleben der viertgrößten Stadt austesten. Hierbei half uns ein Student, der sich unserer kleinen Gruppe gleich anschloss. Nach einer kleinen Stadtführung an so ziemlich jeden bekannten Gebäude der Stadt vorbei (seiner Auffassung nach ist Iaşi die Kulturhauptstadt des Landes) landeten wir in einem Pub im Keller einer Platte. Erwarteten wir hier erst eine 0815-Kneipe wurden wir schnell eines besseren belehrt. Ein richtiger Studentenpub mit beschmierten Wänden, TT-Platten die für Bier-Spiele missbraucht wurden, volle Tische und Bier für einen (sehr) schmalen Taler. Die Erinnerungen an diesen Abend sind zwar schon am nächsten Morgen etwas verblast aber blieb allen beteiligten positiv in Erinnerung.
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Als Fahrer war ich am Abend die Vernunft pur und entschied mich gegen 4 Uhr für mein Bett, während sich die anderen beiden immerhin um 6.30 Uhr und damit 1,5h vor dem Wecker klingeln ins Hostel schlichen. Etwas gerädert ging es also wieder zurück nach Bukarest. Auf dem Weg hielten wir gleich an drei Spielstätten an und besichtigten diese. Nummer eins war ein verbranntes Feld mit Toren, die zwei war zumindest zu 50% in Schuss und wird auch noch für den Punktspielbetrieb genutzt.http://fs2.directupload.net/images/150309/u5pk3zdk.jpg Nummer drei war dann eine reine Ruine. Das Stadion diente XYZ als Heimstätte und vergammelt nun, nach dem Neubau an anderer Stelle, vor sich hin. Sicherlich mal ein schönes Stadion in welchen wir natürlich ordentlich herum turnten.
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In Bukarest fuhren wir durch lange und große Plattenbau-Siedlungen ins Zentrum zu unserer Unterkunft. Auch die letzte Schlagstätte wusste voll und ganz zu überzeugen. Wir machten uns gleich wieder auf die Socken. Vor dem abendlichen Spiel wollten wir wenigstens eine kleine Runde durch die Stadt machen und später bis zum Stadion laufen. Der erste Eindruck bestätigte sofort alles bis hierhin gehörte über die Stadt. Groß, voll, jung, chaotisch, rau, viele Kanten und genauso viel schöne Ecken. Hier lässt es sich aushalten.
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Rapid Bucuresti – CFR Cluj
30.10., Cupa României, Stadionul Valentin Stănescu

Der Weg bis zum Stadion zog sich doch ein ganzes Stück länger als erwartet und wir reihten uns erst spät in die lange Schlange um ein Ticket an. Kurz vor dem Anpfiff hielten wir unsere Tickets in der Hand und rannten die Treppen hinauf – Punktlandung! Auch bei diesem Spiel handelte es sich, wie in Moldawien, um ein Pokal-Spiel. Genauer gesagt wurde zwischen den beiden Erstligisten um das weiterkommen ins Viertelfinale gespielt. Wir waren anscheint nicht die einzigen, die sich etwas zu spät auf die Socken machten. Nach und nach füllte sich erst während der ersten Halbzeit das Stadion auf schlussendlich wohl 2.000 Zuschauer. 4-500 von ihnen sammelten sich unter der Führung der „Radicals“ auf der Gegengerade und legten gerade im ersten Durchgang (schnelle Führung) einen guten Support ab. Einige Melodien wurden über längere Zeit getragen und immer wieder stieg auch das restliche Publikum ein. Neben einer größeren Zaunfahne der Radicals waren weitere zehn kleine Fahnen am Ballnetz befestigt. Darunter auch überraschenderweise eine mit SS-Totenkopf. Überraschend daher, weil sich die Rapid-Szene gerne als eine der wenigen apolitischen Szenen des Landes hinstellt und in ihrem Block auch von (Neo-)Nazis verfolgte Roma einen festen Platz haben. Optisch untermalten sie die Gesänge mit einigen Schwenkfahnen, die aber nur bei einigen melodischen Gesängen zum Einsatz kamen.
Im zweiten Durchgang bauten die Anhänger stark ab und wachten erst wieder auf, als Cluj zehn Minuten vor dem Ende ausglich. Bis zum Ende versuchten die Fans nochmal ihre Mannschaft den Rücken zu stärken aber den Spielern schien die Luft aus zu gehen und die Gastgeber drückten auf den nächsten Treffer, der kurz vor dem Ende auch fiel. Damit gewann Cluj das Duell der beiden Eisenbahner-Clubs schlussendlich verdient. Im zweiten Durchgang griffen die Rapid-Fans noch die in drei Tagen anstehende Wahl auf und wünschten sich einen echten rumänischen Politiker und keinen falschen Patrioten. Was da nun genau dahinter steckt, kann ich nur vermuten und da Vermutungen was für Bild-Zeitung und Co. sind, mache ich darum lieber einen Bogen und lasse das Spruchband unkommentiert stehen. Dahinter qualmte es etwas in orange. Auf der Tribüne hinter dem Tor (und alten Block der Ultras) sammelte sich im Verlauf des Spiels ein 70-köpfiger Mob. Dieser sang zwar weitestgehend konstant durch, noch dazu mit einigen unbekannten Liedern, aber konnte nur selten akustisch auf sich aufmerksam machen. Der recht junge Haufen kam einfach zu wenig aus sich heraus um eine ordentliche Lautstärke zu erreichen. Mal schauen, was sich dort entwickelt. Gäste schafften es übrigens nicht bis in die Hauptstadt.
Das Stadion ist nach dem ersten Meistertrainer von Rapid benannt und liegt im sozial schwachen Stadtteil Giulesti. Ein wirklich hübsches Stadion, was auch ohne Stehplätze einen super Eindruck macht. 19.000 Zuschauer finden in dem über 75 Jahre altem Stadion Platz. Die beiden Geraden ragen leicht über die Tribünen hinter den Toren hinaus, vor einem Regenguss sind nur die VIP´s sicher. Auf jeden Fall einen Besuch wert und findet sich, zumindest bei mir, unter den Top 10 der besuchten Stadien wieder.

Stadion
Etwas Pyro im Block
Block um die Radicals
Kleiner Mob im alten Sektor

Den Abend verbrachten wir in der Innenstadt. Diese schien selbst am Donnerstagabend aus sämtlichen Nähten zu platzen. Viele der trinkfreudigen Jugendlichen feierte ausgelassen und ausschweifend im Halloween-Kostüm, wir ließen uns davon anfänglich noch gut mitreisen, mussten aber bald dem Vorabend Tribut zollen und verschwanden nach ein paar Bierchen in unseren Betten.
Letzter Tag der Tour! An diesem sollte neben dem abendlichen Derby natürlich auch die Stadt unsere volle Aufmerksamkeit bekommen. Leider schienen die vorbestellten Tickets uns da einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen. Sollten diese doch schon am Mittwoch bei uns im Hostel abgegeben werden. Klappte allerdings nicht wie gewünscht und am Freitagmorgen hatten wir immer noch keine Tickets in unseren Händen. Unsere Vermieterin wusste von unserem Problem und half uns, wo sie nur konnte. Nach einigen Telefonaten teilte sie uns mit, dass wir in den nächsten 90 Minuten Besuch vom Kurierfahrer bekämen, so war es dann auch. Wieder einige Nerven ärmer beruhigt ging es hinaus in die Stadt.
Erstes Ziel war logischerweise der Parlamentspalast. Nach dem Pentagon das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt und auch sonst nur von wenigen Gebäuden übertroffen. Ohne Frage in riesiges Gebäude, da eine Mauer und gut bewachte Zugänge keine nähere Inspektion zuließen, wirkte der Palast aus der Ferne zwar groß, aber bei weitem nicht so riesig wie erwartet. Allerdings habe ich auch gerade gelesen, dass nur die Hälfte des Kolosses überirdisch ist. Wie dem auch sei, direkt dahinter liegt das Stadionul Cotroceni. Das Stadion hat noch keine 20 Jahre auf seinem Buckel, sieht aber aus wie in den 70ern erbaut, da hat der Architekt mal ganze Arbeit geleistet, könnte es mehr von geben. Leider verwehrten uns hohe Zäune und mehrere Kameras einen Blick ins innere und wir liefen schon bald zurück in die Innenstadt. Am großen und zentralen Kreisverkehr direkt in der Innenstadt gönnten wir uns eine Pause und bestaunten die riesige Reklame von Coca Cola und Co. auf den umliegenden Häusern. Danach liefen wir die Bulevardul Ion C. Brătianu hinunter in Richtung der Universität und zur nächsten Post. Das Postamt war dann ein weiteres kleines Highlight unserer Reise. Für unsere 12 Briefmarken standen wir locker 30 Minuten an, schließlich musste jede Marke im Buch ordentlich eingetragen werden und mit Stempel und eben so vielen Unterschriften ausgetragen werden. Weiter führte uns die Reiseleitung (C. war erst vor einigen Monaten hier) vorbei am Cercul Militar, ein Palast von Casino, zum Gradina Cişmigiu.
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Auf dem Weg in den Park sahen wir das erste und letztemal das Leid der Straßenkinder. Zwei Jungs schnüffeltn völlig ungeniert Klebstoff in der Fußgängerzone. Alleine in Bukarest leben laut den Schätzungen des UN-Auschusses für Rechte und Kinder mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche in der Kanalisation oder unter freiem Himmel. Die Ursache des Problems hierfür liegt schon über 50 Jahre zurück. Damals wurde ein Gesetz zur Empfängnisverhütung erlassen (bestand bis 1989), um die Bevölkerung wachsen zu lassen. Die sozialen Leistungen reichten allerdings nicht aus, um der armen Bevölkerung die entstehenden finanziellen Lasten eines Kindes abzunehmen. Die Folgen waren Abschiebungen in überfüllte Waisenheime (welche den Namen wohl kaum verdient hatten), selbst durchgeführte Abtreibungen (zum Teil mit fehlendem “Erfolg“ und daraus resultierenden behinderten Kindern) und im schlimmsten Fall sogar Tötung der geborenen Kinder. Das Ergebnis dieser Zeit findet sich nun in den Straßen, Metro-Stationen und Kanalisationen der großen Städte wieder. Die damaligen verwahrlosten Kinder haben sich Fortgepflanzt und bekommen noch heute Zulauf (einige Familien können sich weiterhin keine Kinder „leisten“ und stoßen sie ab). Das Resultat sind drogen- (Klebstoff) und alkoholabhängige Minderjährige, die zum größten Teil in keiner Völkerzählung auftauchen, da sie nirgends registriert sind. Dementsprechend erhalten sie auch keine medizinische Unterstützung, schulische Bildung oder sexuelle Aufklärung. Ein Kreislauf aus dem immer mehr kranke Kinder, teilweise durch Inzest, heranwachsen. Die Kriminalitätsrate unter den Straßenkindern ist sehr hoch. Sie bekommen aufgrund der fehlenden Papiere keinen Cent vom Staat und sind somit auf Diebstähle angewiesen. Auf der anderen Seite werden viele der Kinder selbst Opfer von Gewalt durch Pädophile und Menschenhändler. Nach Jahren des Wegschauens, kümmern sich mehr und mehr Projekte und soziale Einrichtungen um das Problem (die Waisenhäuser die dieses Problem mit verschuldeten, gibt es selbstredend nicht mehr – strafrechtlich Verfolgte gibt es trotzdem nicht). Der Kontakt zu den Kindern für Sozialarbeiter und andere Helfer ist schwierig. Das Vertrauen in Erwachsene haben die Jugendlichen verloren. Grund dafür sind nicht die eigenen Eltern, sondern die Bevölkerung. Hass und Ablehnung werden noch heute vielen Obdachlosen entgegengebracht, die Synonyme „Abschaum“ und „Ratten“ haben sich tief in den Sprachgebrauch der Menschen verankert, genauso wie in den Köpfen der Kinder.
Wessen Wissendurst noch nicht gelöscht ist, kann sich gerne die endlosen Berichte im Web dazu zu Gemüte führen, dort gibt es auch Adressen und Kontoverbindungen von Hilfsorganisationen.
Die grüne Oase liegt in mitten der vollflächig bebauten Innenstadt. Im Frühjahr oder Sommer sicher ein schöner Park, kurz vor November sah es hier aber eher traurig aus. Das riesige Wasserbecken war trocken gelegt, die Blätter waren braun und die akkurat angeordneten Sträucher hatten ihre Blätter auch schon abgelegt. Ein beliebtes Ausflugsziel schien es trotzdem zu sein. Eine große Männer-Runde spielte Dame, Familien besuchten den kleinen Zoo oder fütterten die Tauben nur die unzähligen Bänke waren verwiesen, dafür war es einfach zu kalt! Wir streunerten nach einem Bier wieder durch die Straßen. Nach dem wir, zumindest von außen, dem National Museum einen Besuch abstatteten, waren wir genug gelaufen und landeten nach über fünf Stunden wieder im Zimmer und packten schon unserer sieben Sachen zusammen.
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Steaua Bucuresti – Dinamo Bucuresti
31.10., Liga 1, Arena Națională

Ich nehme es vorweg, das Spiel endete 3-0 für die Hausherren! Ich finde nachher sicher keine glückliche(re) Kurve von den Geschehnissen auf den Rängen hin auf das Spielfeld!
Unsere Füße mussten nochmal 6 Kilometer zurück legen. Bis kurz vorm Stadion war wenig von einem anstehenden Fußballspiel zu spüren, nur gelegentlich kreuzten mal kleine Gruppen unseren Weg. Das Bild änderte sich nun aber schlagartig. Aus allen Gassen kamen die Leute, die Linienbusse spuckten immer weiter Fans aus und die Autos parkten kreuz und quer. Sehr positiv fiel die geringe Polizeipräsenz auf, nur an den Straßensperren standen einige Cops mit ihren Mopeds.
Für einen Neubau (2011 eröffnet) ist das Stadion recht gelungen und wirkt nicht so leblos wie einige seiner Kollegen. Auch von innen konnte mich das zweitrangige und 55.600 fassende Oval überzeugen. Einzig die rot-gelben Stühle waren etwas gewöhnungsbedürftig und könnten meinetwegen gerne nach den nächsten Ausschreitungen durch andere Sitze ersetzt werden. Mit unserer Ankunft gegen 19.30 Uhr und somit eine Stunde vor dem Spiel, wechselten die beiden schon vollständig gefüllten Kurven die ersten Gesänge aus. Selbst die beiden Geraden stiegen schon jetzt immer wieder mit in die Gesänge der „Nord“ ein. Dinamo füllte den Gästeblock mit ungefähr 8.000 Anhängern und stand der vorgelegten Lautstärke kaum nach. Bis 20.30 Uhr bevölkerten etwas mehr als 38.000 Zuschauer das Stadion.
Beide Seiten läuteten das Derby mit optischen Leckerbissen ein. Die Gäste entrollten über beide Ränge eine weiße Blockfahne mit Abbildung von Charlie Chaplin, kleinen Flächen links und rechts vervollständigten weiße Pappen das Gesamtbild. Die dazugehörigen Spruchbänder erschließen sich mir trotz Übersetzung nicht vollständig. „Der Stummfilm von unserem Auftritt endet – Stadien-Helden leben das Leben bis ins unendliche“ – ich denke, dass damit der Übergang in ein fanatisches Derby und den zweiten Teil der Choreo eingeleitet werden sollte. Wäre natürlich cooler gekommen, hätten sie dann auch vor dem Spiel den Mund gehalten. Dazu wurden nachverschwinden der Fahne mehrere tausend kleine Fähnchen geschwungen und dazu duzend Bengalos entzündet. Passend dazu erreichte der Block das erste mal seine maximale Lautstärke und es schallte mehrmals das „Dinamo“ durch das Stadion. Die Ultra-Szene von Steaua geht seit einiger Zeit getrennte Wege. Während auf der Gegengerade, direkt neben dem Gästeblock, rund 1.500 Ultras der Süd stehen, nahm die Nord gegenüber dem Gästeblockes mit ca. 4-5.000 Menschen Platz. Hier wurden zum Einlauf kurzeitig Luftballons im blau-weißen Streifenmuster hochgehalten, ehe Rauch in den Vereinsfarben die Tribüne komplett einnebelte und später noch 20 Fackeln das Gesamtbild abrundete. Dazu gab es ebenfalls ein zweiteiliges Spruchband, welches aber zu schnell vom Rauch verdeckt wurde. Auch die Gegengerade hatte etwas vorbereitet und wedelte nach fünf gespielten Minuten mit Fahnen in blau-gelb-rot, allerdings fiel die Aktion den immer noch dichten Rauchwolken des Spielbeginns zum Opfer.
Wie vermutet hatte Dinamo akustisch die Nase weit vorne. Gegen die Wand hatte die geteilte Szene vom Gastgeber keine Chance. Zwar wurde der Support der Gäste immer wieder durch kleinere Pausen unterbrochen. Nach kurzer Regeneration, beteiligte sich aber prompt wieder der komplette Block an den Gesängen. Gerade die Klatscheinlagen ließen keine Wünsche offen und erreichten immer wieder eine enorme Lautstärke. Optisch hielt sich der Block bedeckt, nur wenige Schwenk- (abgesehen der vom Einlauf) und Zaunfahnen waren im Block verteilt. Ebenso beteiligten sich nur wenige an den zwei Schalparaden und dem Hüpfeinlagen, dass ist jetzt aber wirklich meckern auf hohem Niveau. Auch bei Dinamo scheint ein Bruch in der Fanlandschaft zu bestehen. Während der überwiegende Teil im Unterrang direkt hinter dem Tor stand, spulten etwa 100 Jungs abseits und von den Normalos isoliert ihr eigenes Programm ab. Im zweiten Rang schienen dazu noch eine Gruppe ältere Krieger zu stehen, welche auch bei zu langen Pausen das Zepter in die Hand nahmen und die Leute neu motivierten. Zudem zündeten sie in regelmäßigen Abständen Bengalos und zeigten haufenweise Spruchbänder. Spruchbänder scheinen hier eine Sache für sich zu sein, so zeigten die drei Blöcke (2x Steaua, 1x Dinamo) insgesamt 46(!) Spruchbänder. Es sei mir an dieser Stelle verziehen, dass ich nicht versuche alle wiederzugeben!? Im Verlauf der zweiten Halbzeit feierte die Gruppe Panzer ihr zehnjähriges bestehen mit einer liebevoll gestalteten Blockfahne und zwei Bändern samt Jahreszahlen, die diese einrahmten.
Steaua´s Supportstil war deutlich kreativer und ausdauernder, aber in ihrer Kurve beteiligten sich zu wenig Leute intensiv, als dass sie Dinamo dauerhaft hätten die Stirn bieten können. Viele der Kurvengänger, im Block der Nord, sangen nur einmal das vorgegebene Lied enthusiastisch mit und verfielen dann schnell dem lethargischen Zustand des restlichen Publikums (abgesehen von 4-5 Gesänge die wirklich von allen Steaua-Fans getragen wurde). Klingt jetzt wahrscheinlich schlechter als es war. 2-3.000 Leute unterstützten permanent ihr Team und gerade die Hüpfeinlagen sahen nicht nur gut aus, sondern das Liedgut konnte für die Masse eine gute Lautstärke erreichen. Untermalt wurden die Gesänge von einigen Schwenken. Mit dem Beginn der zweiten Halbzeit, wurde auch hier ein Jubiläum gefeiert. Die Gruppe Combat feierte ihr 5. Jahr. Die dazugehörige Blockfahne gestaltete sich zwar auch als sehr gut gemalt, der Inhalt war an Armut jedoch nur schwer zu übertreffen. Ein riesiger Panzer, über dem ein gut 6-7 Meter großes Keltenkreuz prangte, kam zum Vorschein. Somit retteten einige Fackeln Choreographie, in dem der Rauch das Gesamtbild bald verschwinden ließ – Hehe!
Die Süd auf der Gegengerade legte auch eine flotte Sohle auf das Parkett und war fast durchgängig am supporten, legte allerdings wieder mehr Wert auf einfache und kurze Schlachtrufe. Auch optisch passte das Bild. Viele kleine Zaunfahnen am Wall und dahinter drängten sich die Jungs in schwarze. Es war also keine große Überraschung, dass sie sich abseits der gesanglichen Unterstützung noch anderwärtig austobten. Gleich mehrfach krachte es mit den Cops, welche dabei auch aus dem Weg geräumt wurden und somit einzelne Leute schon im Innenraum standen, dann aber noch von den Ordnern aufgehalten wurden. Außerdem tauschten sie mit dem Gästeblock fleißig Knaller und Bengalos aus. Der fliegende Wechsel fand im ersten Durchgang seinen Höhepunkt, als der Mob einige Dinamo-Klamotten dem Flammentod übergab.
Auch die Spieler, allem voran der Keeper der Sterne, sah sich einem Hagel aus PVC-Stangen und La Bombas ausgesetzt. So sah es zwischenzeitlich recht witzig in seinem 16er aus. Weniger lustig war dann der 36., oder auch 49. Böller der in seiner Nähe landete und er diesmal nicht schnell genug Entdeckung gehen konnte. Wie angeschossen sackte er in sich zusammen und wurde einige Minuten behandelt, konnte aber weiter spielen. Aber auch die Spieler ließen sich immer wieder von der Atmosphäre anstecken und pöbelten fleißig bei Ecken oder anderen Aktionen in Richtung der Fans. Den Vogel schoss dann der Torwart von Dinamo ab, der mit Schwenkfahne vor den Ultras der Süd (trotz Niederlage) freudig auf und ab rannte und somit den nächsten Krawall zwischen Behelmten und Fans auslöste, an welchen Ende wieder einige Typen im Innenraum standen und den Torwart an die Wäsche wollten. Nach dem Spiel wurden beide Seiten lange von ihren Fans bedankt und auch die Spieler bedankten sich lange bei den Fans für die Unterstützung. Hätte nicht das Endergebnis an der Anzeigetafel gestanden, hätte ich vermutet, das Derby ging in einem umkämpften Spiel mit 4-4 aus.

Steaua-Kurve beim Einlauf, Foto II
Gästeblock zum Einlauf, Foto II, Foto III
… und die Choreo von der Süd
Schalparade der Gäste
5 Jahres Choreo mit Pyro, Foto II
10 Jahres Choreo im Gästeblock
Strafraum des Steaua-Keeper, Fotos II
Süd während des Spiels, Foto II
Provokation nach dem Spiel

Nach dem wir uns drei Stunden erholen konnten, liefen wir die Strecke wieder zurück und begoßen die erfolgreiche Tour! Der Abend, bzw die Nacht fand dann im Club „El Dictador“ mit reichlich Bier und netten Balkan-Beats vom Hitler-Skelett seinen absoluten Höhepunkt. Gegen vier Uhr trennten sich die Wege, der erste Flieger rief. Nach kurzer Verabschiedung (in weniger als 12 Stunden sollten wir uns in der Kurve wiedersehen) feierte wir zu zweit noch etwas im Oldie-Pub weiter und landeten, nach einem Abstecher am Platz der Revolution (bei dem Namen hätte ich es mir nicht verziehen können, den Platz nicht besucht zu haben) irgendwann in unseren Betten…
… und schafften es trotzdem, unseren anvisierten Bus noch vor dem neunten Glockenschlag zu erreichen. Schnell die letzten Postkarten geschrieben und die Sachen so aufgeteilt, dass die Rucksäcke auch als Handgepäck durchgingen, schließlich musste es nach der Landung schnell gehen. Flug logisch im Reich der Träume verbracht, wartete in Berlin schon die Mama inklusive Auto. Mit 180 Sachen ging es über die A9 nach Leipzig. Alles rasen brachte nicht viel (abgesehen von einem leeren Tank, der nochmal bittere fünf Minute kostete) und ich erreichte erst zur 40. Minuten das Bruno-Plache-Stadion. Atmosphäre herrschte hier mal wieder nur in der Kurve. So sprangen die fast üblichen 40-50 Gesichter für den Club auf und ab, während der die restlichen 2.200 Zuschauer stumm den Gekicke auf dem Rasen verfolgten. Die Mannschaft vergeigte auch dieses Spiel wieder und stellt nun langsam Weichen auf ein weiteres Jahr Oberliga. Nach dem Spiel ging es wieder zurück nach Potsdam.