Balkan-Trip mit Fußball, Bestechung und viel Natur

Spiele: Sparta Praha – Banik Ostrava, NK Imotski – NK Pomorac Kostrena, NK Siroki Brijeg – NK Vitez, FK Buducnost – FK Rudar, FK Tirana – FK Apolonia, FK Lovcen Cetinje – FK Buducnost, Sinđelić Beograd – Proleter Novi Sad, Crvena Zvezda – Spartak Subotiva

Es wurde viel geplant. Länder verworfen, Ideen ins Spiel gebracht und doch nochmal alles verschoben. Am Ende einigten wir uns auf das Hauptziel Montenegro, inkl. einer entspannten Hinfahrt über zwei Tage und einer ebenso entspannten Rückfahrt (hier machte uns allerdings, eine Woche vor der Reise der Fußballclub einen Strich durch die Rechnung). Die liebe Freundin gewährte volle Entfaltung bei der Anreise, wollte nur den Nationalpark Krka besichtigen. Den Gedanken wurde freien Lauf gelassen und eine Woche bevor der Startschuss fallen sollte, stand die Route inkl. Übernachtungen fest.

15.08. – 14 Uhr hieß es „Tschüss Arbeit“ und mit dem Rad ging es durch den Sommerregen heeme. Dort schnell die letzten zwei, drei Sachen gepackt, die Jeans gegen die Jogginghose getauscht und mit der Dame an der Hand zum Auto gelaufen. Das erste Ziel war Prag. Somit führte uns der Weg über Dresden (Kuriosität eins: ein Cabrio-Trabant aus Holland!!!) in die goldene Stadt (Kuriosität zwei: keine 5 km vor dem Stadion tauchte ein Leipziger mit dem Numernschild L-OK XXX vor uns auf, noch einer der den Pokal schwänzte). Rund zwei Stunden vor dem Spiel erreichten wir das Stadion und gönnten uns einen Parkplatz für 2€ in direkter Nähe.

Sparta Praha – Banik Ostrava
15.08., 1. Ceska fotbalova liga, Stadion Letná

Der Hubschrauber drehte am blauen Himmel seine Runden, die Pferde wurden von vermummten Cops geführt und überall heulten Sirenen auf… jup, heute gab sich Banik in der Hauptstadt die Ehre. Schon jetzt waren die Straßen ungewöhnlich voll und jugendliche Gruppen schauten nach dem rechten. Wir hingegen hielten Ausschau nach etwas Essbaren, gaben aber bald auf und verschoben die Nahrungsaufnahme ins Stadion. Die Pforten waren aber noch verschlossen und wir drehten eine Runde um die anliegenden Blöcke. Hinterm Heimblock begrüßte uns ein Pubertärer-Sprößling mit einem „Heil Hitler“. Ob es nun Anerkennung für unsere Herkunft (Sehen wir so deutsch aus?), oder Ablehnung aufgrund meines Urlaubsbartes war, wussten wir nicht, hatten dafür aber auch nur ein müdes Lächeln über. Während wir uns am Kiosk ein Bier´chen genehmigten, wurden die Gäste mit mehreren Shuttelbussen (trotz Freitagabend-Spiel wurde die Reise mit Zug angetreten) unter den strengen Augen der Staatsmacht zum Gästeblock gebracht. Eine Handvoll Kamikaze-Hools von Sparta versuchte sich in einem Angriff, fanden sich aber bald auf den Straßen der tschechischen Hauptstadt wieder, mit dem Knie eines Staatsdieners im Genick.
Im Stadion verzerrten wir zwei Klobasa und die Gäste starteten bald mit der Vorstellung. Es wurde munter über jegliche Absperrungen geklettert und somit beide Blöcke im Oberrang optimal ausgenutzt. 20 Minuten vor dem Spiel waren fast alle Gäste (inkl. Freunde aus Katowice) drin und begannen mit den ersten Gesängen. Schon jetzt stimmten sich die 700-800 Gäste geschlossenen auf das Spiel ein. Kaum einer, der nicht die angestimmten Gesänge zum Besten gab. Zum Einlauf entledigte sich der Großteil des Blocks ihrer weißen-Motto-Shirts (Aktion in Prag – oder so ähnlich, wurden schon bei Slavia und Dukla getragen) und streckte diese in den Himmel. Die Gegenseite präsentierte ihre Schals und zeigte zumindest kurz, welche Lautstärke sie erreichen können. Leider hielten sie diese nicht lange und übergaben damit schnell den Gästen aus Ost-Tschechien wieder die Oberhand. Auch die Spieler in den weißen Trikots erwischten einen guten Tag und erzielten nach fünf Minuten das 1-0 für Banik! Aus der Ecke des Gästeblockes knallte und zischte es nun, einige La Bomba und kleine Raketen explodierten im und vor dem Block. Die nächsten Minuten waren (überraschenderweise) die stärksten der Gäste. Nach 30 gespielten Minuten verflachte die Unterstützung etwas. Zwar machten weiterhin alle Gäste mit, aber die Lautstärke konnte nicht mehr gehalten werden. Während der ersten 45 Minuten führten die Ultras von Sparta eine Choreo durch. Zusehen gab es Pappen in den Vereinswappen und ein Homophobe-Blockfahne, samt Spruchband („Drei Farben sind genug für eine Liebe“). Der unorganisierte Einsatz von Pyro zerstörte wenigstens das Gesamtbild ein bisschen. Das restliche Publikum honorierte die Aktion übrigens mit ausdauerndem Beifall – gruselig!
Im zweiten Durchgang startete der Heimblock deutlich besser, Vielfalt blieb aber weiterhin auf der Strecke. Deutlich vielseitiger waren die Gesänge von Ostrava zwar auch nicht, aber mehr als drei Schlachtrufe hatten diese alle male im Gepäck. Nach 60 Minuten vermummten sich mehr und mehr Ultras im Heimbereich mit verschiedenen Sturmhauben. Kurze Zeit später erhellte der Block im Schein von 15-20 Fackeln. Nachdem alle Fackeln erloschen waren, wurden einige Blinker entzündet und wirkten im Rauch der Fackeln gleich doppelt imposant. In der verbleibenden Spielzeit leuchteten immer wieder einzelne Fackeln auf, welche bis zum Schluss in der Hand gehalten wurden. So dünn die Aktion im ersten Durchgang auch war, so gelungen wirkte nun die optische Unterstützung mit Pyro, Fahnen und vielen Klatscheinlagen. Im Gästeblock war weiterhin gut Betrieb. Nur kurzzeitig kamen die Gesänge zum erliegen; als nach Wiederanpfiff sich der Block leerte (keine Ahnung ob es Probleme mit der Polizei oder dem Ordnungsdienst kam) sowie bei dem Entrollen eines Spruchbandes und bei der Durchführung einer Choreographie. Das Spruchband verdeutlichte nochmal die Abneigung gegen ganz Prag, während sich die zweigeteilte Choreo mit Miroslav Pelta (Präsident des tschechischen Fußballverbands) beschäftigte. So wurde zuerst auf zwei Folienbahnen verkündet, dass die Laune des Königs, das Volk leiden lässt. Wenig später wurden zwei Blockfahnen gezeigt. Im Oberrang wurde Herr Pelta mit Krone abgebildet, im Unterrang stand der Name „Král Jeliman“ (kranker Affe und selbsternannter König des Dschungels im Film Madagaskar). Nachdem die Fahnen verschwunden waren, legten sich die mitgereisten Anhänger noch einmal ins Zeug und konnten nach 95 Minuten mit der Mannschaft die drei Punkte ausgiebig feiern. Während im und am Gästeblock also beste Stimmung herrschte, waren sich die Zuschauer bei Sparta nicht ganz einig über die gebotene Leistung ihrer Spieler. Während es vor allem im Unterrang aufmunternden Applaus gab, segelten den Spielern aus den Oberrang nicht nur böse Töne entgegen, sondern auch mehrere Bierbecher.

Banik-Fans zum Einlauf
Sparta-Block mit Armeinsatz
Homophobe-Choreo bei Sparta
Einklatschein im Gästeblock
Pyro im Heimsektor
Choreo von Banik

Für uns begann nun die längste Strecke der Tour. Etwas mehr als 1.000 Kilometer warteten noch auf mich hinter dem Lenkrad. Der Weg durch Tschechien war kein Problem, die Straßen waren fast wie leer gefegt. Selbst als wir bei Jihlava auf die Landstraße wechselten, gingen die Kilometer ohne Probleme ins Land. In Znojmo herrschte hingegen noch reger Betrieb, allerdings auf den Bordsteigen. Allerhand partyhungriges Volk säumte den Fußweg. Vor der Grenze waren es dann vor allem dicke Geschäftsautos aus Österreich, welche aus Hinterhöfen mit roter Leuchtreklame fuhren… sicher ein wichtiger Termin zum besseren Miteinander mit den Nachbarn im Osten. Ab Wien wurden die Straßen nun richtig voll, wohlgemerkt um 3 Uhr nachts. Grund dafür waren aber nicht die Frühaufsteher, sonder allerhand Urlauber! Ganz vorne dabei waren die Tschechen. Zwei von drei Kisten hatte „CZ“ auf den Nummernschild zu stehen. Was für Otto und Klaus aus Sachsen die Ostsee ist, oder für Max und Stefan Malle, scheint für den Tschechen die Adria zu sein. In Slowenien lösten wir für 15€ die teuerste Vignette des Urlaubs, blöd nur, dass uns das Navi (ja ja, echte Helden reisen ohne und so…) keine 30 km später von der Autobahn lotste und es fortan über kleine Landstraßen nach Kroatien ging. Eine davon sperrten zwei Ordnungshüter im übelsten Nebel nur mit zwei Taschenlampen ab… fast wären wir Bonnie und Clyd gewesen, aber eben nur fast und ich fand noch rechtzeitig die Bremse und den richtigen Feldweg an ihnen vorbei. Von den schönen Landschaften und Wäldern bekamen wir erst kurz vorm Grenzübertritt etwas mit, da sich erst jetzt die Sonne ihren Weg durch die Nebelfelder bahnte. Nach 20-30 Minuten warten, waren wir an der Reihe. Wie der Papa versprach, änderte sich nach dem Sveti-Rok-Tunnel das Wetter von „mh, echt mau“ zu „geil, so darf es gerne bleiben“. Nach einigen kleineren Staus (erstes schönes Adria-Panorama + Hinweis auf Fotoverbot und es verkeilten sich gleich dreimal gut ein dutzend Autos in einander… ich werfe einfach mal die Vermutung in den Raum, dass sich hier jemand nicht zu 100 % an das Verbot gehalten hat – wie gesagt, reine Spekulation!) hatten wir es geschafft und die Stadt Sibenik und der Nationalpark Krka waren ausgewiesen. Also den nächsten Rastplatz angesteuert und Jogger gegen Badehose getauscht und ab zum Ziel.

16.08. – Hier fielen wir das erste und letzte mal auf eine Touri-Falle rein und nutzten für 4€ einen Parkplatz, anstatt die gratis Version 200 Meter Stadteinwärts zu nutzen. Mit dem Rucksack ging es durch das kleine Dorf Skradin. Die zwei, drei Gassen sind recht sympathisch, kleine Pizzabäcker, ein Café, ein paar kleine Restaurants und rund 700 Einschusslöcher in den Fassaden der zum Teil leer stehenden Ruinen. Zweifelsohne leben die Leute hier vom Tourismus des Krka Nationalparks und den Drehorten der von Karl Mey verfilmten Romane von Winnetou (na gut, dass wissen vielleicht nicht alle). Der Park ist etwas mehr als 100 km² groß und zieht vor allem durch seine Wasserfälle Mengen an Besucher an. http://fs1.directupload.net/images/141216/6agnafqa.jpg Natürlich hat das Gebiet deutlich mehr zu bieten als diese, zum Beispiel über 200 Tierarten und Unmengen an Pflanzen. Das Zusammenspiel zwischen hochragenden Felsen, Wäldern und türkisblauem Wasser hätte selbst bei voller Ausnutzung unser Speicherkarte, nicht annähernd das Wiedergegeben können, wie es live aussah. Einfach unbeschreiblich schön dieser Ort und absolut empfehlenswert für jeden Naturfreund. Von dieser Schönheit waren die Menschen schon vor 8.000 Jahren beeindruckt und bevölkerten, laut Ausgrabungen, diese Gegend:). Wir nahmen einen Wanderpfad zum Skradinski Buk (über 40 m hoher Wasserfall auf weit über einem Dutzend Stufen) und nutzten keines der vielen Boote, welche direkt zu den Wasserfällen fuhren. Nach nicht mal einer Stunde erreichten wir den kostenpflichtigen Eingang (15€, inkl. Benutzung erwähnten Bootes zur An- und Abfahrt). Hier war schon gegen 12 Uhr der Teufel los und die Boote brachten unzählige Besucher zum Ziel. Sicherlich nicht besonders idyllisch, aber während der Hauptsaison nicht überraschend. Nach dem wir uns durch die Massen drängten und am obersten Ende, bzw. am Anfang des Wasserfalls etwas zur Ruhe kamen, wollten auch wir uns in den Fluss stürzen. http://fs2.directupload.net/images/141216/kbzkwjoo.jpg Schnell einer allein gelassene Mama unseren Rucksack anvertraut und ab ging es. Fuck, schon beim ersten Tritt nahm sich ein fieser Felsen meinen rechten Fuß etwas genauer vor. Der Spaß hielt sich somit in Grenzen. Zurück am Land blutete der lädierte Fuß doch stärker als erwartet! Also wurde er provisorisch verbunden und früher als geplant den Park mit dem Boot verlassen. Einen Abstecher über eine alte Ruine im Ausgangsdorf ließ ich mir aber dennoch nicht nehmen. Danach wurde ohne Umwege das Nachtlager in Imotski angesteuert.
Die letzten 140 Kilometer des Tages waren, wie ein Großteil der Strecke in Kroatien, sehr sehenswert. Berge, Täler und die Adria reihten sich nahtlos aneinander. Nach der Autobahn führte uns eine kurvenreiche Landstraße zum Ziel. Habe ich schon erwähnt, dass die Landschaft hier der Wahnsinn ist? Leider war am besagten Ziel nichts von einer Unterkunft zu sehen. Eine Gruppe fußballspielender Männer half uns gerne weiter, wir sollten einfach einen ihrer Autos folgen. Nette Geste, handelte es sich doch um gut 5 Kilometer. Die Unterkunft war zwar deutlich weiter weg vom Schuss als erwartet, aber sonst super. Der Rucksack wurde in die Ecke geworfen und nachgeschaut, was der Fuß macht. Das Blut floss immer noch, bzw. spritzte rhythmisch im Takt des Herz. Arzt, oder noch einmal Selbstverarztung?! Klappte ja eben schon so gut! Also nochmal ein Taschentuch draufgedrückt, die alte Binde etwas fester gezogen und für Fußball statt Arzt entschieden. Die Zeit für die durchaus sehenswerte Stadt, bzw. deren Seen (bis zu 250 (!) Meter tiefe Krater in Felsen) ging leider für meine Flickarbeiten drauf.

NK Imotski – NK Pomorac Kostrena
16.08., Druga Hrvatska Nogometn Liga, Stadion Gospin-Dolac

Mit einem Zeitpolster von 40 Minuten wieder den Golf bestiegen und die (sehr kleine) Innenstadt angefahren. Hier liegen schließlich auch die Seen und an einem sollte das Stadion kleben. Nach dem 4-5 Einheimische gar nichts von einem Stadion in ihrer Stadt wussten (das Stadion wird als touristisches Highlight aufgeführt), konnte uns eine Dame wenigstens die ungefähren Richtung sagen. Eine Gruppe junger und fußallinteressierter Männer im Hajduk Split-Trikot versuchte ihr bestes, konnte uns aber auch nicht den genauen Weg beschreiben. Als ich pünktlich zum Anpfiff das 27.mal das Auto wendete und entnervt aufgeben wollte, wies uns ein ca. 10 × 20 cm großes Schild den Weg zur Festung Topana und zum daran befindlichen Stadion. Nochmal bei einem Papa samt seiner zwei Sprösslinge vergewisserte ob der eingeschlagene Weg der richtige sei, ging es mit den Dreien samt kurzem Smalltalk direkt zu den Kassen.
Nicht ganz 2€ wurden von uns verlangt und mit 4-5 Minuten Verspätung konnten wir dem rollenden Leder zu schauen. Um es vorweg zu nehmen, es war mit (weitem) Abstand das schlechteste Spiel während unserer Fahrt. Was die 22 Akteure, allen voran die Gäste, auf dem Rasen darboten war ganz finstere Fußballkunst. NK Imotski hätte schon zum Pausentee eine ruhige Kugel schieben können, stellte sich aber ähnlich blind bei der Chancenverwertung an, wie die Spieler der Gäste beim Spielaufbau. Im zweiten Durchgang gelang den Hausherren doch noch zwei Treffer und sie konnten den verdienten Sieg feiern.
Das Stadion war im Gegenteil zum Spiel eine Augenweide und damit untertreibe ich höchstens noch. Die Haupttribüne liegt direkt unter der Festung aus dem Mittelalter und ist in einem Fels eingearbeitet. Während eine Kurve mit Sitzen und Stufen ausgebaut ist, ragt auf der anderen Seite ein riesiger Felsberg hinter dem Tor empor. Die Gegengerade war unbebaut, da auch hier steinige Erderhebungen waren, auf welche mehrere Häuser standen, von denen auch das Spiel verfolgt wurde. Selbst auf dem alten Mauern der Festung, weit über dem Spielfeld, lungerten einige Sparfüchse herum. Abgesehen von den dutzenden Schwarz-Konsumenten, schauten sich auch rund 400 zahlende Zuschauer das Treiben auf dem Platz an. Auf den Rängen war es die meiste Zeit über ruhig, davon machten sich auch zwei Dorf-Sheriffs ein Bild und schauten sich bei der Gelegenheit das Spiel mit ihren Kumpels auf der Tribüne an. Nur nach dem 1-0 explodiert ein Knaller. Zum Einschreiten genötigt, fühlten sich die Ordner und Cops, aber erst als fünf Personen sich überschwänglich beim 2-0 freuten und auf die Absperrung kletterten.

Geiles Stadion!!!

Wie schon vor dieser fußballerischen Offenbarung ließen wir die weiteren Sehenswürdigkeiten der Stadt links liegen und nach einem Stopp am Konsum, fanden wir uns schnell an unserer Unterkunft wieder. Hier wartete der Jungspund an der Rezeption noch auf uns mit einem Kracher in Form eines Bildes mit rauchenden Bock… haha, lange nicht mehr so gelacht – Nacht!

17.08. – Der Schlaf tat gut, genauso wie das Frühstück (da war alles bei, was dem Fleischesser gefällt) und so verließen wir ausgeruht und gut gestärkt unser kurzzeitiges Domizil. Vor der Tür wartete das Tageshoch für die Freundin: ein dutzend Gänse. Die waren allerdings weniger begeistert von uns und kamen wild gackernd auf uns zu. Macht nur, ihr liegt sicher schon bei den nächsten Gästen auf den Frühstückstellern. Kaum auf der Straße standen wir vor dem kroatischen Grenzübergang. Morgens 9 Uhr war die Schlange noch erträglich und fünf Minuten später hatten wir zum ersten mal in unserem Leben herzegowinischen Boden unter den Füßen. Navi und Straßenbeschilderung waren sich schon an der ersten Kreuzung nicht mehr einig und wir schenkten fortan der Beschilderung volles Vertrauen. Hatte sich (zumindest für mich) gleich gelohnt und an der nächsten Gabelung war die Spielstätte von NK Posušje ausgeschildert. Nach einem kurzen Stopp und kurzer Inspektion des Stadions (innen neu, außen Müllhalde) fuhren wir über Široki Brijeg (hier ließen wir uns noch das abendliche Spiel bestätigen) weiter nach Mostar. Als wir talabwärts fuhren, zeigte sich dann, zwischen all den halbhohen Bergen, das erste mal die Stadt. Ein paar Platten ragten in den Himmel, aber es gab auch viele kleine Häuser mit roten Dächern und viel grün in der Umgebung. Natürlich wurde nicht lange gefackelt und zum ersten Fotoshooting rechts rangefahren… und gleich über die erste inoffizielle Abfalllagerstelle gestolpert.
Erste Anlaufstelle war natürlich das Hostel, welches aber warten musste. Grund war wieder ein Verkehrszeichen, das ein Oval abgebildet hatte. Das Stadion von Zrinjski Mostar hört auf den Namen Bijeli Brijeg und fast 20.000 Zuschauer. Nettes Teil, besitzt zwar nur eine (wirklich) große Tribüne und eine kleine Gegengerade, aber der große Koloss macht optisch einiges her. Ob es die Gäste ähnlich gut finden wage ich zu bezweifeln. Schließlich ist deren Block ganz oben in der letzten Ecke der Tribüne. Noch schnell 1-2 gute Graffitis bestaunt, bevor wieder die Fährte zur Nachtstätte aufgenommen wurde.
Schon bei der kurzen Fahrt durch die belebten Straßen in Richtung Innenstadt, waren die Spuren vom Krieg nicht zu übersehen. Immer wieder tauchten zwischen sanierten und bewohnten Häusern Ruinen auf. Einschusslöcher und weg gesprengte Gebäudeteile lassen den Auswärtigen nur erahnen, was hier für ein erbitterter Kampf getobt haben muss. Ein Krieg, der nicht nur tausenden junger Männer in Uniformen das Leben kostete, sondern bei dem auch abertausend Zivilisten ethnischen Säuberungen zum Opfer fielen. Auf ein richtig oder falsch, will bzw. kann ich gar nicht eingehen… Krieg ist Scheiße, Basta! Bei zwei losen Gesprächen in den folgenden Tagen erklärte uns sowohl ein Bosnier, als auch ein Montenegriner, dass die Spaltung von Jugoslawien für alle beteiligten Länder (ihrer Meinung nach) nur Nachteile brachte und immer noch bringt (Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Abwanderung). Natürlich sind das keine repräsentativen Aussagen, interessant zu hören aber alle male. Genug vom Jugoslawien-Konflikt haben die Länder doch mehr zu bieten als Schlachten und Massaker!
So auch Mostar! Nachdem unsere Sachen im netten Hostel direkt in der Innenstadt abgelegt waren, nahmen wir uns selbige gleich zur Brust. Nach einigen Metern durch eine typische europäische Innenstadt (nur halt mit dutzenden Einschusslöchern in den Boutiquen), wechselte sich abrupt das Bild. So ist die Altstadt sehr von den Osmanen geprägt. Es gibt mehrere Moscheen, die Straßen werden zu kleinen Gassen und die 0815-Häuser machen Platz für verwinkelte Läden. Außerdem wich der graue Beton nun Naturstein in verschiedensten Größen und fand sich an Hauswänden und auf den Wegen wieder! Natürlich empfanden nicht nur wir die Gegend als durchaus attraktiv, sonder auch Massen an Touristen. Unglaublich, wie viele Menschen die kleinen Gassen aufnehmen konnten. http://fs1.directupload.net/images/141216/xmaixh4g.jpg Und das Wahrzeichen der Stadt lag noch vor uns – die „Stari most“. Die „Alte Brücke“ kennt wahrscheinlich jeder von irgendwelchen Bildern oder vom Opa der angeblich schon in den 60er Jahren von ihr runter gesprungen ist! Dass die Brücke durchaus von einigen Waghalsigen als Sprungturm genutzt wird, konnten wir selbst beobachten. Nachdem das Basecap mit genügend Kleingeld gefüllt war, sprang der Kollege elegant ins kalte Nass! Aber auch ohne den Verrückten kam die Brücke gut an und es war gar nicht so leicht diese und damit den Fluss Neretva zu überqueren. Denn nicht nur die vielen Besucher machten ein Durchkommen schwierig, sondern vor allem die rund abgelaufenen Steine sorgten für glatte Verhältnisse im Sommer. Nach dem auch unsere Kamera das gleiche Bild gemacht hatte, wie die 3.467 Artgenossen heute vorher, genehmigten wir uns ein Eis und chillten unterhalb der Brücke am Wasser. Hier ließ es sich Leben. Alles ein wenig gesittigter, ruhiger und nicht so überlaufen. Ein Bein konnte im sauberen Wasser baumeln und der Rest des Körpers in der Sonne brutzeln. Die Aussicht ist wieder nur mit dem Wort „Wahnsinn“ (beinhaltet hier: Sonne, blauer Himmel, helle Fassaden, türkisblauer Fluss, Felsen, kein Stück Müll) zu beschreiben. Ok ich will nicht übertreiben, ein Bier hätte diesen Moment vollkommen gemacht, aber das verpasste ich irgendwie. Nur schwer konnten wir uns von den harten Felsen lösen, aber der Magen verlangte Nahrung. Nach meinem ersten Kontakt mit Cevapcici (geil), widmenten wir uns der anderen Seite des Neretva. Neben der gelben Universität, fielen hier vor allem die vielen Ruinen auf. Eingezäunt, „Betreten verboten“…Blindgänger und Einsturzgefahr verhindern eine „schnelle“ Räumung der 20 Jahre alten Kriegsschäden. In den alten Gebäuden ragten die Bäume und Sträucher aus den Fenstern, Türen und gesprengten Wänden.http://fs1.directupload.net/images/141216/88d6mjz2.jpg
Wir beratschlagten nun, wie wir den Nachmittag weiter nutzen wollten. Ich hatte zum einen ein Spiel in der zweithöchsten Spielklasse ins Visier genommen, genauso wie den Buna, dieser entspringt aus einer Felsenhöhle. Beides war nur schwer zu verbinden. Wir versuchten es dennoch. Der Sportplatz von Branitelj erwartete uns keine 5 Kilometer vor Mostar und war… verwiesen. Hatte für uns den Vorteil, dass wir uns nicht schon am zweiten Tag total verbrannten (eine Tribüne ohne Dach, kein Baum in Sichtweite) und wir so genug Zeit hatten, um einem weiteren Naturhighlight unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. Also wieder ins Auto gesetzt, kurz ein paar Panzer, sowie weiteren Kriegskram begafft, führte uns der Weg vorbei an der kultigen Heimstätte von FK Blagaj und bald ans Ziel. http://fs1.directupload.net/images/141216/g9gp5sup.jpg Viel ist nicht davon hängen geblieben. Doch, ein Parkplatzeinweiser sah aus, wie unserer Stadionsprecher (positiv oder nicht, entscheidet selbst). Ansonsten erwarteten wir wohl etwas zu viel.http://fs2.directupload.net/images/141216/lscepugv.jpg Der Flusssprung im Fels ist schon irgendwie komisch und sieht ganz cool aus, mehr aber auch nicht. Außerdem nervte das dumme Touri-Angebot. Da waren 10 Restaurants, davon verkaufte noch die Hälfte „landestypische“ Pizza, auf einen Fleck mitten im Nichts; 20 Verkaufsbuden, welche gar den armen Ossis irgendeinen Scheiss andrehen wollte und ein Bootsverleih, für keine 100 qm befahrbare Wasserfläche. Das wirklich schlimme daran ist, dass ich es den Anbietern nicht mal übel nehmen kann. Denn die Abnehmer waren ohne zweifel da und verwandeln das Stück Natur in einen Jahrmarkt. Die riesige Felswand dahinter war schon mehr mein Ding und ich hätte diese ich nur zu gerne bestiegen, leider fehlte mir dafür jegliche Erfahrung und Kenntnis. Also wurde ein weiteres mal die Pferde gesattelt und zum Spiel:

NK Siroki Brijeg – NK Vitez
17.08., Premijer Liga, Stadion Pecara

gedüst. Die Strecke war noch vom Vormittag bekannt und wir fanden die Spielstätte (mal) ohne Probleme. Gut 45 Minuten vor dem Anstoß (20 Uhr) war hier rein gar nichts los. Hätte uns die Wirtin, der gleich besuchten Kneipe, nicht am Vormittag versichert, dass hier heute Abend gespielt wird, wären wohl wieder umgedreht. Nach einem Bier war noch nicht mehr los. Immerhin schienen jetzt die Eintrittskarten, samt Ordner eingetroffen zu sein. Also haben wir uns ehrlich gemacht, freudig verabschiedet und auf die andere Seite des Stadions begeben. Der Weg führte uns am Raum der fast 18-jährigen Ultrá-Gruppe „Skripari“ (= antikommunistischen Streitkräfte Kroatiens) vorbei. Von den anwesenden Jungs wird kaum einer zur Geburtsstunde der Gruppe ein aktiver Stadiongänger gewesen sein, geschweige denn ein Mitglied der ersten Stunde.
Für ein paar Taler bekamen wir unsere Eintrittskarte und waren fast die ersten im Stadion. Dementsprechend frei konnte ich mich im Stadion bewegen und fand mich gleich im Gästeblock wieder. Ja, hier macht das Spiel mit einem ordentlichen Haufen sicher Spaß. Auch das restliche Viereck (wer sich zu weit über die Absperrung lehnt, steht mit einem Bein schon auf dem Feld) geht in Ordnung. Mit max. 9.000 Plätze zwar ziemlich klein, aber für das Zuschaueraufkommen hierzu Lande vollkommen ausreichend. Das ganz in blau gehaltene Stadion ist auf drei Seiten bebaut, die Haupttribüne ist als einzige Überdacht.
Bis um 20 Uhr fanden sich schätzungsweise 700 Augenpaare ein, darunter keine erkennbaren Gäste. Auch der mit Zäunen abgegrenzte Block der Ultras war, bis auf 3-4 ganz junge Kerle, verwiesen. Die Ultras konnten sich wohl erst nach einigen Minuten vom Bier lösen, kamen so erst nach und nach gemächlich in den Block. Sahen aber prompt die frühe Führung ihrer Mannschaft. Der Zaun wurde mit 4 Fahnen behangen (inkl. eine kroatische Nationalfahne) und fortan mit 30 Leuten supportet. Aber wie… ich habe wirklich noch nie in meinem Leben einen so emotionslosen und gelangweilten Support gehört. Da half es auch wenig, dass die Jungs durchgängig am singen, bzw. flüstern waren. Passend dazu wurde der Block überpünktlich zur Halbzeit verlassen und erst weit nach Wiederanpfiff mit Leben (besser: Leuten) gefüllt. Der akustische Höhepunkt wurde nach dem Spiel erreicht, als der Mannschaft mit gemeinsamem Einklatschen zum verdienten 2-1 Sieg gedankt wurde. Im Gegensatz zum Gestolpere am Vortag konnten die Akteure heute durchaus fußballerisch überzeugen. Hätten die Gäste schon vor dem 2-0 aktiv mitgespielt, wäre die Partie vielleicht anders ausgegangen. So aber kamen die Gäste erst kurz vor dem Ende zum Anschlusstreffer und ließen in den verbleibenden 10 Minuten noch allerhand liegen.

Graffiti am Stadion
Haupttribüne
Kleiner Stimmungshaufen

Mit dem ersten neuen Länderpunkt des Urlaubs ging es wieder zurück nach Mostar. Hier wurde noch ein weiteres Bier verköstigt und dich bald ins Land der Träume verabschiedet.

Stadion Mostar… und Graffiti davor

18.08. – Sachen zusammen gepackt, über das ausgewogene Frühstück (Croissant und Berliner) hergefallen und ab ins Auto! 250 Kilometer waren bis zum eigentlichen Urlaubsziel noch zurück zulegen. Diese hatten es nochmal richtig in sich. Nicht, weil die Landstraße so schlecht, oder die Fahrmanöver der Eselkutschen so gefährlich waren (wer noch nicht da war: beides war nicht der Fall), sondern vielmehr, weil es eine Menge zusehen gab. Ein abartig geiler Bolzplatz hier, 4-5 verwilderte Autos da, ein kleines Dorf dort und überall obendrauf diese wahnsinnige Landschaft. http://fs2.directupload.net/images/141216/jovlnt3j.jpg http://fs2.directupload.net/images/141216/o6kzp7ui.jpg Die Fahrt war dadurch natürlich von mehreren kleinen Stopps geprägt. Ein größerer Halt folgte bei der Höhle von Vjetrenica. Hier verschlug uns die spontane Neugier, geleitet von mehreren Wegweisern, hin. Für happige 12€ Eintritt duften wir eigenständig die Tiefen der Höhle erforschen. Ausgestattet mit Helm, Lampe und Windjacke schritten wir ins dunkle. Hui – die Windjacke machte Sinn, auf den ersten hundert Metern mussten wir ganz schön gegen den Wind ankämpfen, um überhaupt vorfährst zukommen. Als der Wind aufhörte, war der Zeitpunkt gekommen auf den Boden zu achten, der war nämlich aalglatt und verführte somit zu ungewollten Rutscheinlagen. Also durchaus etwas Abenteuer. Die Höhle bietet vielen kleinen Tümpeln und ihren (hässlichen) Bewohnern Platz, hier und da tropft es von der Decke, die Beleuchtung ist dezent, der gut einstündige Rundgang war also lohnenswert. Wer hier allerdings ein ausgebautes Salzwerk wie in der Nähe von Krakow erwartet, wird enttäuscht. In den Höhlen von Vjetrenica wurden zwar Ausgrabungen von Menschen vorgenommen, aber im Großen und Ganzen wurde sie naturgetreu erhalten.
Weiter ging es durch Bosnien und Herzegowina. Ein letzter Versuch, kurz vor der Grenze, etwas einheimisches Gerstensaft für die Freunde mitzubringen, scheiterte, da die Tanken nur serbisches Bier führten. Dafür wurden nochmal einige Liter getankt. Mit 1,12€/Liter war der Tiefpreis bis zum Urlaubsende erreicht. An der Grenze diesmal auch kaum länger als 15 Minuten gestanden, nahm uns Montenegro in Empfang. http://fs2.directupload.net/images/141216/4l8dagf3.jpg Immer am Meer entlang führte uns die Straße. Auf der einen Seite die kurzen Felsplatten und das saubere Meer, auf der anderen Seite ragten die Berge bis in die Schäfchenwolken. Kurz bevor die kurvige Route nervig wurde, erreichten wir unser Ziel – Budva! Erster Eindruck: überfüllt, Touristadt, 1 Mio. Autos, leicht bekleidete Strandschönheiten und leider auch ebenso wenig bekleidete Bierbäuche. Unser Quartier für die nächsten Tage fanden wir nach anfänglichen Problemen doch noch. Eine Studentin überließ uns ihre super ausgestattete Zweiraumwohnung und verbrachte dafür die Sommermonate bei ihren Eltern im Haus.
Wir nutzten den fortgeschrittenen Nachmittag zur ersten Erkundung der Stadt. Natürlich nicht ohne das einheimische Bier zu verköstigen. Was soll ich sagen, es dauerte schon zwei Tage, bis ich mich an den sehr eigenen Geschmack gewöhnte. Nach 10-15 Minuten erreichten wir die Strandpromenade, die ihren Namen noch verdient. Was es dort nicht alles gab… halt irgendwie alles! Karussells, Restaurants, Fressbuden, gefälschte Klamotten in Hülle und Fülle, Souvenir-Shops und nebenbei noch einen total überfüllten Strand! Ich weiß nicht wann ich das letzte mal über eine Strand-Promenade gelaufen bin und ob diese früher auch schon so groß waren. Ich war auf jeden Fall etwas geplättet… dachte ich doch, die Dinger wären längst ausgestorben! Anscheinend also nicht. Nachdem wir allen Angeboten (zumindest heute) widerstehen konnten, kamen wir am Hafen an. Hier reihte sich Luxusjacht an Luxusjacht. Direkt daran begannen die Stadtmauern der Altstadt. Diese reißte dann alles wieder raus und ließ uns schnell das vorherige Bild und die Promenade (auch wenn wir diese zum Ende doch noch liebgewannen) vergessen. Zwar ist der historische Stadtkern, mit seinen edlen Läden, kleinen Restaurants und Bars, wohl nur für die im Hafen liegenden bezahlbar, aber zum Schlendern und gucken, wird auch hier keine gedeckte Kreditkarte benötigt und ist jedem Besuch wert. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Nachbildung, da ein Erdbeben die komplette Altstadt 1979 zerstörte.

19.08. – Strand! Mit der Mittagssonne verließen wir unsere einsame Felsplatte (wir zogen es vor auf Badespaß direkt in Budva zu verzichten) und widmeten den Nachmittag voll und ganz Kotor! Schon gestern passierten wir die Stadt mit dem Auto und waren beeindruckt. Liegt die kleine Stadt (25.000 Einwohner) doch in einer Bucht, umgeben von Bergen, welche die 1.500 Meter zum Teil weit überragten. Das „weite Meer“ wirkt daher mehr wie ein See. Wie überall, entlang der Küste, sind die Straßen mit Autos voll gestopft und (kostenlose) Parkplätze Mangelware. http://fs1.directupload.net/images/141216/eepfytys.jpg So dauerte es seine Zeit bis auch wir endlich einen geeigneten Parkplatz fanden und uns über das UNESCO Welt-Kultur- und Naturerbe hermachen konnten. Wie in Budva entstanden hier große Schäden durch das Erdbeben, welche in den folgenden 10 Jahren zum größten Teil wieder ausgebessert wurden, wie die fast 5.000 Meter lange Stadtmauer. Sie ragt bis auf den Berg San Giovanni. Dann mal rein ins Getümmel! Wo viele Autos sind, sind auch viele Menschen. So sah es dann aber nur auf den ersten Metern aus. Viele bevorzugten bei über 30 Grad wohl doch eher das Meer oder den Hafen und wählten einen anderen Weg. Klar, waren die kleinen Gassen hinter den Stadtmauern gut besucht, aber wir hatten es schlimmer erwartet. So liefen wir etwas unkoordiniert zwischen den alten Häusern entlang, bis wir einen Ausgangspunkt für den Aufstieg entlang der alten Steinmauer fanden. Das Geld, drei Euro, wurden Zähneknirschend übergeben, waren es aber auf jeden Fall wert. Abgesehen von der Wahnsinnsaussicht (ja ja, ich wiederhole mich), gab es bei Interesse eine kleine Kirche zu bewundern und es luden diverse Ruinen zu kleinen Klettereinlagen ein (trotz keinerlei Warnschildern und Absperrungen lagen keine Verletzten oder gar Tote in den Gemäuern… ja liebe Bürokraten und Sicherheitsfanatiker, wenn ein Loch im Boden ist, kann jeder alleine soweit denken, dass es besser ist a) umzudrehen, b) einen Bogen zu laufen, oder c) stehen zu bleiben). http://fs2.directupload.net/images/141216/vexi96lu.jpg Davon konnten sich aber bei weitem nicht alle ein Bild machen. Spätestens auf dem letzten Drittel trennte sich die Spreu von dem Weizen – Hehe! Sonne, die sehr hohe Temperatur, kaum ein schattiger Platz und eine stark in Mitleidenschaft gezogene Treppe (teilweise einfach nur Geröll) und der steile Anstieg zwangen doch einige zur Aufgabe. Die vorher noch von mir belächelten Verkäufer (2€ für 0,5 Liter Wasser) konnten sich somit nicht über fehlende Kundschaft beklagen! Auch für mich ging es das letzte Stück alleine weiter. Zeit zum Ausruhen war am Ziel nicht, schließlich wollte ich die leicht angeschlagene Dame nicht in der Sonne warten lassen. Nur schnell, wie ungefähr 200 Fußballfans vor mir, einen Aufkleber am Fahnenmast geklatscht, ein paar Bilder geschossen und wieder abwärts gelaufen. Ende vom Lied, ich war danach so durch, dass ich mir auch noch ein Wasser für 2€ leisten musste. Bier gab es zwar zum selben Preis, schien mir aber nicht die hellste Wahl zu sein.
Der Reiseführer versprach uns in kaum 10 Kilometer Entfernung eine jugoslawische Botschaft, inkl. Museum und der Möglichkeit auf einen Original-Pass, des nicht mehr existierenden Staates. Da die Stadt Tivat darüber hinaus auch noch einiges mehr zu bieten hatte, befanden wir uns bald auf dem Weg zu ihr. Am Stadion des Erstligisten FK Arsenal Tivat vorbei, erreichten wir als erstes „den“ Yachthafen Montenegros. Hier bewies der kanadische Investor Munk, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, ein goldenes Händchen und dürfte schon nach wenigen Jahren die Früchte seiner Arbeit ernten. Der Hafen und die Umgebung sind dementsprechend geleckt und neu, hätten wir uns aber schenken können. Der Rest der Stadt ist auch weniger spektakulär und zu guter letzt wurde auch nicht die anvisierte Botschaft gefunden. Am Abend haben wir uns lecker selbst verköstigt und das eine oder andere Bier wurde verzerrt.

20.08. – Heute stand der Skutarisee auf dem Plan. Früh am morgen ging es los, zwar waren kaum mehr als 40 Kilometer zurück zu legen, aber wir wollten den Tag möglichst ausgiebig nutzen. Wie im Reiseführer empfohlen, entscheiden wir uns für die zeitaufwendigere, aber schönere Route. Lohnte sich definitiv! http://fs2.directupload.net/images/141216/yi7eaz7c.jpg Unsere erste Anlaufstelle war das Dorf Virpazar (dort steht auch eines der wenigen Denkmäler für die Rote Armee in Montenegro). Hier starteten verschiedene Bootstouren, wir hingegen entschieden uns für einen Fußmarsch entlang der Straße am See. Nach 2-3 h erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt und führten die Besichtigung mit dem Auto fort. Die einspurige Straße führte uns durch das Rumija-Gebirge, immer mit Blick auf den größten See des Balkans (durch Schneeschmelze und Dürre variiert die Fläche zwischen 360 – 540 km²). Bis auf über 1.000 Meter brachte uns die Straße, welche nicht nur von Autos genutzt wurde, sondern auch von Esel- und Ziegenherden. Die Landschaft konnte uns ein weiteres mal begeistern und wir nutzten die wenigen Rangierbuchten zum ausgiebigen Staunen. http://fs1.directupload.net/images/141216/upghrfdp.jpg Erst kurz vor der albanischen Grenze endete der abenteuerliche Weg. Zum nächsten Ziel nach Ulcinj nahmen wir wieder eine Straße, welche ihren Namen auch verdiente. Die letzte Stadt vor Albanien begrüßte uns weit chaotischer als Budva. Die Straßen waren (noch) kleiner und voller. Gefahren wurde getreu dem Motto: wer hupt, der fährt. Also schnell das Auto an der alten Stadtmauer geparkt und zum Meer geschritten. Hui – da hätten wir uns mal lieber für eine Stelle außerhalb der Stadt entscheiden sollen. Handtuch an Handtuch mit maximal 30 cm Abstand – kein Spaß! Egal, in der letzten Ecke irgendwo zwischen gedrängelt (dank fortgeschrittener Zeit bewegte sich schon einiges Richtung Ausgang) und den Nischel in die Sonne gehalten. Bevor es wieder zurück ging, schauten wir uns die sehr osmanisch geprägte Altstadt an, die uns kaum gehen lassen wollte und somit auch als Labyrinth dienen könnte.

21.08. – Schon vor um 6 Uhr klingelte der Wecker: Rafting! Mit einem Bus ging es in die Nähe der montenegrinischen und bosnischen Grenze. Hier wurde uns ein leckeres Frühstück serviert und im Anschluss Helm, Gummischuhe und Schwimmwesten ausgegeben. In einem überfüllten VW-Bulli ging es durch das Grenzgebiet zum Tara und gleich ins Schlauchboot. Die lustige Truppe bestand aus vier Iren (welche jedes Klischee bedienten: blass, rothaarig und betrunken), zwei Franzosen und unseren Käpt´n! 25 Kilometer paddelten wir Flussabwärts durch die Tara-Schlucht (nach dem Gran Canyon gehört sie zu den tiefsten Schluchten auf der Erde), über einige Stromschnellen und durch unangetastete Natur. http://fs2.directupload.net/images/141216/htd7fe6u.jpg Zwei Stopps wurden genutzt, um nach kleineren Klettereinlagen, von den Klippen ins kalte Nass zu springen – sehr geil! Am Ende wohl DAS Highlight im Urlaub! Es passte wirklich alles. Selbst der Starkregen beim Mittag, der sogar die Stromversorgung lahmlegte. Auf der Rückfahrt konnten wir uns noch einmal ein Bild von der Höhe der Schluchten machen. Den Rest der Rückfahrt verschliefen wir. Leider hatte das Getriebe vom Bus ähnliche Pläne und legte sich auf der Hälfte der Strecke zur Ruhe. Wenigstens war ein Kiosk mit ausreichendem Biervorrat in Sichtweite. Ich nahm nicht als einziger dieses Angebot dankend an, selbst der Familienvater stolperte während der 2h des öfteren mit einer neuen Dose hinaus. Absolut fertig fielen wir gegen 23 Uhr in die Federn!

22.08. – Strand, Bier, Abendbrot, Bier in Budva.

23.08. – Wieder klingelte der Wecker uns aus unserem Schlaf und gegen halb sieben befanden wir uns bereits auf dem Weg Richtung Podgorica. Allerdings war unsere erste Anlaufstelle die Stadt Tuzi. Der Weg dorthin führte uns (mal wieder) an einem sensationellen Fußballplatz vorbei, dieser bestach weniger durch seine Lage sondern viel mehr durch die Liebe zum Beton. Die kleinen Ränge, der Platz und die Banden schienen aus einem Stück gegossen zu sein. Als Tore dienten (wie bei uns in diversen Plattenbau-Siedlungen üblich) die Gerüste der Wäscheständer – ein Augenschmaus! Dem kleinen Stadion (Tusko Polje-Stadion) von FK Decic Tuzi statteten wir ebenfalls einen kurzen Besuch ab, war allerdings kaum der Rede Wert. Der Grund unseres Besuches war nicht das Stadion, sondern der landesweit bekannte Markt. Neben Unmengen Autos aus Albanien fanden auch wir ein Platz (der Parkwächter wollte ganz besonders auf unser „gutes deutsches Auto“ aufpassen). Die gesamten Gänge waren mit Wellblech überdacht, machte die Sache am Vormittag wenigstens erträglich und sah gleich abenteuerlicher aus. http://fs2.directupload.net/images/141216/9lrsykuw.jpg Am Ende versprachen wir uns ein wenig zu viel, es gab zwar wirklich alles: Spielzeug, Fahrräder, Skulpturen, Süßigkeiten, Elektronikzeugs, Bohrmaschienen, Geschirr, Kunstrasen, gefälschte Klamotten in Hülle und Fülle, Reizwäsche, Lampen usw… Allerdings erwarteten wir eher einen Mix aus Essen (Fleisch, Obst und Gemüse), Gewürzen und ein „bissel“ Spittel. Lustig zu sehen war es dennoch. Wir verabschiedeten uns nach einer guten Zeigerumrundung wieder und überließen das Feld dem nächsten Bus voll Omis und leeren Plastikbeuteln!
Das nächste Ziel, Podgorica, war schnell erreicht. Am Stadion pod Goricom wollte ich das abendliche Spiel bestätigen lassen. Aber selbst der Wirt, dessen Kneipe im Stadion war, konnte mir nicht weiterhelfen. Dafür ein Gast, dieser konnte die Zeit bestätigen, meinte aber, dass die Spiele von FK Buducnost vorerst nicht im großen Stadion stattfinden, sondern in der Nähe des alten Flughafens. Gut 90 Minuten kostete uns die Suche (1.000 Wettbüros, aber keiner der sich für den einheimischen Fußball interessiert; Touri-Info befand sich schon im Wochenende) nach dem zuvor beschriebenen Sportkomplex. Dabei durchfuhren wir eher zufällig das Flüchtlingslager Konik (aus dem Kosovo vertriebene Serben und Roma). Hier wohnten rund 1.500-2.000 Menschen in selbst errichteten Unterkünften aus Holz und Blech direkt neben einer Müllhalde. Wie auch in Plovdiv gibt es hier die gleichen Probleme (Bildung, Drogen, Arbeitslosigkeit, Hygiene, Diskriminierung). Die Menschen sammeln hier, neben Nahrung, vor allem Metall im Müll, welches sie verkaufen können. Mit Esel- oder Pferde-Kutschen fuhren sie durch die anliegenden Siedlungen und halten Ausschau, auch in der Müllhalde keine 500 Meter weiter wird nach wiederverwendbaren Sachen gesucht.
Als wir endlich den Sportkomplex gefunden hatten (vier Sportplätze, davon drei mit einer Tribüne, hier spielen zurzeit alle Mannschaften der Hauptstadt) kam mir ein kleiner Hund entgegen der, den Wunden nach zu urteilen, wohl von irgendwelchen Kunden misshandelt wurde. Die Wut der PETA-Aktivistin neben mir kannte keine Grenzen mehr und sie wetterte vor sich hin! Ich nutzte die Zeit um den Platzwart zu suchen und zu finden. Jup, passt – heute wird hier gespielt! Wie wir wenig später sahen, streunerten nicht nur haufenweise Hunde in Montenegro herum, sondern auch Pferde. Ein Pferd „naschte“ in aller Seelenruhe eine Melone, am Abend sahen wir den Gaul ein weiteres mal – natürlich wieder beim Melone schlemmen! Wir spazierten etwas durch die Hauptstadt (ca. 190.000 Einwohner) und nutzten das Angebot der vielen Sportläden. Sehenswürdigkeiten hielten sich in Grenzen, dass eine Brücke aus dem Jahr 2005 das Aushängeschild der Stadt ist, sagte viel aus. Einige nette Gebäude gab es natürlich trotzdem und so flanierten wir etwas durch die fast menschenleere Altstadt. In vielen Straßen wurde gebaut und saniert, es schien, als befinde sich die Stadt im Aufschwung. Unser Highlight der Stadt lag dann unter der Brücke, nämlich der Fluss Moraca. Dieser teilt die Stadt in alt und neu (wobei wir uns von der neuen Seite kaum ein Bild machen konnten) und fließt durch die Schlucht in Richtung Skutarisee. Nach 3h auf den Füßen, genossen wir noch 1-2 Bier in der Sonne und machten uns bald wieder auf in Richtung Spielort.http://fs2.directupload.net/images/141216/qfuixg6k.jpg

FK Buducnost – FK Rudar
23.08., Prva Crnogorska Liga, Stadion na Stari Aerodrom

Am einzigen Zugang des Platzes war schon weit vor dem Spiel reges Treiben angesagt. Klar, viel Platz für kurzentschlossene bot die einzige Tribüne nicht. Aus diesem Grund waren wir ja auch schon frühzeitig hier, aber es klappte alles problemlos. Nach dem wir unsere Tickets für 3€ in die Hand gedrückt bekamen, nahmen sich gleich zwei Bullen den Autoren vor. Gesicht zum Zaun, Beine auseinander und bloß nicht nach links oder rechts gucken. Nach dem sie auch in meinen schwitzigen Socken kein Beil oder ähnliche Waffen fanden, durfte ich unter misstrauischen Blicken rein gehen. Meine Freundin hatte da weniger Glück und durfte etwas westeuropäische Kosmetik der Beamtin überreichen. Das „Stadion“ war natürlich ein richtiges Schmuckstück – nicht! Eine Stahlrohr-Tribüne für etwa 600-700 Zuschauer auf einem großen Feld. Speisen oder wenigstens Getränke bei 30 Grad + X gab es nicht und so freute sich ein einsamer, vor sich hin sprudelnder Wasserspender über große Beliebtheit. Auf der anderen Seite des Stadions versuchten kleine Gruppen von Kids und jungen Jugendlichen immer wieder über Umwege ins Stadion zu kommen. Schnell war einer der vielen Zäune überwunden und bei der nächsten Gelegenheit wurde, im Rücken der Ordner, ein Sprit hingelegt, um auf einen sicheren Platz zu gelangen. Schafften natürlich nicht alle. Wer erwischt wurde, durfte zurück klettern und probierte es einige Minuten später nochmal – herrlich!
Bis 18 Uhr waren alle Plätze belegt und nicht wenige warteten vor den Toren weiterhin auf Einlass. Sobald jemand das Stadion verließ, durfte jemand nachrücken. Mehr als zwei Dutzend nutzten derweilen die Bauart des Sportplatzes aus und saßen auf dem Zaun hinter dem Tor, um so das Spiel zu verfolgen. Zwar räumten hier die Cops zweimal pro Durchgang auf, aber als diese wieder weg waren, waren die kostenneutralen Ränge auch schon wieder belegt. Zu sehen bekamen alle Zuschauer eine recht ordentliche Partie mit einigen Chancen. Zum einzigen Torerfolg führte aber erst ein Elfmeter, kurz vor der Halbzeit, für die Hausherren.
Auf dem linken Teil der Tribüne bezogen etwa 150 Ultras um die „Varvari Podgorica“ (dt. Barbaren) Stellung, welche vor dem Spiel geschlossen aus der angrenzenden Siedlung gelaufen kamen. Nicht wenige von ihnen schienen seid der Gründung 1987 dabei zu sein. Neben den üblichen Jugendlichen und mitte Zwanzigjährigen, waren auffallend viele fitte 30-40 Jährige Leute dabei, die weiterhin den Ton angaben. Manch einer durchaus mit Kind, aber ohne Bierbauch. Auf Tifo-Materialen wurde verzichtet. Ob es am Verbot (beachtliche Anzahl an Ordner und Bullen), aufgrund des Stadions, oder Desinteresse lag, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Geländer schmückte eine schlichte Fahne der Varvari, zur Unterstützung des Supports diente eine Trommel. Aber auch unter diesen gewollten/ungewollten schlechten Umständen zogen sie über 90 Minuten einen guten Support durch. Einzig zum Ende des zweiten Durchganges (Rudar spielte sich mehr und mehr Chancen heraus) gab es gelegentliche Pausen. Neben einigen wenigen Klatscheinlagen wurde mehr Wert auf melodische Lieder gelegt, was die Lautstärke allerdings kaum negativ beeinträchtigte.
Zur 70. Minute verabschiedeten wir uns aus dem Stadion, hatte a) den Vorteil, dass wieder zwei Wartende rein durften (schlechtes Gewissen beruhigt), b) wir den Rest des Spiels vom Zaun aus beobachten konnten und so auch bald zu den gejagten von der Polizei gehörten und c) uns einen Überblick von der Tribüne samt Varvari machen konnten. Wie üblich bedankten sich die Spieler für die Unterstützung der Fans, während sich der Rest der Tribüne schon auf dem Weg nach Hause machte. Ein zufriedenstellender Länderpunkt, der schon Vorfreude auf die Auswärts Partie während der kommenden Woche machte!

Graffiti in der Stadt… und noch eins
Das „Stadion“
Varvari auf der Tribüne

Der Weg nach Budva führte uns durch die Neustadt. Diese hatten wir vorher so überhaupt nicht auf dem Schirm. Die meisten Straßen waren mit Menschen gefühlt, genau so wie die Bars und Biergärten. Wohnen hier also doch Menschen und es handelt sich nicht um eine Geisterstadt, wie wir heute Mittag noch vermuteten! Wir entschloßen uns aber schnell weiter zu fahren, die Luft für heute war raus.

24.08. – Und wieder war frühes Aufstehen angesagt. Schließlich stand der Grenzübertritt nach Albanien auf unserem Plan. Das noch schlafende Budva wurde somit ohne Verkehrsprobleme verlassen. Die Strecke bis an die albanische Grenze machte dem fahrgeilen Autor eine Menge Spaß. Waren die Straßen mal wieder sehr kurvenreich, dürftig vor Abhängen gesichert, eng und meistens leer. Durch eben diese Leere fielen uns die einzelnen Häuser natürlich umso mehr auf. Unvorstellbar, hier ein Leben zu führen, wie wir es kennen und als selbstverständlich erachten. Die letzte Einkaufsmöglichkeit war sicher schon 60 Minuten hinter uns, eine Bushaltestelle wurde mindestens ebenso lange nicht gesehen und selbst der nächste Nachbar konnte schon mal 6-7 Kilometer entfernt sein. Eine Art der Selbstverpflegung schien auch nicht möglich zu sein, der Boden bringt einzig und allein Felsen hervor. Die paar Sträucher und Bäume werden wohl kaum als Nahrungsquelle herhalten können. Wie wir später erfuhren, blüht, ähnlich wie in Bosnien, abseits der Städte der Tauschhandel und die meisten Keller sind mit Nahrung (vorwiegend Lahm) und Holz bis unter die Decke gefüllt. Auf die vielen und teuren Supermärkte sind sie hier draußen wenig angewiesen und dieser verdeutlicht den unterschiedlichen Lebensunterhalt/-stil von Stadt zu Land.
An der albanischen Grenze dauerte die Einreise schon erheblich länger als die bisherigen Übertritte, hielt sich noch in Grenzen (haha)! Albanien begrüßte uns mit Dutzenden Bettlern an den Scheiben der ausreisenden Autos. Trauriges, aber durchaus zu erwartendes Bild. Wie hartnäckig, vor allem die Kinder sind, durften wir am nächsten Tag erfahren. Die ersten Kilometer bis zur Stadt Shkodër änderte sich am ärmlichen Eindruck wenig. Stichworte Eselkarren, Pferde, motorisierte Anhänger, leer stehende Häuser, Ruinen usw. Ab Shkodër änderte sich zumindest das Bild auf den Straßen. Hier schien jeder Einwohner mindestens zwei Autos zu haben (vornehmlich Benz älteren Baujahres und Golf II). Auf dem Weg nach Tiranë (Tirana) fielen uns immer wieder halbfertige, aber bewohnte Häuser auf. Keine Fenster und Türen drin, aber die Gardinen hingen schon und auch die Blumentöpfe auf der unverputzten Veranda standen bereits in Reih und Glied. Ein weiteres skurilles Bild gaben die zahlreichen Straßencops ab. Sie regelten den Verkehr mit einer unglaublichen Gelassenheit, auf den endlos geraden Straßen ohne irgendeiner Arte von Einbindungen oder gar Kreuzungen. Helden der Arbeit – Hut ab! Echte Helden für uns waren dann aber die sonntäglichen Hochzeitsgesellschaften. Keine Ahnung mehr, wie viele wir sahen, es waren auf jeden Fall eine ganze Menge. Meistens gestalltete sich deren Auto-Konvois wie folgt: an der Spitze der Papa samt Bruder der Braut. Der Vater fuhr mit dem Auto ausufernde Schlangen, wohl damit niemand auf die Idee kam zu überholen. Bruder hing halb auf dem Dach und hielt mit seiner VHS-Kamera den Knvoi fest. Im zweiten Auto saßen dann Braut und Bräutigam. In den Autos Nummer 3 – 30 sorgten Verwandte mit allerlei Albanien-Fahnen und geschmückten Autos für ein gutes Gesamtbild. Das letzte Auto (konnte dann schon mal Nr. 50 sein) war dann meist der ungeliebte Stiefcousin, welcher sich mit den nachkommenden Autos, LKW´s oder Eselkarren rumärgern durfte und diese von jeglichen Überholversuchen abbringen musste. Das Spektakel gab es, wie gesagt, auf der Strecke von Lezhë bis Tirana unzählige Male zusehen. Leider vergassen wir zu hinterfragen, ob es hier jeden Sonntag so zugeht oder es sich um einen besonderen Tag für Vermehlungen handelte. Sei es drum…
Die albanische Hauptstadt erreichten wir gegen 10 Uhr. Vorerst wurde die Stadt aber nur durchfahren, denn der Deal ”Albanien” mit der Freundin sah einen Abstecher in irgendein riesiges Shoppingcenter vor. Gesagt, getan. Zwei Stunden und einen kleinen Nervenzusammenbruch später konnte sich der Hauptstadt gewittmet werden. Halt – die Hostelsuche stand noch an. Reltaiv fix, nach 10 Minuten, gaben wir auf und A. suchte Hilfe im erstbesten Reisebüro. Die Angstellte gab sich dieser Aufgabe gleich voll hin, schloss die Fialie ab, nahm meine Freundin an die Hand und machte sich auf die Suche. Nach weiteren 10 Minuten fanden sie unsere Bleibe. Auto abgestellt, dem lustigen Kunden beim eincheken mehrfach erklärt, dass ich nicht der deutsche Nationalspieler X war oder mit ihm Verwandt bin (das meine Freundin den gleichen Namen, wie sein großes Idol hatte und nicht ich, war ihn dabei egal) und schon ging es mit Karte bewaffnet durch die Stadt!
http://fs1.directupload.net/images/141216/dnw5twmc.jpg Unsere Schlafstätte befand sich direkt am Skanderbeg-Platz, mit der gleichnamigen Statue wohl das Wahrzeichens Tiranas. Skanderbeg ist ein albanischer Volksheld. Er verteidigte bis zu seinem Tod jahrelang Albanien gegen die Osmanen. Erst 10 Jahre nach seinem Ableben übernahmen die Osmanen das Land. Genug der Geschichte und wieder zurück zum jetzt. Der Platz hat vor wenigen Jahren ein neues Gesicht bekommen, sieht aber nicht übertrieben modern aus. Um dem Platz herum stehen die wichtigesten Gebäude, so z.B. das Nationalmuseum (samt beeindruckenden Mosaik-Bild), die Et´hem-Bey-Mosche, welche Nachts mit einem Leuchtschlauch in Szene gesetzt wird (sehr unschön), dem netten kleinen Rathaus und dem pompösen Kulturpalast, der sich aber kaum von seinen Artgenossen in Europa unterscheidet. Der Weg führte uns weiter in Richtung modernes Stadtzentrum, welches ohne Problem zu Fuß zu erreichen war. Vorbei an einer modernen Kirche samt riesigen vergoldeten Türen, liefen wir über den Lana, welcher überhaupt nicht mehr an einen natürlichen Fluß erinnerte und die Stadt in einem Betonbecken durchfließt. Als nächstes erreichten wir das ehemalige Enver-Hoxha-Museum (regierte 1944 bis 1985 die Sozialistische Volksrepublik Albanien), dass stark an eine Pyramide erinnerte.http://fs1.directupload.net/images/141216/r2y46p2a.jpg Sagen wir mal so, die Stahl-, Glas und Mamorkonstruktion sah durchaus etwas ungewöhnlich aus. Zudem fehlte das Glas in den Fenstervorichtungen und wurde stellenweise mit Wellblech ersetzt. Der Plan sah schon vor, dieses Bauwerk abzureißen und neu zu bebauen, scheiterte aber an einer Petition. So gammelt die Pyramide weiter vor sich hin und dient den Nachwuchssprayern als Übungsfläche. Wie auch einige Jugendliche, nutzten wir die umliegenden Stufen für eine kleine Verschnaufpause. Es fiel überhaupt sehr postiv auf, dass direkt in der Innenstadt viele kleinere und größere Grünflächen zum verweilen einluden, welche bei dem schönen Wetter nicht nur von uns genutzt wurden. Von dem Enver-Hoxha-Museum war es nur ein Katzensprung bis zum Stadion.

FK Tirana – FK Apolonia
24.08., Superliga, Stadiummi Qemal Stafa

In den Tagen vor der Partie diente der Facebook-Account von A. für die Kontaktaufnahme mit FK Tirana (und alternativ Vllaznia Shkodër). Klappte super und uns wurde innerhalb eines Tages der Spieltermin am Sonntag mitgeteilt, für weiteren Fragen die deutsche Sprache angeboten und uns die Gegengerade empfohlen, da dort freier Eintritt war. Sehr nett!
Das Stadion erreichten wir kurz vor 16 Uhr und somit über eine Stunde vor dem Spiel. Die Zeit nutzten wir für eine Umrundung des Qemal-Stafa-Stadions, wobei uns ein Cop, so kurz vor dem Spiel, in den Innenraum und auf dem Rasen ließ. An sich ein ansehnliches Stadion mit kleiner Haupttribüne über die ganze Länge des Spielfeldes und einer doppelt so hohen Gegengerade, beide Kurven sind ebenfalls bebaut. Ging sicher mal als Allseater durch, allerdings haben sich im Laufe der Zeit schon so einige Sitze verabschiedet. Ein echter Hingucker war die marode Anzeigetafel, welche am oberen Rand der Kurve drohnte. Neben den drei Hauptstadtclubs trägt hier die albanische Nationalmannschaft die meisten ihrer Heimspiele aus.
Entgegen des gut gemeinten Vorschlags entschieden wir uns gegen die Gegengerade, wo schon vor Einlassbeginn viele Jugendliche und Männer unter den Augen der Staatsmacht auf eben diesen warteten. 5€ waren für die Tribüne zu bezahlen. Nach einem weiteren albanischen Bier suchten wir uns einen Platz. Diesen mussten wir noch mindestens zweimal aufgeben, da die sonst so chaotischen Leute alle auf ihren Sitz bestanden – nervig! Das Stadion füllte sich ganz anständig, am Ende werden es gut 4.000 Zuschauer gewesen sein und damit deutlich mehr als ich hier erwartete.
Der Fanblock konnte mich mit den ersten rhythmischen Gesängen, schon vor dem Anpiff, in seinen Bann ziehen. Zwar machte der Trend von Szeneninternen-Spaltungen auch in Albanien keinen Bogen um die Ultras, aber glücklicherweise hält sich die räumliche und akustische Abgrenzung im Rahmen. So stehen die „Fanatics“ und die „Ultrasit“ zwar optisch klar getrennt von einander, aber die Entfernung beträgt kaum mehr als ein paar Meter. Gesungen wurde ebenfalls gemeinsam und niemand versuchte (zumindest) heute mit Gewalt seinen Stil durchzusetzen. Tonangebend waren die Fanatics, deren Block gut 600 Leute umfasste. Die meisten Melodien waren aus dem südlichen Nachbarland bekannt, wussten aber durch die Geschlossenheit auch hier zu überzeugen. Die akustische Unterstützung blieb über die gesamte Spielzeit auf sehr hohem Niveau. Dabei sollte nicht außer acht gelassen werden, dass die Jungs (im Stadion waren kaum Frauen zu sehen) gut zwei Stunden in der prallen Sonne standen, kein Megaphone benutzten und kein Dach über sich hatten, dass die Gesänge bündelte. Optisch gefielen mir besonders die Hüpfeinlagen mit dem Rücken zum Spielfeld und das wilde herum Gehopse im Block, bei nahezu allen Liedern. Die ganze Stimmung wirkte sehr authentisch und so musste der Vorsänger nur selten die Leute motivieren, weil sowieso jeder sein bestes gab und komplett aus sich heraus kam. Die rund 80 Leute um die Ultrasit ordneten sich unter und klinkten sich, wie bereits erwähnt, mit ein. Wenn es doch mal ruhig wurde nutzen sie die Gelegenheit und stimmten ihrerseits den nächsten Gesang an, welcher sich auch sofort auf die Fanatics ausbreitete. Zum Einlauf wurden aus dem Block der Ultrasit einige Kassenrollen auf das Spielfeld geworfen. Etwas Pyro hatten sie, neben unzähligen Böllern (die auch hier niemanden nur im geringsten störten, auch wenn ein Querschläger mal auf den Platz landete), ebenfalls dabei und entzündeten nach der schnellen Führung 6-7 Fackeln. Einziger Kritikpunkt, wenn ich mir dass erlauben darf, waren die Zaunfahnen. Diese wurde zum größten Teil gedruckt und sahen somit etwas langweilig aus und passten so überhaupt nicht zu meinen Eindrücken von dieser Fanszene.
Die Kicker legten bei den Temperaturen auch sehr gut los und boten eine abwechslungsreiche und ansehnliche Partie. Hätte im Tor der Gäste ein halbwegs ordentlicher Wärter gestanden, hätte die Partie auch knapper ausfallen können. So aber endete die Partie mit einem ungefährdeten 3-0 Heimsieg. Übrigens schien der dunkelhäutige Stürmer Ndikumana, trotz der überwiegenden rassistisch und faschistisch geprägten aktiven Fans, ein echter Publikumsliebling zu sein und wurde über das ganze Spiel hinweg mit besonders viel Applaus geehrt, wenn ihm auch nicht alles gelang! Gäste waren übrigens ca. 40 anwesend. Sie nahmen anfänglich auch am äußersten Rand der Gegengerade Platz, wurden von der Polizei aber noch vor dem Spiel auf die Tribüne gebeten, wo sie nicht weiter auffielen.

1312
Haupttribüne… und Anzeigetafel
Hüpfen bei den Fanatics
Kassenrollen… und Bengalos bei der Ultrasit

Einmal mehr verließen wir sehr zufrieden das Stadion und schlenderten durch die moderne Innenstadt. Viele Kneipen, kleine Läden, kaum große Ketten – sehr nett. Langsam konnte sich Tirana auch bei meiner Freundin einen Platz im Herzen sichern. Wir schauten noch am XYZ-Stadion vorbei. Ein reinkommen war leider unmöglich. So saßen wir wenig später bei einem gemütlichen Bier und beratschlagten über den weiteren Abend. Schnell hatte mich das Bier wieder in seinen gelben Bann gezogen und wir waren uns einig, morgen wenigstens bis um 9 Uhr zu schlafen. Nachdem wir uns stärkten, hielten wir nach einer geeigneten Kneipe Ausschau. Davon gab es zwar wirklich viele, aber fast alle waren Sonntagabend (!) sehr gut besucht und es gab kaum noch zwei freie Plätze. Dabei fiel uns ein weiteres mal das junge Durchschnittsalter in Tirana (Innenstadt) auf. Den ganzen Tag sahen wir überdurchschnittlich viele junge Familien, Kinder und Jugendliche. Hingegen wir uns auf der Fahrt durch die Dörfern und den Außenbezirken uns ein ganz anderes Bild machten. Wie dem auch sei… nachdem wir schon beinahe aufgeben hatten, fanden wir tatsächlich zwei freie Plätze in einem sehr coolen Pub. Sofas und kleine Tische auf der Terrasse, coole 90er Jahre Beats auf der Leinwand, ein Kellner, der schon mit dem nächsten Bier angeflitzt kam, bevor der letzte Tropfen aus der Flasche war, dazu Preise bei welchen selbst Hausprojekte in Deutschland nicht mithalten konnten. Mit etwas Schieflage und Dosenbier liefen wir den Bulevardi Dëshmorët e Kombit entlang zum Skanderbeg-Platz. Die Gebäude wurden mit Scheinwerfern gekonnt in Szene gesetzt und machten optisch einiges mehr her, als vor einigen Stunden. Auch der im hellen etwas triste Park Rinia sah mit seinen beleuchteten Wasserspielen viel interessanter aus.

25.08. – Bevor es auf die Rückreise nach Budva gehen sollte, nutzten wir den Vormittag für eine kleine Stippvisite im Park i Madh in der Nähe des Qemal-Stafa-Stadions. Besonders sehenswert war dieser nicht. Neben haufenweisen Joggern, gab es einen mittelgroßen Tümpel, ein verranztes Theater und einen Friedhof für deutsche (!) Kriegssoldaten zu sehen. Wir besorgten noch ein paar Postkarten vom südlichsten Punkt der Reise und machten uns bald auf die Rückfahrt. Bevor wir Albanien verließen, machten wir einen Halt in Shkodër. Die Stadt war noch unübersichtlicher als Tirana, was ich eiegntlich nicht für möglich gehalten hatte. Das örtlich Stadion namens Loro Borici fanden wir (fast) ohne Probleme. Einige Wochen später kam es hier zu schweren Auseiandersetzungen beim Spiel von Vllaznia Shkodër gegen FK Tirana,sowohl auf den Rängen, als auch auf dem Spielfeld. Es folgte ein unbekanntes Medienrascheln und eine mehrmonatige Zuschauersperre. Das Stadion ist U-förmig und wie in Tirana war die Hauptribüne kaum halb so hoch wie die restlichen Ränge. Viele Sitzschalen hatten schon ausgedient und hinterließen große Lücken. Richtig abgefuckt sah es dann vor dem Stadion aus. Müll, Geröll, ein kleiner Markt, ein Pferd, was die paar Grashalme zwischen Stadion und Wohnblocks vernaschte und sogar der Schädel eines Schafes lag vor dem Eingang rum (abgefressen bis auf die Knochen)! Nie im Leben hätte ich vermutet, dass hier noch gespielt wird. Wenn ich nochmal in Albanien bin, steht ein Spiel in dieser Kiste ganz oben auf der Liste.
An der Grenze waren nun wir an der Reihe. Ein kleines Mädchen schaute mehrere Minuten, mit der Nase an das Fenster gedrückt, uns traurig an. Bei uns biß sie aber, trotz hinterher laufen, auf Granit. Wir entschieden uns schon vorher für eine Spende zugunsten einer Hilfsorganisation. Das weitere Spektakel hier ließ die Wartezeit schnell vergehen. Etwas Abseits kümmerten sich gleich fünf Beamte um einen Holländer, der übergaupt nicht verstand, was gerade vor sich ging und einem Kollaps nahe war. Im Wartekneul herrschte Krieg und es wurde um jeden Zentimeter gehupt, geflucht und gekurbbelt. Die Beamten behielten dabei unglaublicherweise die Übersicht und sammelten, in diesem Chaos und in einer Arschruhe, stappelweise Pässe ein und wir schauten nicht schlecht, als wir ohne langes Suchen am Grenzposten unseren Ausweise wieder erhielten!
Der Weg nach Ulcinj führte uns wieder über den geilen Weg der Hinstrecke. Dort wollten wir noch einige Stunden die Sonne genießen und später die Stadt anschauen, immerhin ist sie die 5 größte Stadt des Landes. Der Badespaß hielt sich in Grenzen, war das Wasser hier doch stark Verschmutzt (großer Hafen). So hatten wir etwas mehr Zeit für die Stadt und durchliefen einige Straßen. Unser Eindruck spiegelte die des Reiseführers nicht wieder. Wirkte alles sehr modern und steril, konnte somit nicht annähernd Kotor oder Budva das Wasser reichen. Wirklich cool war nur ein kleines Einkaufszentrum, was aussah wie ein gelandetes Ufo. Der restliche Weg ins traute Heim führte uns einmal mehr an der Adria entlang. So stoppten wir mehrmals und genossen die letzten Sonnenstrahlen am (wieder) klaren Wasser, von einem der vielen Felsen. In Petrovac schauten wir uns das kleine Stadion vom örtlichen Verein OFK Petrovac an. Eine neue Haupttribüne und fünf Reihen hinterm Tor werden wohl 2.000 Zuschauern Platz bieten. Wenn sich, durch welches Wunder auch immer, doch mal mehr Leute hierher verlaufen sollten, könnten sie aber ohne Probleme das Spiel vom Gehweg aus verfolgen. Dieser führte, durch einen Zaun getrennt, an der Außenlinie entlang.
http://fs1.directupload.net/images/141216/qllw2dph.jpg Am Abend liefen wir ein weiteres mal durch Budva, tranken ein weiteres mal das einheimische Bier, speisten ein weiteres mal beim leckeren Grillmeister und schauten ein weiteres mal einfach dem wilden Treiben der Einheimischen und Urlauber zu. So später es wurde, umso mehr zurechtgemachte Paare und Gruppen liefen in Scharren die Promenade auf und ab, bis sie sich langsam auf die vielen Clubs und Bars verteilten.

Stadion von Vllaznia Shkodër , Foto 2

26.08. – Strand! Nach etlichen Stunden in der Sonne, dutzenden Abkühlungen im Meer und einem 1A Burger, brachen wir zu einer der Sehenswürdigkeiten in Montenegro auf. Highlight auf der Fahrt zum Ziel war die Überfahrt von Lepetane nach Durici. Auf der Fähre hingen folgerichtig nicht nur die wenigen Touristen am Geländer und schauten sich die Bucht von Kotor aus einem völlig anderen Blickwinkel an. Die restlichen 100 Kilometer fuhren wir über das Gebirge. http://fs2.directupload.net/images/141216/dg4xcupw.jpg Dummerweise unterschätzten wir die Strecke deutlich und die Sonne verschwand langsam hinter den Gipfeln, noch bevor wir das Kloster am Berg Ostrog erreichten. Damit war eine längere Wanderung zur weltweit bekannten Pilgerstätte (für mehrere(!) Religionen) bald ausgeschlossen. Mama´s Golf musste ein weiteres mal seine Bergsteiger-Qualitäten unter Beweis stellen und brachte uns Meter für Meter höher. Um wenigstens ein bisschen Pilger-Feeling aufkommen zulassen, ließen wir das Auto auf der vorletzten Parkebene stehen und kletterten über die abenteuerlichen Stufen zu dem Kloster Ostrog. Hui, nach 20 Minuten und dem Ziel immer noch nicht viel näher, waren wir gar nicht mehr so traurig, nicht den ganzen Anstieg meistern zu müssen. Da hatten die vielen Pilgerer, welche wir mit dem Auto überholten, noch einiges vor sich. Übrigens versuchte keiner von ihnen zu schummeln und eins der wenigen Autos anzuhalten. Oben angekommen (900 Meter) erhielten wir die Touri-Schelle: Kleiderordnung! Ja, daran hätten wir auch selbst denken können. Die Schilder und die akribischen Augen der Gläubigen ließen zumindest A. keine andere Möglichkeit, als vor dem Tor zu warten. Ich hingegen zog meine Badehose auf halb Acht und wagte mich zumindest auf das Gelände. Um es vorweg zu nehmen, klappte ohne große Probleme. Böse oder gar entsetzte Blicke wurden von mir bestmöglich ignoriert. Der Platz war mit allerlei Decken, Schlafsäcken und Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Viele davon waren bereits belegt und manch einer schlief schon. http://fs1.directupload.net/images/141216/zn7khypw.jpg http://fs2.directupload.net/images/141216/9jd7vpcw.jpg Bei dem Anstieg nicht zu verübeln, außerdem sah ich auch keinen Bierausschank! Spaß bei Seite, war schon krass so etwas mal aus nächster Nähe zu sehen. Nur die zwei brummenden Coca-Cola-Kühlschränke passten nicht in das friedliche Bild. Während die ersten also schon von ihren verschiedenen Göttern oder Märtyrern träumten, wurden auf der anderen Seite des Hofes reichlich Kerzen entzündet. Eine Kirche und das eigentliche Kloster sind direkt in den Felsen gehauen. Gegründet wurde das Kloster vor mehr als 350 Jahren, als Metropolit Vasilije mit zwei dutzend anderen Mönchen vor den Türken fliehen musste. Durch die Lage am/im Berg sollte das Kloster Sicherheit bieten und von den Türken nicht einzunehmen sein. Heute liegen in einer Felskammer Vasilijes Überreste und werden von tausenden Gläubigen jährlich besucht. Als die Sonne endgültig hinter der Berglandschaft Montenegros verschwand, beleuchteten mehrere Scheinwerfer das Kloster und hüllten es in ein warmes Gelb.
Bevor ich noch über die Kirche ins schwärmen gerate, verließ ich den Ort. A. eingesammelt und die coole einspurige Strecke, nun in absoluter Finsternis ins Tal gefahren. Da wir seit Bosnien der Straßenbeschilderung mehr vertrauten als unserem Navi wurde der ersten Ausschilderung in die Hauptstadt blind vertraut – super Idee. Nun ging es weitere 30 km über eine ähnlich „stark“ ausgebaute Straße. Keine Menschenseele, keine Beleuchtung, dunkle Sträucher die immer näher an die Straße ragten, Schlaglöcher die nur noch gefühlt wurden und gelegentlich ein leuchtendes Augenpaar am Straßenrand… so stell ich mir hier eine Fahrt vor! Kurz vor Podgorica entdeckten meine Adleraugen in der Stadt Danilovgrad ein weiteres Denkmal für die Rote Armee. Also wurde eine kurze Pause eingelegt. http://fs1.directupload.net/images/141216/bltn76rs.jpg Nach einer kurzen Besichtigung der kleinen Innenstadt, wurde etwas Essen eingepackt. Seit einigen Tagen konnten wir übrigens keinen Kiosk oder Supermarkt mehr verlassen ohne Salzstangen mit Erdnuss-Füllung zu kaufen, sau lecker die Teile. Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, ein Unternehmen in Deutschland anzuschreiben und zu bitten, die Dinger herzustellen.

27.08. – Nach dem erholsamen Vortag, weckte uns heute wieder der Wecker im Morgengrauen. In der Nacht tobte wieder ein mäßiges (?) Unwetter über Budva. Die Straßen führten, beim Blick aus dem Fenster, schnell wieder jede Menge Wasser. Es krachte und blitzte im Sekundentakt, allerlei Sachen hielten dem Wind nicht stand, so dass sich das Inventar des Biergartens auf der Straße verteilte und einige Motorroller einfach umgepustet wurden. Ich bin kein Meteorologe, kann mir daher auch nicht erklären, warum die Unwetter nur nachts auftraten und kaum länger als 30 Minuten dauerten. Als wir am Morgen losfuhren, ließ sich der nächtliche Niederschlag kaum noch erahnen. http://fs2.directupload.net/images/141216/y89j7zv8.jpg
Bis Podgorica fuhren wir ohne Probleme, den mittlerweile fast bekannten Weg. Nachdem wir die Stadt passiert hatten, fuhren wir dem Morača entlang. Die Schlucht wurde schnell tiefer und die Berge höher. Einfach ein geniales Gefühl ihr lang zu fahren. Schnell ließ ich mich von der kurvenreichen und recht leeren Straße zur einer sportlichen Fahrweise hinreißen. http://fs1.directupload.net/images/141216/tlxm9llu.jpg Es ist ja nun nicht so, dass wirklich in jedem Reiseführer und -Homepage über den Balkan, vor den fleißigen Bullen mit ihrer Laserpistole gewarnt wird. Es kam also wie es kommen musste. In einem kleinen Ort auf halber Strecke winkte mir ein Motorrad-Cop mit seiner roten Kelle zu. Schnell sackte mein Herz in die Hose – zu Recht. 37 km/h und damit fast doppelt zu schnell kam ich aus dem Tunnel geschossen, erklärte mir mein neues Feindbild. Macht umgerechnet 400€, einen Gang zur Polizei und eine vorübergehende Abgabe des Führerscheins! Allerdings stand auch in jedem Artikel über Verkehrskontrollen, dass die Hunde ganz gut bestechlich sind – also gleich mit der Tür ins Haus gelaufen. „Nät“ seine kurze und schockierende Antwort. Nach gut fünf Minuten unverständliches aufeinander einreden von beiden Seiten, sah ich den restlichen Urlaub schon in Gefahr. Aber der Reiseführer aus der Bibliothek sollte doch noch Recht behalten und er fragte, was ich den vor Ort bezahlen könnte. Da ich nur 50er und etwas Hartgeld einstecken hatte, erübrigte sich eine faire Verhandlung und mit einem braunen Schein weniger, konnten wir die Fahrt fortsetzen. Der utopische Bestechungs-Fuffy schmerzte zwar (einen Tag später kam ein Einheimischer bei der Geschichte kaum noch aus dem Lachen raus und meinte, dass genau aus solchen Gründen immer ein Zehner, oder maximal ein Zwani in der Potte zu sein haben), unterm Strich konnten wir aber damit gut leben – besser als das Auto nachhause schieben.
Am Ziel, waren am Parkeingang 4 Euro zu bezahlen. Eine Straße führte direkt zum kleinen See im Biogradska Gora Nationalpark. Das Gebiet verfügt über einen der letzten Urwälder Europas, welcher auch unser Ziel war. Dieser kann per Fuß, oder für längere Strecken mit dem Mountainbiken erkundet werden. Meine Verhandlungen mit der Herzensdame stießen leider auf Granit und der Fahrradverleih wurde links liegen gelassen (wer will, kann sich auch ein Boot ausleihen und über den See paddeln). Ein letzter Blick auf das Thermometer ließ verlauten, dass die Temperatur von 33 auf „nur noch“ 23 Grad gefallen war. Ausschlaggebend war nicht der Höhenunterschied, sonder die dichten Baumkronen. An den wenigsten Stellen konnte die Sonne durchschimmern – so war das wandern wenigstens angenehm. Unsere frühe Ankunft wurde wieder mit wenigen anderen Touristen belohnt und nur selten sahen wir andere Leute, was den Wald noch ein bisschen uriger rüber kommen ließ. Das Gebiet stellte König Nikola I. 1878 unter Schutz. Seit 1952 wurde der Park Nationalpark anerkannt und entsprechend geschützt. Die ausgewählte Route (weder die längste, noch die spannendste) führte einmal um den See und gab uns somit einen kleinen Einblick. Irritiert waren wir von der Stille, sollten hier doch eigentlich 150 Vogelarten leben. Gehört oder gesehen haben wir kaum einen von ihnen. Dafür sah der Wald phasenweise wirklich topp aus und zeigte seine grüne Vielfalt. Zwischen kleinen Bächen und Sümpfen kämpften verschiedene Pflanzen um den besten Platz. Am Ausgangspunkt angekommen, knüpften wir uns eine weitere Strecke vor – wir hatten jetzt Blut geleckt – allerdings würde dieser mit dem nachmittäglichen Anstoß in Cetinj kollidieren und nach einem kleinen Teil der Strecke brachen wir ab. Wer sich hierhin mal verläuft, sollte auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen und auf ein Fahrrad zurückgreifen, die Routen sind sehr weitläufig und die Berge verlangen einiges ab, lohnen tut es sich alle Male!http://fs2.directupload.net/images/141216/bjhhjcq6.jpg
Am angrenzenden Fluss legten wir einen kleinen Stopp ein. Das saubere Wasser lud gerade dazu ein, sich etwas frisch zu machen, ehe es wieder Richtung Küste ging. Unser bestechlicher Kollege schien nur noch bedingt bei der Arbeit zu sein, er lehnte entspannt auf seinem Moped und die Laserpistole baumelte am Lenkrad. Soll erfüllt? Unser Ziel und Spielort Cetinje erreichten wir 1 ½ h vor Anstoß (Werktags 17 Uhr, kein Flutlicht) am Fuße des Lovcen-Berges. Das Auto stellten wir gleich am Stadion ab und liefen in die kleine Innenstadt (besser: Einkaufsstraße). Etwas mehr al 15.000 Menschen lebten hier, weiter weiß der Reiseführer zu berichten, dass die Stadt bis zum Ende des ersten Weltkrieges Montenegros Hauptstadt war und heute noch Sitz des Präsidenten ist. Daher war es wenig verwunderlich, dass die Stadt als kulturelles Zentrum(Zufall? Folgende Fakultäten gibt es in der Stadt: Kunst, Musik, Schauspiel) einige sehenswerte Paläste, Kirchen und politische Botschaften besaß. Auch uns gefiel es hier auf Anhieb. Wir schlenderten wenigstens mal oberflächlich durch die Stadt. Wirkte zwar, ähnlich wie Podgorica, ziemlich leer, kann aber natürlich an der ungünstigen Zeit unter der Woche gelegen haben. Im Vergleich zu Budva war es deutlich angenehmer, nur halt nicht so schön, wie die dortige Altstadt. Nach unserem Mittag in Form einer Pizza und einem (mal) leckeren einheimischen Bier, dessen Name ich natürlich gleich vergaß, liefen wir zum Stadion.

FK Lovcen Cetinje – FK Buducnost
27.08., Prva Crnogorska Liga, Stadion Obilica Poljana

Heute kamen auch wir in den Genuss von freien Eintritt. Nur der Fotoapparat sorgte für leichtes Stirnrunzeln bei dem Ordnungspersonal, aber der nebenstehende Cop nickte ab. Das Stadion ist wahrlich nichts Großes (fasst wohl kaum mehr als 3.000 Zuschauer) oder besticht durch seine eigenartige Bauart. Jetzt noch, denke ich mit einem Lächeln an diese „Ruine“ zurück. Der Eingang war hinter einigen Einfamilienhäusern und einer Natursteinmauer gut versteckt. Nur durch einen kleinen Weg, war das Stadion zu erreichen. Die 6-7 hohen Stufen besaßen nur noch vereinzelt die früheren Sitzmöglichkeiten. Auf der gegenüberliegenden Seite standen auf einem Grashügel ein paar Stühle für die Offiziellen und der wohl abgefahrenste Gästeblock den ich bis jetzt gesehen habe. 8 × 8 Meter dürfte dieser gemessen haben, die Stufen wurden vom Unkraut auseinander gedrückt und als Zaun dienten zusammengeschweißte Moniereisen. Im Hintergrund ragte der Berg Lovcen, worher auch der Name stammt, in die Höhe. Sehr Nett!!! Das alte Stadion passt halt zum Verein. Der beheimate FK Lovcen ist Montenegros ältester Club und schrieb letztes Jahr hundertjährige Geschichte.
Zum Kräftemessen der zwei ehemals erfolgreichsten Vereine des Landes, bat der Gastgeber um zahlreiche Unterstützung, die sie auch bekamen. Das Stadion füllte sich mit schätzungsweise 1.200 Zuschauer sehr passabel (vielleicht revidiere ich meine 3.000 Zuschauer in der Kiste etwas nach unten). Bis auf eine lange Zaunfahne waren keinerlei Aktivitäten bei den Lovcen Cetinje-Anhängern zu vermerken, sehen wir von vielleicht 10 Nachwuchsspielern der U13 in verschiedensten Trikots ab. Das interessanteste auf der Heimseite war eine Spielerfrau mit kleinem Kind, eine an A. hochkrabbelnde Echse und der Schatten, den die Bäume spendeten. Diesen Luxus hatten die 80 mitgereisten Gäste (45 Kilometer trennt die Städte) nicht. Sie standen, nach sehr gründlicher Kontrolle von zwei Ordnern (inkl. Hände und Gesicht zum Zaun), in der prallen Sonne. Nach 10-15 Minuten hatte der Platzwart erbarmen und reichte ihnen einen Sprenger in den Block. Aufgrund fehlender Versorgung erfreute er sich großer Beliebtheit. Bei allen Hasstiraden auf den modernen Fußball, auf eine Getränkeversorgung im Gästeblock bei hochsommerlichen Temperaturen möchte ich nicht mehr verzichten. Wie schon am Samstag, hatte die „Varvari“ nur eine Zaunfahne am Zaun befestigt, viel mehr Platz wäre auch nicht gewesen. Akustisch kamen sie nur schwer in Fahrt und konnten im ersten Durchgang selten überzeugen. Während der zweiten 45 Minuten wirkten die Gäste wie ausgewechselt, alles sang und sprang wie bekloppt durch die Gegend. Teilweise war es ausufernd auf den Zäunen, dass die drei Sheriffs sich von der Motorhaube ihres Jeeps bewegen mussten und um etwas Contenance baten . Interessierte natürlich niemanden und der melodische Chant wurde weiterhin zum Besten gegeben. Das Bild des verrückten Haufens brannte sich dann bei mir ein, Ultra-Herz was willst du mehr? Qualitativ war es die beste Halbzeit bis zum Schluss der Tour! Dabei gab ihnen die Mannschaft eigentlich wenig Grund für einen so emotionalen Support. Zwar trafen sie nach nicht mal 60 Sekunden zur Führung, aber der Gastgeber übernahm danach die Partie und drehte das Spiel bis zur Halbzeit. In der zweiten Halbzeit erhöhten sie gar auf 3-1! Erst jetzt riss Podgorica ihnen das Spiel wieder aus der Hand. In den verbleibenden 25 Minuten spielte fast nur FK Buducnost und netzte in der 80. Minute zum 3-2 ein. Trotz großen Kampfes reichte es nicht mehr zu einem Punktgewinn. Allerdings hätten sie wohl auch noch weitere 45 Minuten auf das Tor rennen können und es nicht vollbracht, eine ihrer Chancen zu nutzen. Schade, ich drückte den Gästen doch insgeheim ein wenig die Daumen.

Stadion
Heimblock
Gut aufgelegter Gästeanhang

Einmal mehr begeistert verließen wir das Stadion, wobei sich A. wohl mehr über den Besuch der Echse freute! Zum letzten mal ging es den Berg hinunter nach Budva. Aufgrund der nahenden Verabschiedung ließen wir es uns am Abend mal so richtig gut gehen und schlemmten in einem ordentlichen Restaurant. Hätte die Speisekarte draußen gehangen, hätte ich wahrscheinlich einen Bogen herum gemacht, aber wie sagt meine Freundin immer: Es ist Urlaub! Also ließen wir uns vom Koch und Kellner verwöhnen. Meine Geschmacknerven werden nach 10 Tagen Cevapcici wahrscheinlich Purzelbäume geschlagen haben. Später schauten wir, wie fast üblich, auf der Promenade vorbei und der Autor fiel mit einigen Bier zufrieden ins Bett

28.08. – Strand, baden, Sachen packen und nochmal das heimische Bier verköstigt!

29.08. – Wieder verließen wir Budva zu früher Stunde und alles schlief noch. Selbst unsere Vermieterin war es zu früh, den Schlüssel bei uns abzuholen und sie baten uns, denn Schlüssel einfach in den Briefkasten ihrer Eltern zu werfen. Kein Problem, dafür gab es dann aber auch nicht die 10€ für die Registrierung! Unser Ziel heute hieß Belgrad! Eine Stadt die, wie Bukarest, schon viel zu lange vor mir hingeschoben wurde. Der Anfahrtsweg versprach allerdings nichts gutes 500 km Landstraße. Machte bis zur serbischen Grenze alles noch eine Menge Spaß, bei der Aussicht ja sowieso, aber ab dort vermehrte sich das LKW aufkommen. Die Anstiege verlangten den Dingern fast alles ab und es ging oftmals nur im Schneckentempo über die Straßen. Die durchfahrenden Landschaften und Orte blieben kaum im Gedächtnis. Zwar wurden einige nett ausschauende Gebiete durchfahren, aber auf längere Aufenthalte hatte ich keine Lust.
Nach 10 h erreichten wir das Ziel. Denkste, verzettelte ich mich doch bei meiner Hostel-Buchung ordentlich. Statt leicht auffindbarer Innenstadtlage mussten wir unser Hostel erst bei der Konkurrenz ausfindig machen (es ist aber auch fies, wenn es eine Straße zweimal gibt). Wieder war es A., die das Problem löste und bald mit Karte und „ungefährer“ Wegbeschreibung zum Auto zurück kam. Ich versuche ja immer das positive zu sehen und so sahen wir auf unseren Weg, zur nun richtigen Anschrift, das leicht sozialistisch angehauchte Hotel Jugoslavija, den Genex-Turm (der gleich auf die Liste für morgen gesetzt wurde), Palata Srbije und gleich mehrere der bekannten Platten. Unser Hostel statteten wir nur einen kurzen Besuch ab und fuhren mit dem Bus in die Stadt zurück, es war schließlich mittlerweile fast 16 Uhr und keine Zeit zu verlieren! Den Bus mussten wir „leider“ schwarz nutzen, der Fahrer konnte uns kein Wechselgeld geben und winkte uns durch. Nach 25 Minuten überquerten wir wieder die Donau. Kaum dem Bus entstiegen sahen wir den ersten MC Donald seid 13 Tagen, eigentlich schlimm, dass das schon Erwähnung findet, aber auch mindestens genauso geil zu sehen, wie weit wir vom 0815-Konsum Westeuropas weg waren! Ich verspürte wieder Heißhunger auf Cevapcic, diesen gab es nach einer kurzen Runde über den kleinen Markt an der nächsten Kreuzung. Konnte aber leider nicht mit den aus Bosnien und Montenegro mithalten (ja, ja… ich bin jetzt Gourmet). Weiter liefen wir über durch die Fußgänger-Zone der Kneza Mihaila in Richtung der Festung. Die Innenstadt war bestens gefühlt. Einige Straßenkünstler zeigten ihr Handwerk, die Bars waren voll und die Eisverkäufer freuten sich über ihren Absatz. Die Hektik von den Straßen und Markt schien weit weg, hier war alles entspannt und alle genossen den schönen Freitag. Na gut, fast alle, meine Freundin versuchte noch irgendwas für den Kleiderschrank zu finden.
In den Parkanlagen, vor der Festung, spielten ältere Herren Dame im letzten Licht der untergehenden Sonne. Wir suchten uns unweit von ihnen eine Bank und schauten zu, wie die Sonne hinter den Gebäuden verschwand und den Himmel rot färbte.Hier hatten wir einen guten Ausblick auf die 1,3 Millionen-Metropole und die Donau, welche die Stadt zwei teilte. Die fetzigen Werbungen auf den Dächern der großen Platten, bei uns schon lange ausgestorben, leuchteten hier in der Dunkelheit, auch wenn nicht mehr alle 100% funktionierten. http://fs2.directupload.net/images/141216/u9txhbrk.jpg Damit wir wenigstens einen kleinen Einblick von der weißen Stadt bekamen, war es mit Sitzen bald vorbei und wir schauten uns das Wahrzeichen der Stadt an, die Festung von Belgrad. Seit 500 Jahre droht sie 50 Meter über der Donau. Sie war stets hart umkämpft und von verschiedenen Mächten besetzt, zuletzt von den Deutschen im zweiten Weltkrieg, da hatte sich die Stadt aber schon deutlich weiter ausgebreitet. Der Zustand ist gut und nicht übermäßig saniert, wodurch die Tore und Außenmauern mittelalterlich daher kommen. Heute wohnt in der Ober- und Unterstadt niemand mehr und das Militärmuseum hat den freien Platz eingenommen. Innerhalb der Mauern ist unter anderem ein Basketball-Platz. Im Flutlichtschein nutzten viele Kids das geile Ambiente und trainierten für eine große Karriere bei den großen Vereinen des Landes.
Nach dem wir, eher zufällig, am Regierungsgebäude Serbiens vorbei liefen, erreichten wir das beeindruckende Parlamentsgebäude. In so einem Palast würde ich auch gerne arbeiten, besser noch wohnen. Gegenüber steht das alte Stadtschloss, beides hebt sich deutlich vom Stil der Innenstadt ab. Nach dem wir noch das neue Schloss und gleichzeitig Sitz des Präsidenten fanden, war es an der Zeit, zum Markt zurückzukehren. Einer der letzten Busse von der Innenstadt in unseren Außenbezirk war dann der unsrige (Spaß, ganz soweit draußen lag es dann doch nicht). Im Bunker ähnlichen Zimmer, bei den Balkan-Charts das letzte Bier getrunken, fielen mir schnell die Augen zu.http://fs2.directupload.net/images/141216/7ixc7udh.jpg

30.08. – Letzter Tag unserer Reise und der war vollgepackt! Als erstes bestand ich auf einen Besuch des Genex-Turmes, mit über 110 Metern immerhin das zweit höchste Gebäude der Stadt. Der Baustil der zwei Hochhäuser (verbunden mit einer Brücke, auf der sich ein Drehrestaurant befand) wird bei Wikipedia mit „Brutalismus“ angegeben – passend! Viel Beton, erstaunlich viele Fenster und große Werbung. Der einfache Beton wird mit Spielereien, wie der Brücke im 26. von 30 Stockwerken, oder den seitlichen überdimensionalen Betonrohren, aufgehübscht. http://fs1.directupload.net/images/141216/phsaeanr.jpg Meine Freundin war davon nicht so begeistert und wartete im Auto, dafür war sie beim USCE Shopping-Center ganz weit vorne. Hier gab es endlich Frühstück und Proviant für die weite Rückfahrt nach Deutschland! Dank des kostenlosen Parkplatzes, ließen wir das Auto nach erledigter Shopping-Runde in der Tiefgarage stehen. Bis zur Donau waren es nur wenige hundert Meter und somit eine super Alternative zur Belgrader Innenstadt.
Am kleinen Hafen, unweit der Festung, lagen mehrere Schiffe in der Donau. In der Nacht werden sie zu schwimmenden Discotheken und das Partyvolk feiert und trinkt auf ihnen. Davon und überhaupt vom bekannten Belgrader Nachtleben, konnten wir uns leider kein Bild machen, nicht einmal ein ordentlicher Kneipenbesuch war am Abend des Vortages mehr drin. Der Akku war erschöpft.
Auch bei unserem heutigen Stadtbummel hatten wir kaum mehr Elan auf weitere Wege. Wir genossen lieber die Sonne auf den Platz der Republik und beobachten das Treiben um uns herum. Wenigstens die Kathedrale des Heiligen Sava wollten wir noch besichtigen! Wir blickten auf die Karten und nahmen wieder Abstand von unserem Plan. Eigentlich war es nicht sehr weit und locker mit einem Spaziergang zu erreichen, aber nicht heute. Im Nachhinein sicherlich ärgerlich, dass wir der Stadt nicht mehr Aufmerksamkeit schenken konnten. Allerdings ist gerade Belgrad die Stadt vom Trip, die wir/ich am wahrscheinlichsten nochmal besuchen werden. Also machten wir uns, getreu dem Motto „heute ist nicht aller Tag, ich komm wieder, keine Frage“, auf den Weg zum Auto und auf dem Weg zum Marakana.
Um 15.30 Uhr und somit 4 h vor dem Spiel, war am Stadion schon allerhand Betrieb. Viele kleine Gruppen lungerten bereits um das Stadion herum. Selbst die Staatsmacht legte schon ihre Panzerungen an. Ich bin nur ehrlich, wenn ich sage, dass mir nicht ganz wohl beim Gang zum Ticketschalter war. Auch im Offiziellen-Fanshop und vor allem in dem der Ultras, schritt ich ebenfalls so schweigend durch den Laden, wie ich bezahlte. Eigentlich war nun angedacht zum Spiel:

Sinđelić Beograd – Proleter Novi Sad
30.08., Prva Liga, Stadion FK Sinđelić

zu fahren, aber unseren 1A Parkplatz wollten wir ungern aufgeben und der Weg sah auf Papier gar nicht so weit aus. War er schlussendlich aber doch. So weit sogar, dass wir kurz vor dem Ziel wirklich auf das „nächste Taxi“ zurückgreifen wollten. Natürlich hatte wir diesen Satz kaum ausgesprochen und alle Taxis waren wie vom Erdboden verschlugt. Also ein paar Taler gespart und auch den restlichen Weg hinter uns gebracht. Viel zu sehen gab es nicht auf dem Weg.
Mit 10-15 minütiger Verspätung erreichten wir den Spielort. Für 2€ erhielt ich eine Eintrittskarte, A. musste als Frau keinen Eintritt löhnen. Das Stadion, wenn wir es denn so nennen wollten, hatte auf drei Seiten sechs Stufen, direkt am Spielfeld. 5.000 Leute sollen darauf Platz finden. Als Abgrenzung zum Spielfeld diente ein hüfthoher Zaun. An der vierten Seite, hinter dem Tor, trennte nur ein Fangnetz den Rasen von der Terrasse – gute Lage für fußballinteressierte Gourmets. Highlight war die Stadion eigene Open-Air-Bar, die sich unter den 400 Zuschauer großer Beliebtheit erfreute. Auch wir beide fanden uns gleich zweimal am Tresen wieder, versuchte die Sonne auch heute wieder den Planeten zu grillen.
Von dem Spiel blieb wirklich rein gar nichts hängen. Keine Ahnung ob es ansehnlich war oder ein Gekicke wie vor einigen Tagen in Kroatien. Die Spieler konnten einem aufgrund der Hitze fast leid tun, das weiß ich noch. Aktivitäten auf den Rängen gab es, wie erwartet, keine. Wer von den Zuschauern die 60 noch nicht überschritten hatte, kickte hier selbst gegen den Ball oder machte irgendeiner Dame in der Bar schöne Augen. Hier spielte sich überhaupt das meiste ab und die Bedienungen hatten alle Hände voll zu tun. Wir verließen zur 70. Minute das Geschehen und verpassten dadurch das entschiedene Tor für die Gastgeber, wie uns am nächsten Tag das Internet verriet.

Stadion

Crvena Zvezda – Spartak Subotiva
30.08., Super Liga, Marakana

Diesmal hatten wir mehr Glück, direkt am Stadion hielt ein Taxi und lud uns ein. Für nicht einmal vier Euro fuhren wir zum Stadion und erreichten es fast 60 Minuten bevor der Schiedsrichter das Spiel anpfiff.
Von außen wirkte das Oval nicht besonders beeindruckend. Ein Großteil des Stadions liegt unter dem Erdniveau und war daher für uns nicht von der Straße zu sehen. Der Eindruck änderte sich schnell, als wir die Stufen hinunter liefen – was für eine Wucht! Vor (inoffiziell) 110.000 Menschen fand hier im April 1975 das Halbfinale im Cup der Pokalsieger zwischen Crvena Zvezda und Ferencváros statt und war damit das meist besuchte Spiel in der Geschichte des Stadions. Die 100.000er Marke wurde noch einige Male erreicht, darunter auch Spiele gegen die deutschen Mannschaften vom 1. FC Köln, Dynamo Dresden und Bayern München. Heute bietet das Marakana „nur“ noch für 60.000 Leute Platz, bei Internationalen Spielen sinkt die Anzahl auf 55.000. Trotz (kleinen) Renovierungsarbeiten versprühte das Stadion eine Menge Charme und Geschichte. Die über 50 Jahre hinterließen viele Spuren, an einigen Ecken und allen voran am Dach warteten Schäden darauf, repariert zu werden.
Schon als wir die Karten holten, waren mehrere Fans damit beschäftigt den Zaun der Kurve mit ihren Fahnen zu behängen. Kurz vor dem Spiel kam noch eine ihrer Freunde aus Moskau dazu. Das Bild war geprägt von alten, großen und schlichten Fahnen, nur wenige kleine neue hingen am Zaun. Kurz vor dem Spiel ging das Spektakel los, tausende Arme wurden in den Himmel gestreckt, auf Kommando zweimal eingeklascht und dann hallte zum ersten mal brachial „Crvena Zvezda“ durch das Stadion. Die Kurve der Delije war, anders als der Rest des Stadions, sehr gut gefüllt. Mindestens 4.000 Anhänger waren von nun an drauf und dran ihre Mannschaft zum Sieg zu führen. Die Ausdauer der Gesänge oder auch der einfachsten Schlachtrufe war (für meinen Horizont) beispiellos. Beides wurde über mehrere Minuten (!) gehalten, ohne das dabei vor sich hin geflüstert wurde oder am Ende nur noch der Kern der Fans das Lied am Leben hielt. Mittels einzelnen Bengalen, Knallern und über 30 Schwenkfahnen war dauerhaft Bewegung in der riesigen Kurve. Die 70 Gäste aus dem 200 km entfernten Subotica hatten dem, logischerweise, nicht viel entgegenzusetzen. Zwar sammelten sich alle hinter der großen „Blue Marines“-Fahne und waren das Spiel hindurch (+ 30 Minuten davor) in Bewegung, aber bis auf gelegentliches Trommeln kam auf der Tribüne nichts an.
Im zweiten Spielabschnitt brannte es ohne Unterbrechungen bei den Heimfans. Neben zwei größeren Einlagen (kurz nach dem Wiederanpfiff ausschließlich mit Fackeln, 30 Minuten später mit allen Mitteln, die irgendwie knallen, leuchten, rauchen, oder blinken konnten), wurden ständig und überall in der Kurve Fackeln angerissen. Außerdem wurden verschiedene Spruchbänder entrollt, bei mindestens einen wurden die Geschehnisse (Auseinandersetzungen mit der Secrity) des letzten Auswärtsspiels abgehandelt. Die akustische Unterstützung blieb auf einem sehr gutem und lautem Niveau. Nach dieser Leistung auf den Rängen, ist das Belgrader-Derby noch mehr in meinen Focus gerückt.
Nicht nur auf den Rängen war das letzte Spiel des Trips ein Genuss, auch die Spieler gaben sich alle Mühe. Zwar muss ich zugeben, dass ich aufgrund der gut aufgelegten Kurve bei weitem nicht alles vom Spiel sah, aber drei Alutreffer und dutzende Torchancen sprechen für sich. In der 79. Minuten gelang es den Sternen endlich den überfälligen und hochverdienten Siegtreffer zu schießen. Mit dem Tor sorgten sie für einen wahren Orkan auf den Rängen, der mit 12.450 Zuschauern besetzten Tribünen. Wieder leuchteten einige Fackeln auf und das Stadion bebte im Schal der über 12.000 Kehlen. Einige Minuten wurden die Gesänge nun von allen Besuchern getragen, ehe sich der aktive Teil wieder auf die Kurve beschränkte. Nach dem Spiel gingen beide Mannschaften den Weg in die jeweilige Kurve und dankten den Fans mit Applaus.

Marakana
Einklatschen beim Roten Stern
Pyro, Foto 2, Foto 3, Foto 4
Gästeblock
Ultrá-Nachwuchs

1.150 Kilometer waren es bis zum Zwischenziel Leipzig. Ja, der Weg führte dank NOFV und kurzfristiger Spielverlegung nicht direkt nach Potsdam, sondern erst noch zum Club in Leipzig! Ankunft laut Navi schon um 8 Uhr, da sprangen sogar noch 3-4 Stunden Schlaf raus – läuft. Über die serbische Autobahn lief auch alles wunderbar, an der letzten Tanke für deutlich mehr als den deutschen Preis vollgetankt (da war also nach unserem ersten Tag Fettnäpfchen Nummer zwei) und „Schwups“ war die serbisch-ungarische Grenze erreicht! Um beide Grenzkontrollen dann allerdings zu überqueren, benötigten wir geschlagene vier (!!!) Stunden! Nicht die übergründlichen Absichten der Grenzer waren daran Schuld („Machen Sie den Kofferraum auf!“, Kofferraum aufgemacht, „Haben Sie etwas zu verzollen bei?“, „Nein.“, „Ok, gute Weiterfahrt“), sondern die Scharren von Touristen, welche sich alle wieder auf ihre Heimat verteilen wollten. Das war es dann also mit dem Schlaf vor dem Spiel! Die restliche Strecke lief dann ohne Probleme. Budapest durchquerten wir im dunklen, in Bratislava kämpfte die Sonne mit dem Nebel und gewann kurz vor Brno, 100 km weiter und genauso viele Kilometer vor Prag lief ich Gefahr gegen die Müdigkeit zu verlieren, aber A. erwies sich ein weiteres mal als super Mitfahrerin und hielt mich mit viel Gequatsche bis zur deutschen Grenze wach. Ab hier war es kein Problem mehr, auch die letzten Kilometer zu schaffen.

31.08. – In Leipzig fuhren wir direkt am Stadion vorbei und welch ein Zufall, es trafen sich gerade die Jungs aus der Kurve. Mehr als ein kurzes hupen und „bis später“ war erst mal nicht drin. Wenn die Zeit schon für keinen Schlaf mehr reichte, dann sollten wenigstens eine Dusche und etwas Essen bei den Großeltern für genügend Stärkung sorgen! Nach dem beides erledigt und der erste Eindruck der Tour berichtet war, fuhren wir nach Probstheida! Das Spiel gegen Jena Schott wurde nach einem 0-1 noch erfolgreich gedreht. In der Kurve herrschte über weite Strecken ein vernünftiger Support, gerade zum Schluss erreichte der 40/50-köpfige Haufen eine gute Lautstärke. Der Großteil des Restes begnügte sich einmal mehr mit Fußball gucken, über den kleinen Teil hüllen ich den Mantel des Schweigens. Nach dem letzten Pfiff fanden wir uns schnell im Auto wieder und fuhren die letzten Kilometer nachhause.