Auf 3 ½ Rädern durch Zypern!

Spiele: AEL Lemesós – Anorthosis Ammóchostos, AE Kouklion – Omania Lefkosias, Enosis Neon Paralimni – Apollon Lemesós

Nach Beendigung der Probezeit, war es nochmal an der Zeit für einige Tage mit der Freundin (im folgenen Text nur noch „Chefin“) das Ausland unsicher zumachen. Als Ziel wurde nach einer ganzen Weile Zypern auserkoren. Einziges Problem war der Flug. Steuern die Flieger aus Berlin doch nur am Montag oder Donnerstag die Insel an. Donnerstag schied gleich aus und Montag wären keine Spiele drin gewesen. Für 50€ mehr bot sich eine Reise von Freitag zu Freitag mit Umstieg in Wien an, die Chefin im Hause segnete netterweise ab und so stand einem Urlaub, gepickt mit 2-3 Spielen, nichts mehr im Weg.

08.11.
Der Zeiger hatte noch nicht mal die 5 überschritten da klingelte uns der Wecker wach. Kurz nach 6 Uhr befanden wir uns am Flughafen und bald im Flieger nach Wien. Eigentlich Zeit für ein Bier, schließlich wurde dekadent mit dem Bündnis Lufthansa-Austria Airline geflogen, wurde aber von der Chefin untersagt. In Wien wurden dann aus 75 Minuten bis zum Anschlussflug schnell 200 Minuten. Nun ja, gibt Flughäfen da trifft es einen schlimmer. Die couchartigen Liegen, freies Wlan und das neue „Ballesterer“ (absolute Kaufempfehlung, auch wenn es ein bisschen teurer ist) ließen die Zeit angenehm vorüber gehen. Außerdem trafen wir noch auf die Spieler von Sheriff Tiraspol, welche vom Spiel bei Tottenham kamen. Nach 11h auf Achse dann endlich unser HOTEL (5km vor Limassol) erreicht. Ja, es wurde komplett auf Hostels, oder Nächte im Auto verzichtet. Die Chefin strahlte übers ganze Gesicht. Der Abend hielt sich dann natürlich in Grenzen: Essen – kleine Runde am Strand – 3 Bier – Bett!

09.11.
Nach dem sehr ausgiebigen Frühstück und einer Runde im Pool, wurde pünktlich das gemietete Auto abgeholt (etwas mehr als 10EURO/Tag). Dachte ich schon, dass es nicht kleiner als der Fiat in Italien geht, wurde ich überrascht. So wurde uns ein orangener Kia Picanto mit den Worten: „Drive left“ überreicht. Auf ins Abenteuer, Linksverkehr! Klappte eigentlich ganz gut, ich musste schließlich nur den vorfahrenden Autos folgen. An manchen Kreuzungen stand ich natürlich doch mal etwas länger, um alle Richtungen abzuchecken, aber dank roten Nummernschild waren die einheimischen vor „Fremden“ gewarnt. Der kurze Weg ins Stadtzentrum von Limassol wurde also ohne Probleme gemeistert. Die zweitgrößte Stadt der Insel gehört sicher nicht zu den schönsten, trotzdem wollten wir uns die Stadt natürlich anschauen. Viel zu sehen gab es wirklich nicht und selbst die Innenstadt gab kein besonders schönes Bild ab. Ein erstes Bad im Meer fiel dann leider mehreren Bauzäunen und Felsen ins Wasser (haha). Schöne Strände sind im griechischen Teil auch eine Seltenheit und finden sich nur am östlichen Zipfel und in Pafos (zu deutsch: Paphos). Also erkundigten wir uns ganz „Oldschool“ mit Karte in der Hand beim nächsten Geschäft, wo das Stadion ist. Dieser erfreute sich an unserem Interesse und malte uns den Weg ein, 20 Minuten sollten wir bis zum Stadion benötigen. Am Ende war es eine gute Stunde, die wir bis zum Austragungsort der Partie:

AEL Lemesós – Anorthosis Ammóchostos
09.11, Tsirion Athlitiko Kentro, 1. Division

benötigten. Hier war schon allerhand Betrieb. Vor allem Jugendliche machten sich in kleinen Gruppen zum Spiel, viele davon auch mit einigen Mädels. Fußball ist hier also nicht nur eine Angelegenheit der Männerwelt. Die meisten hatten sich irgendetwas gelbes übergestreift, was schon vor den Toren des Stadions ein geschlossenes Bild abgab. Hinter den Kassenhäus´chen versperrten die Cops mit Stacheldrahtrollen den Weg zu den Gästen. Dahinter positionierten sie sich mit Helm, Riotschild und Schlagstock. Wirkte sehr militant und schreckt sicher Familien und ältere Zuschauern ab, von denen schlussendlich auch nicht viele im Stadion (5.332 Zuschauer) gesichtet wurden. Für 17Euro (Preis und freie Platzwahl in allen Stadion gleich) gelangen wir ins Stadion. In welchem beide ortsansässigen Clubs ihre Heimspiele austragen. 14.000 Zuschauer passen in das Stadion, welches nur auf beiden Geraden bebaut ist, aber über jeweils zwei Ränge verfügt.
Kurze Exkursion in die Wunderwelt des Fußballs: Anorthosis Ammóchostos spielte die ersten 63 Jahre seiner 102-jährigen Vereinsgeschichte in Ammóchostos (deutsch: Famagusta), woher der Verein auch stammt. Nach der Besetzung des Nordens durch die Türken (ich gehe hier mit Absicht nicht auf Recht, oder Unrecht ein, sprengt es doch den Rahmen und steht mir als Außenstehender wohl auch nicht zu) ist der Verein seitdem gezwungen seine Spiele in Larnaka auszutragen und verlegte später auch seinen Vereinssitz in die Küstenstadt im Süden des Landes. Mittlerweile verfügt der Verein (aus diesem Grund?) in ganz Zypern über eine große Anhängerschaft.
Der neue Länderpunkt konnte nicht besser beginnen. Die Heimseite ums Gate 3 begann schon 20 Minuten vor dem Spiel mit der Unterstützung und begleitete die Mannschaften mit einer Choreo aufs Feld. Diese bestand aus schwarzen/gelben/blauen Fahnen und einem Astronauten samt AEL-Fahne, welcher an der Dachkonstruktion hochgezogen wurde. Das Bild konnte selbst von unserer Position aus überzeugen. Genauso wie die langen und alten Zaunfahne, die die Tribüne zierten und kaum Platz frei ließen. Die Gäste bekamen die komplette Gerade zugesprochen und füllten diese mit 800 Fans. Rund 250 davon standen gegenüber der Heimszene und nebelten die halbe Tribüne in schwarzen und blauen Rauch ein. Nach dem der Rauch langsam verzogen war starteten die MAXHTEC (Fighters) und die Ultras Famagusta mit einer guten Vorstellung, welche konstant gehalten wurde. Im Gegensatz zum Gate 3 wurde hier weniger auf längere Lieder und Melodien, statt mehr auf Schlachtrufe und kurze Lieder zurückgegriffen. Außerdem wurden die Gäste nicht Müde immer und immer wieder Pyro zu zünden, selbst der fotowütige Autor ließ irgendwann die Kamera in der Tasche und genoss einfach nur das Schauspiel. Die Gastgeber legten einen ähnlich starken Auftritt hin, nur eben mit mehr Melodien und Vielfalt, dennoch laut, fanatisch und untermalt von einigen Schwenkfahnen.
Das Spiel konnte zur unserer Überraschung ebenfalls überzeugen. AEL bestimmte das Spiel und ging nach 20 Minuten verdient in Führung, welche 12 Minuten später per Strafstoß neutralisiert wurde. Die Entscheidung des Schiris teilten allerdings nicht alle im Stadion und so flogen im hohen Bogen die Choreomaterialen, allen voran die PVC-Stangen, in Richtung Schiedsrichtergespann und Gästebank. Störte den Schiri und die Ordnungshüter aber genauso wenig wie die nächste große Pyroshow im Gästeblock, bestehend aus zwei Dutzend Fackeln, Rauch und Böllern. Am Ende gewannen die Blau-Gelben, wie sollte es bei den Farben anders sein (hehe), verdient mit 3-1!

Choreo im Heimblock
Spruchband und Pyro im Gästeblock, Foto 2
Armeinsatz im Gate 3
Zweckentfremdete PVC-Stangen
Armeinsatz im Gästeblock
2. Pyroshow der Gäste, Foto 2
Eine letzte Fakel und die Staatsmacht

Auch auf den Rückweg zogen sich die angeblichen 20 Minuten wieder gehörig in die Länge. Die Kraft reichte aber noch für einen kleinen Bummel durch die mittlerweile dunkle Stadt. Ehe es wieder mit dem Auto zur Herberge ging.

10.11.
Heute stand die Westküste inkl. abendlichem Fußballspiel auf den Plan. Also wurde bei Zeiten das Auto bestiegen und ab auf die Autobahn (keine Maut, fast immer leer, geht komplett am Meer lang – schöne Sache!). Nach einen kurzem Zwischenstopp am Felsen der Aphrodite, ging es weiter nach Paphos und ab dort per Landstraße weiter nach Polis. Auf dieser kam unser Auto das erste mal ins schwitzen. Hatte der kleine Kia doch seine Probleme, die teilweise 13°-15° Steigungen zu meistern. Mit 30 km/h und heulenden Motor bezwangen wir aber auch diese Anstiege gemeinsam und fanden uns bald am Strand wieder. Sonnen, baden, lesen… nach 2-3h Erholung, einem Spaziergang und kleinen Mittag wurde bald wieder das Auto bestiegen. Dieses hatte nicht nur Probleme mit Anstiegen, sondern auch mit der Sonne. So bald es länger als 30 Minuten in der prallen Sonne stand, wollte es partout nicht mehr anspringen. Waren wir beim ersten mal noch geschockt, wussten wir mittlerweile damit umzugehen und nach 5-6 Startversuchen ging es weiter. Eigentlich sollte es nun nach Paphos gehen, aber die schöne Landstraße (diesmal direkt am Meer und über unzählige Weinberge) ließ uns öfters Anhalten und die Ausschicht genießen. Außerdem entdeckte die Chefin noch ein Schild „Waterfall – good for all cars“! Also wurde der Ausschilderung gefolgt und bald den „good“ Weg erreicht. Nach kurzen grübeln (eigentlich schon fast gewendet) ging es doch auf die Schotterpiste. Und diese hatte es in sich. Das ständige auf und ab (jenseits von den 13° vom Vormittag, wohl eher um die 23°) auf der unbefestigten Straße drohte unseren Innenstadtflitzer in die Knie zu zwingen. Nach 1000 von 3000 Metern, qualmenden Bremsen und nach verendungriechender Kupplung gaben wir auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte schon der rechte Vorderreifen aufgegeben und führte dementsprechend nur noch ein Teil der Luft mit sich. Na ja, selbst Schuld. Die Jäger mit Schrottflinte (Jagdgebiet) fuhren schließlich nicht aus Spaß mit dicken Jeeps den Weg entlang. Motor und Kupplung hielten tapfer durch und durften im Dreieck gesprungen sein, als es wieder auf der Asphaltpiste Richtung Tal ging. Einzig die Bremsen wurden weiter strapaziert. Mussten wir doch Unmengen von Ziegen den Vortritt, auf der kurvigen und abschüssigen Straße, gewähren. http://s7.directupload.net/images/131119/aaml97jh.jpgAuch der Reifen hatte nun Grund zur Freude, füllten wir ihn doch nun in regelmäßigen Abständen neue Luft zu, die er bis zum letzten Tag leider nie länger als 30-40 Kilometer behalten wollte und uns dementsprechend einige Tankwärter in Zypern nun sicher kennen;). Die Stadtbesichtigung in Paphos musste (heute) verständlicherweise dem Spiel:

AE Kouklion – Omania Lefkosias
10.11., Paphiako Athlitiko Kentro, 1. Division

weichen. 17 Uhr und eine Stunde vor Spielbeginn dominierte vor den Stadiontoren die Farbe grün und wir fanden zwischen den zahlreichen Gästen aus der Hauptstadt unseren Parkplatz. Eine Runde um das Stadion führte uns in eine kleine Boutique, wo die Chefin ihr Urlaubsschnäppchen schoss und dementsprechend gut gelaunt wieder Richtung Stadion schritt. Kaum im recht hübschen Stadion (große Tribüne, kleine Gegengerade) Platz genommen, stürmten 30-40 Gäste das Stadion und erleichterten die davor stehenden Cops um 2-3 Schilder, welche gleich auf der Laufbahn entsorgt wurden. Während nun die Cops von außen die Tore schlossen, wurden sie von innen mit verschiedenen Wurfmaterial eingedeckt. Nach zwei Minuten beruhigte sich die Lage wieder und im Gästeblock wurde sich wieder auf die Vorbereitung der Choreo konzentriert. Wie gestern, schien die Polizei auch heute kein Interesse an einer direkten Strafverfolgung zu haben und erschien im laufe des Abends weder im Innenraum, noch im Block. Wird umgangssprachlich wohl „Deeskalation“ genannt. Sollten sich einige Einheiten mal eine Scheibe von abschneiden, anstatt wegen Banaldelikten sinnlos die Stimmung anzuheizen und Unbeteiligte zu gefährden.
Zum Einlauf präsentierte Gate 9, im aktiven Teil des Blockes, wie erwarte eine kleine Choreo aus grünen/weißen Zetteln und einer Blockfahne. Den Gästen wurde auch heute wieder die komplette Gegengerade zur Verfügung gestellt. Auf dieser verteilten sich 500-600 Hauptstädter. Knapp 200 von ihnen standen als kompakter Mob auf Höhe der Mittellinie und supporteten ihre Mannschaft mit sehr ausgefallenden Liedgut zum Sieg. Viele der gesungenen Melodien konnten wir schnell vergangenen Pop- und Rocksongs zuordnen und hatten wir bzw. ich vorher noch nie in anderen Stadien gehört (dazu muss ich gestehen, dass ich mir kaum Kurvenvideos auf „youtube“ reinziehe und daher auch wenig kenne). Wusste also durchaus zugefallen. Leider konnte das Niveau von 200 Sangeswilligen der ersten 25 Minuten nicht gehalten werden und es wurde erst wieder die letzten 30 Minuten lauter. Auch heute konnte die Zaunbeflaggung überzeugen. Eine gesunde und vor allem gut ausschauende Mischung aus kleinen und großen Fahnen zierte die Gerade. Auffallend waren die vielen Sektions-Fahnen, welche von der ganzen Insel stammten. Ob das nun an der Politik liegt, welches die Fanszene und der Verein („wikipedia“ dazu: „Der Klub entstand aus der Abspaltung von APOEL Lefkosia, der sich im griechischen Bürgerkrieg auf die Seite der Rechten verschlug.) fährt, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Die Heimseite verfügte weder über eine Fangruppierung, noch über einen nennenswerten Zuschauerzuspruch. Offiziell besuchten 923 Zuschauer das Spiel, wenn ich davon den Gästeblock und die Sympathisanten auf der Tribüne abziehe, blieben unterm Strich wohl kaum mehr als 250 Menschen, welche dem Gastgeber die Daumen drückten.
Auf dem Feld war es eine ähnlich einseitige Partie, wie auf den Rängen. Der Gastgeber hatte Omania nicht ansatzweise etwas entgegen zu setzen. Zur Halbzeit stand es schon 3-0 für die Gäste. Am Ende verlor der Aufsteiger 4-0 und konnte darüber noch glücklich sein. Vergaben die Angreifer doch die besten Möglichkeiten für einen höheren Kantersieg.

Unruhe am Gästeeingang
Hauptribüne
Kleine Choreo von Gate 9
Support im Gästeblock
Klare Ansage in der Stadt

Schnell dem lädierten Reifen etwas Luft zugeführt, begann der Wettlauf gegen die Zeit. Schließlich wollten wir unser Buffet, welches nur bis 21 Uhr geöffnet hatte, noch erreichen. Klappte bis Limassol auch sehr gut, leider hatten wir vergessen uns die Adresse, oder wenigstens Abfahrt von unserem Hotel zu notieren (wie die folgenden Tage auch). Nach einer kleinen Irrfahrt erreichten wir kurz vor Küchenschluss den Saal. Nach einem Pils endete dieser Tag frühzeitig im Bett.

11.11.
Es ist zum kotzen! Da habe ich nach 6 Monaten endlich mal Urlaub, aber der Körper ist dermaßen am Arbeitsrhythmus gewöhnt, dass ich pünktlich um 6 Uhr fit wie ein Turnschuh bin. Da es in Zypern schon um 7 Uhr war, gab es wenigstens bald Frühstück. So hatten wir immerhin einen vollen Tag! Dieser führte uns in den östlichsten Zipfel der Insel, genauer gesagt nach Ayia Napa. Eine Stadt aus Hotels, die waren natürlich nicht unser Ziel, sondern der schöne Sandstrand. http://s14.directupload.net/images/131119/ok43pahq.jpgPünktlich zur einsetzenden Mittagssonne fuhren wir zum nächsten Ziel, die Hauptstadt (Startprobleme und Luftzufuhr führe ich nicht mehr extra auf … !)! Das erste und letzte mal erlebten wir auf der Insel so etwas wie „Verkehrsaufkommen“. Also wurde schnell das Auto abgestellt und zu Fuß die Stadt erkundet. Schnell wurden wir als Touris enttarnt und ein Geschäftsmann sprach uns freundlich an und empfahl uns einen interessanteren Weg, als den unsrigen! Überhaupt bleibt festzuhalten, dass alle Menschen hier fast übertrieben nett und zuvorkommend sind. Wenn wir eine Frage stellten und diese uns nicht beantwortet werden konnte, wurde schnell ein englischsprechender Kollege/Freund/Nachbar auf uns aufmerksam gemacht. Auch im Verkehr blieben größere Hupkonzerte für verwirrte Ausländer aus, also nicht das ich Fehler gemacht hätte… aber die anderen;)! Also ging wir den empfohlenen Weg entlang und erreichten bald die Veneziansiche Festungsmauer und die darin liegende Altstadt von Lefkosia (zu deutsch: Nikosia). Genau durch diese verläuft auch die „Green Line“, welche die Stadt Zweiteilt. Nikosia ist die letzte geteilt Hauptstadt der Welt. Sicher ein Umstand auf den niemand stolz zu seien braucht.http://s1.directupload.net/images/131119/tlktb5hg.jpg Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen dem türkischen Teil (oder besser: Nordzypern) einen Besuch abzustatten. Für den Übergang bekamen wir von den arg unfreundlichen Grenzbeamten ein Blattvisum ausgestellt, welches wir beim Verlassen wieder vorzeigen mussten. Mehr als eine kleine Runde drehten wir allerdings nicht. Ist der türkische Teil der Hauptstadt, abgesehen von der Selimiye-Moschee und weiteren Gotteshäusern weniger sehenswert und zum Teil arg verfallen und vom Konflikt gezeichnet. Nach einer Gyros-Tasche schauten wir uns den Erzbischöflichen Palast und das Denkmal an, welches an die Befreiung der britischen Kolonialherrschaft erinnert. Danach ging es durch den Berufsverkehr zum Spiel

APOEL Lefkosia – Alki
11.11., Neo GSP, 1. Divison

Das Flutlicht wies uns den Weg zu einem super Parkplatz direkt am Stadion. Viel los war noch nicht, nur einige Fernsehteams wuselten umher, war ja auch noch eine Stunde Zeit. Stutzig machten mich allerdings die verschlossenen Ticketschalter. Ein Ordner klärte uns dann auf, dass das Spiel aufgrund von zu vielen Chaoten ohne Zuschauer stattfindet. Klasse, so hatte ich mir den letzten Kick in Zypern natürlich nicht vorgestellt. Fuck!

Im Hinterkopf schwirrten mir noch die Spielansetzungen des heutigen Tages. Zwar wusste ich, dass noch ein zweites Spiel stattfand, allerdings wusste ich weder Spielzeit noch -ort. Wenn ich mal wirklich ein offenes Wlan benötige war natürlich keines da. Halt doch… zwei Schritte zurück und vier Schritte nach links… na bitte. „Soccerway“ verriet uns eine Alternative in Paralimni. 50 Minuten veranschlagte das Navi für die Strecke, leider ohne die genaue Adresse des Stadions der Partie:

Enosis Neon Paralimni – Apollon Lemesós
11.11., Stadio Tasos Markou, 1. Division

zu kennen, dafür reichte Zeit und Empfang nicht. Zeitpolster von nicht mal 10 Minuten, zuzüglich Stadionsuche. Nach kurzer Überlegung, die Chefin wollte sich nur das Spiel geben, wenn wir pünktlich da wären, befanden wir uns schon wieder auf der Autobahn, um so ziemlich die gleiche Strecke, wie vor 6h zu fahren. Der kleine Kia gab alles (armer Reifen) und holte tatsächlich einige Zeit raus. Das Stadion fanden wir dank des scheinendes Flutlichtes ohne Probleme und so stellten wir 15 Minuten bevor der Anpfiff ertönte unser Gefährt ab.
Stadion wieder ganz nett, nur die Gegengerade hätte etwas länger ausfallen können, sah so doch etwas verunglückt aus. 809 Zuschauer wollten sich den Tabellenführer anschauen, rund die Hälfte davon brachte dieser selbst mit. Neben einer riesigen Zaunfahne und weiteren kleinen, hatten die Apollon-Anhänger noch drei Schwenken im Gepäck. An den Gesängen beteiligten sich rund 150 Gäste, manchmal auch mehr. Gerade in der ersten Hälfte konnten diese überzeugen und sangen fast die kompletten 45 Minuten ein Lied durch, untermalt von verschiedenen Gesten, wie z.B. einhakend, einklatschend, oder wild pogend. Im zweiten Durchgang nahm die Unterstützung etwas ab. Für die kleine und sehr junge Heimszene (Gate 26, viele mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“-Pulli) hat es dennoch gereicht. Diese befand sich nämlich im Boykott, dementsprechend verhielten sich die Jungs und Mädels ruhig und schauten sich das Spiel sitzend an.
Sehr interessant gestaltete sich heute das Spiel. Zwar war es etwas verfahrender als die letzten beiden, aber dafür sorgte der Schiri für immense Unterhaltung. Zumindest bei den neutralen Zuschauern. Ein Elfmeter in der 27. Minute (0-1, Endstand) sorgte das erste mal für Wutausbrüche auf den Rängen der Gastgeber und der Unparteiische durfte sich beim Gang in die Katakomben einiges anhören. War der Elfer vielleicht noch vertretbar, schien ihm das Spiel im zweiten Spielabschnitt komplett zu entgleiten. Böse Fehlentscheidungen, welche immer wieder Paralimni trafen (Abseits, Fouls die gedreht wurden) brachten nicht nur das Publikum gegen ihn auf, sondern auch die Spieler. So musste der eben ausgewechselte Spieler, nach einem Flaschenwurf in Richtung des Schiris, die Bank wegen der anschließenden roten Karte verlassen. Spätestens jetzt wollte auch der letzte Sonnenblumenkern kauende Rentner das Schiedsrichtergespann lunchen. Wenigstens kam nun auch etwas Fußballatmosphäre auf der Tribüne auf. Zwar richteten sich die Gesänge hauptsächlich gegen den Mann mit der Pfeife und den Verband (?), aber hier war nun Feuer drin. Der Schiri störte sich daran nicht weiter und zog sein Stil durch. Nach dem Schlusspfiff „dankte“ es ihn es das Publikum mit einem Hagel aus Murmeln, Steinen, Kleingeld und Feuerzeugen, so das ihm trotz Polizeischutz mit Schilder nur der Sprint in den Spielertunnel blieb. Temperamentvolles Völk´chen! So schnell ließen die Benachteiligten aber nicht von ihrem Ziel ab, ein run hinter die Tribüne und wildes Zaunrütteln folgte. Erst als einige Riotcops erschienen beruhigte sich die Lage. Allerdings nicht für einen Ultra, der sich seinen Roller schnappte und ohne Licht über den Trainingsgelände heizte um es auf der anderen Seite nochmal zu probieren.

Pullover der Heimszene
Gästeblock
Gästeblock in Bewegung
Verabschiedung der Schiedsrichter
Haupttribüne

12.11.
Heute stand das Troodos-Gebirge auf den Plan. Die Landstraße führte uns durch kleine Dörfer und an große Stauseen vorbei, welche leider nicht zum baden einluden. Dies machte dann aber ein Wasserfall, dessen Besichtigung zwar etwas kostete, wir uns diese aber nicht nehmen ließen. Der zu 50% natürliche Wasserfall diente den Briten früher als Dusche, so entnahmen wir es den Schildern. Also Klamotten aus und ab unter das kalte Wasser. Der weitere Weg führte uns hinauf auf den Olympos. 1900 Meter über dem Meeresspiegel war unser Sommer-Outfit etwas dünne. Aber bei der anschließenden Wanderung über Stock und Stein, wurde uns schnell wieder warm. Die vollen 14 Kilometer konnten wir leider nicht abreißen, dennoch war die Ausschicht und Natur ein echtes Highlight. Auf den Rückweg schauten wir uns noch eins der Bergdörfer genauer an und stimmten den Reiseführer zu: „nettes Dorf“! http://s1.directupload.net/images/131119/gsru4pol.jpgBevor es zum Abendbrot ging, besuchten wir den AEL-Fanshop. Nach dem ich den neugierigen Verkäufer auf die Frage, welcher mein Verein sei, mit „Lok Leipzig“ antworte, steckte dieser mir aus Mitleid(?) noch zwei Pins gratis ein.

13.11.
Wieder ging es, schon weit bevor der Wecker klingelte zum Orangen-Flitzer. Heute starteten wir den zweiten Versuch die Stadt Pafos zu erkunden. Erstes Ziel war aber der dortige Vogelpark. Schließlich bestand die Chefin auch auf ihren Länderpunkt! Ich muss gestehen, dass mir die Anlage ganz gut gefallen hat. Das Meer war in Sichtweite und der Park war liebevoll gestaltet. Da die Sonne heute wieder alles gab, wurde ein Zwischenstopp am Meer gemacht. Sandstrand, angenehme Wassertemperatur, kaltes Bier… das Leben kann so schön sein. Paphos Stadtleben erreichten wir trotzdem noch bevor die Dunkelheit kam. Die Innenstadt fand ich jetzt nicht so schön, wie beschrieben. Dafür konnten die verschiedenen Sehenswürdigkeiten das erste Mal im Urlaub wirklich punkten . So z.B. die Felsgräber, vor dessen Eingang ein Baum mit an geknoteten Stofffetzen steht, dieser alte Brauch soll die Gebete wirksam machen), oder das Saranda Kolones. http://s1.directupload.net/images/131119/li2599ui.jpgAm Meer tobte dann wieder das Touristenleben (wie fast überall auf der Insel, im Sommer muss hier Mord und Todschlag herrschen). Wir sparten uns die 1,50€ für eine Kugeleis und schauten uns das Treiben im Sonnenuntergang an.

14.11.
Letzter voller Tag. Ab an den Strand und Sonne tanken, wollten ja nicht komplett blass wieder heimkehren. Also haben wir unseren Kia nochmal über die Insel fahren lassen und die Sonne in Ayia Napa am schönen Strand genossen. Ein letztes mal am Kloster Stavrovooúni, welches seine Pforten nur für die männliche Erdbevölkerung öffnet und dank gekränkter Chefin dementsprechend nicht besucht wurde, war es am Abend Zeit unseren Kia „Lebewohl“ zu sagen. Auf das du nochmal so viel Spaß hast wie mit uns!

15.11.
Zwei Runden im Pool, eine Runde im Meer und am Mittag stand unsere Rückreise an.