Hallescher FC – Hansa Rostock

10.03., 3. Liga, Kurt-Wabbel-Stadion

Die Anreise nach Halle begann mit einem kurzen Sprint zur Straßenbahn, danach ging es dann mit der S-Bahn weiter nach Halle. Im und am Bahnhof bezogen schon reichlich Cops Stellung. Die Insassen des Sonderzuges wurden dementsprechend von kläffenden Hunden und Bullen mit Sturmhaube empfangen. Wer Fans wie Schwerverbrecher behandelt, braucht sich nicht wundern, wenn sie zu welchen werden! Die rund 900 Hansa-Fans mussten nun noch rund 1h auf Nachzügler warten, ehe es mit einem riesigen Polizeiaufgebot (mehr als 1.000 Polizisten, bei nicht mal 13.000 Zuschauern) zum Stadion ging. Auf dem Weg blieb es ruhig, am Gästeblock kippte die Situation dann kurzfristig und die Beamten sahen sich wohl einigen aufgebrachten Fans ausgesetzt, die den Anpfiff nicht vor den Stadiontoren erleben wollten.
Ich machte es mir, dank träumender Ordnerin, vor dem Anpfiff auf den gepolsterten Presseplätzen bequem (wichtig bei dem Wetter) und hatte somit beste Sicht auf den Platz und die Kurven. Die HFC-Fankurve konnte auch gleich mit einer sehr beeindruckenden Choreo punkten. Auf einem schwarzen Spruchband stand in weißen Buchstaben: „Wir sind Halle aas“, dazu wurden rote und weiße Zettel hochgehalten. Nach einer Weile kam dann die eigentliche Choreo: bei klassischer Musik aus den Stadionboxen wurde eine riesige Folie an der Dachkonstruktion hochgezogen (die Bilder unten beschreiben es am besten ;) ), dahinter loderten und rauchten einige Blinker. Eine absolut gelungene Aktion. Den Applaus des Publikums hatte sich die Saalefront verdient. Der Gästeblock bot nichts optisches zum Einlauf, waren ja auch noch nicht alle drin. Das Stadion war mit 12.700 Zuschauern, wie zu erwarten, ausverkauft. Im Gästeblock nahmen 1.250 Gäste Platz. Auf den Rängen begannen beide Seiten stark. Im Gästeblock zogen nahezu 100% mit. Es wurde zwar meistens auf bekanntes Liedgut gesetzt, dafür konnte aber eine sehr gute Lautstärke erreicht werden. Die Schalparaden und die Hüpfeinlagen konnten, wie immer überzeugen. Auch der Heimblock (neben etlichen Lokisten, auch ein Bus aus Erfurt) war heute sehr gut aufgelegt. In den ersten Minuten konnte über die Hälfte der Hintertortribüne zum Mitmachen animiert werden. Die Beteiligung nahm zwar, trotz super Spielverlauf (2-0 nach 15 Minuten), ein wenig ab, blieb aber auf gutem Niveau und vor allem laut. Nach dem zwischenzeitlich 2-1 gab es einige schöne Gesangsduelle zwischen beiden Blöcken. Bei den 3 Toren blieb es aber nicht, denn Halle machte zur 30. Minuten das nächste Tor, 3-1 zur Halbzeit. Die Unterstützung blieb trotz des Rückstandes über die gesamte erste Halbzeit stark. Vielleicht sind die Rostocker-Fans nach den letzten Jahren einfach resistent gegen Niederlagen geworden?!
Zur zweiten Hälfte entrollten die Hallenser ein Tapete Richtung Polizei „Niemand hat die Absicht eine Vollkontrolle durchzuführen“, dazu wurde eine ACAB-Fahne und die bekannte“No Justice – No Peace“-Fahne auf den Zaun gezeigt. Hintergrund: beim letzten Auswärtsspiel in Darmstadt mussten sich zwei Hallenser entkleiden und eine Genital- und Analkontrolle über sich ergehen lassen. Bei solchen Vorgehen, von Seiten der Polizei, braucht sich die GdP auch nicht wundern, wenn sich an einem Spieltag mal wieder Fans zur Wehr setzen! Nur werden solche Provokationen natürlich vertuscht und finden in der Gesellschaft selten ein offenes Ohr. Kein Wunder also, dass ein Großteil der Gesellschaft immer nur die bösen Ultras und Hooligans in der Schuld sehen. Aber haben nicht genau diese Rentner, Familienväter und Mütter früher auch gegen die StaSi gehetzt, oder in Hamburg und Berlin mit Steinen auf die Polizei geworfen? Damals war es ein politischer Protest und ein Aufstand gegen Kontrolle und Willkür, heute sind es sinnlose Randale? Ich schweife ab… . Die Rostocker präsentierten währenddessen ein Banner im Graffiti-Styl (Hansa Rostock), in der Mitte hielt ein Affe einen Bengalo in der Hand. Nach wenigen Augenblicken wurden 4-5 Fackeln auf Höhe des Banners gezündet und weitere Pyrotechnische Erzeugnisse brannten ab. Die zweite Topp Aktion am heutigen Tag, sahen leider nicht alle Zuschauer so und die kurze Spielunterbrechung wurden für Pfiffe und „Scheiss Hansa Rostock“-Gesänge genutzt. Die Bengalos erloschen gerade, als einiges an weißen Rauch aus den Gästeblock aufstieg und die ganze Gegengerade zu nebelte. Nach dem turbulenten Start widmeten sich beide Seiten wieder der Akustischen Unterstützung. Wie auch in der ersten Hälfte ansprechende Unterstützung, wobei Rostock in der zweiten Hälfte etwas an Lautstärke verlor, aber mit optischen Mitteln überzeugte (hinsetzen und aufspringen, Schalparade, Schal umher schleudern usw.). Auch das kurzzeitige selbst feiern, alá „Hansa hat die besten Fans der Welt“ konnte mir ein lächeln ins Gesicht zaubern. Auf den Rasen passierte in den zweiten 45 Minuten nichts mehr. Halle verwaltete und Hansa konnte nicht mehr. Schade, denn das Spiel wusste in der ersten Halbzeit sehr zu überzeugen. Aber auch so war ich nach den 90 Minuten mehr als zufrieden, mit dem Spiel und seinen Drumherum. Randale- und Krawalltoursiten wurden vielleicht enttäuscht, aber was habt ihr bei den Polizeipräsenz und der Lage der Rostocker-Fans erwartet?
Für mich ging es mit einer 1A Mitfahrgelegenheit heimwärts, dem jungen Mann störte weniger der Schnee als die langsamen „Gegner“ auf der Autobahn. So ging es über die schneeweiße Autobahn, mit Lichthupe auf der linken Spur, schnell Richtung Heimat.

Hansa auf den Weg zum Stadion
Choreo Teil 1, Teil 2,Teil 3
Unterstützung im Heimblock, Teil 2
Unterstützung im Gästeblock, Teil 2
Tapete von Halle in Richtung Cops
Hansa-Zeug in der HFC-Kurve
Pyro Hansa, Teil 2, Teil 3, Teil 4